2×1.000 Zeichen: Filmkritik im Doppelpack

– zwei Meinungen zu „Travelator“ (Serbien, 2014) –

 „What‘s the purpose of your stay?“, fragt der amerikanische Beamte bei der Immigration. „Pleasure“, sagt Slav (Nikola Rakocevic). Allerdings ist genau das Gegenteil der Fall: Der passionierte Ego-Shooter will in Las Vegas einen Auftragsmord erledigen. Der Job soll die Krebsbehandlung seiner Mutter bezahlen, mit der er in einem serbischen Flüchtlingsheim lebt. Wie ist der Film? Ihre Meinungen haben Mareike Lange und Thorsten Bruns aufgeschrieben. Einzige Vorgabe: maximal 1.000 Zeichen.

In „Travelator“ ist alles hart, die Bilder, die Musik, die Menschen, das ganze Dasein. Ob die zerrütteten Straßen des Flüchtlingslagers bei Belgrad oder die schillernden von Las Vegas – der ebenso desillusionierte wie empfindsame Slav, eindringlich gespielt von Rakocevic, bewegt sich stets durch eine inhaltsleere oder zumindest graugestrickte Welt. Auch ihn hat das Flüchtlingsschicksal hart gemacht.

Seine Geschichte ist sehenswert und von Dusan Milic in dichter, packender und unterhaltsamer Filmsprache vermittelt. Die Atmosphäre und das mal schnelle, mal langsame Erzähltempo werden verstärkt durch eine gelungene Kameraführung und raffiniert gesetzte Cuts.

Was man dem Film vorwerfen könnte: dass einige Fragen unbeantwortet bleiben. Und die Überfülle an filmischen Effekten sowie Show- und religiösen Referenzen, die den Kontrast zwischen hedonistischer Oberflächlichkeit und Moral verdeutlichen soll. „I think of Las Vegas as hell on earth“, sagt der Regisseur dazu.

Auf stimmige Weise eigen, wie der Film.

Text: Mareike Lange


Stellen Sie sich vor, Sie möchten einen Mann in Las Vegas töten lassen. Wen heuern Sie an? Profi-Killer? Todesschwadron? Nein. Sie beauftragen einen jungen Gamer. Begründung: Der Knabe hat schnelle Klickfinger. Plausibilität: Begrenzt.

Was will ich? Was kann ich? „Travelator“ ist sich nicht ganz sicher. Themen wie Flucht, Armut, Korruption werden angerissen, aber nicht gedeutet. Für mich: verschenktes Potenzial. Stattdessen: viel christliche Symbolik: Kreuze, Bibeln, Prediger, Verse. Schon klar: Serbien ist orthodox, Las Vegas „Hell on Earth“ (Milic im Q&A). Aber das war mir zu viel.

Gelungen: Slav bewegt sich – wie im Egoshooter – fast immer auf festen Bahnen („Travelators“). Sein Weg ist vorgezeichnet, er scheint ausweg- und alternativlos. Eine Laufschrift in Las Vegas nimmt es vorweg: „You’re dead, you just don’t know yet.“
Weitere Sympathiepunkte gibt es für die Guerillataktik (Milic: „Almost everything was shot without permission“) und für das Ergebnis unter diesen Bedingungen. Lob auch für den ungewöhnlichen Versuch, Computerspielästhetik mit serbischer Zeitgeschichte zu paaren. Nur die Story will mich nicht überzeugen. Schade!

Text: Thorsten Bruns


Screenings abgeschlossen

 

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