„5 Fragen an …“ uns selbst

– Zwei OffBlogger interviewen sich gegenseitig über den Film „The Long Way Home“ –

In „The Long Way Home“ (E, 2015) von Sergi Pérez wird auf aufwühlende, erschreckende und wahnsinnig intime Art der Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen thematisiert. Wir, Judith und Ramona, haben den Film gestern im cine k gesehen und fühlten uns wie erschlagen nach dieser intensiven Erfahrung. Das Wirrwarr, das die Bilder in unseren Köpfen hinterlassen hat, arbeiten wir auf, indem wir uns gegenseitig fünf Fragen zu Pérez‘ Werk stellen.

The+Long+Way+Home

  1. Ramona: Der Film handelt von einem Mann namens Joel, der offensichtlich nicht mit dem Verlust seiner Frau zurechtkommt. War dir, ohne vorher etwas über den Film gelesen zu haben, von Anfang an bewusst, dass Joels Frau gestorben ist?

Judith: Nein, das war mir nicht so ganz klar, weil in den Gesprächen, die Joel mit anderen über seine Frau führte, zum Beispiel nicht in der Vergangenheit gesprochen wurde. Deshalb war ich mir nicht ganz sicher, ob sie ihn verlassen hat oder gestorben ist. Außerdem wurde die ganze Zeit nicht deutlich, ob ein Autounfall der Grund war, da Joel selbst auch Verletzungen am Bauch hatte und gezögert hat, als er in ihr Auto steigen wollte.

  1. Judith: Joel sucht immer wieder die Nähe zu teils fremden Menschen. Glaubst du, es ist realistisch, dass man in so einer Situation sexuelle Nähe braucht?

Ramona: Ich glaube, das ist insofern realistisch, als dass du jemanden brauchst, der für dich da ist, wenn du einen geliebten Menschen verlierst. Aber für mich persönlich ist es komisch, dass das auf sexueller Basis geschieht. Und vor allem finde ich komisch, dass er die Nähe von Freunden und zu seiner Familie, die offensichtlich für ihn da sein wollen, nicht zulassen kann, sondern diese bei Fremden sucht.

  1. Ramona: Joel vernachlässigt seinen Hund Elvis sehr stark und misshandelt ihn. Ist dieser vielleicht ein Ventil für seine Trauer?

Judith: Ich schätze der Hund gehörte seiner Frau und deshalb erinnert dieser Joel immer wieder an sie und ihre gemeinsame Zeit. Er scheint das nur schwer ertragen und nicht verarbeiten zu können, wenn der Hund bei ihm ist.

  1. Judith: Der Film wirkte sehr langwierig. Wie hast du das empfunden?

Ramona: Ich finde, der Film hat sich ziemlich gezogen und es war die ganze Zeit klar, dass er die Trauer in seinem Verlauf wohl nicht mehr verarbeiten wird. Ich finde das ganze wurde sehr extrem ausgereizt und auch, dass es schwierig war, sich der Sache so lange auszusetzen. Da hatte ich oft den Impuls aufzustehen und das Gefühl, nicht mehr weiter gucken zu können. Und dem restlichen Publikum ging es wohl genauso. Jedenfalls hab ich die Reaktionen der anderen so empfunden und fühlte mich selbst deshalb noch unwohler.

  1. Judith: Glaubst du, die Trauer wurde realistisch dargestellt?

Ramona: Ich glaube, das ist eine Frage, die man ganz schlecht beantworten kann. Jeder Mensch geht sehr unterschiedlich mit Trauer um. So kann man gar nicht pauschal sagen, ob die Trauer des Hauptdarstellers in seiner Form realistisch ist oder nicht.

Text: Judith Gawol und Ramona Walter
Fotos: Filmfest Oldenburg


Screening von „The Long Way Home“:
Sa., 19.9., 19 Uhr, cine k

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.