9/11 und das Filmfest Oldenburg

– Am 11. September 2001 stand auch beim Oldenburger Filmfest die Zeit still –

War zwei Mal in Oldenburg: Jim McBride

War zwei Mal in Oldenburg: Jim McBride

Rückblende: Gerade einmal 36 Stunden war das 8. Oldenburger Filmfest vorbei, als am Dienstag, dem 11. September 2001, die Terroranschläge von New York die Welt erschütterten. Im Festival-Hauptquartier an der Rosenstraße war die Erschütterung groß. Einige amerikanische Gäste des Festivals hatten ihren Rückflug noch nicht angetreten.

Auf den Tag genau 13 Jahre ist es her, dass Jim McBride entsetzt auf den kleinen Fernseher im Filmfestbüro schaute und immer wieder den Kopf schüttelte. „No, no, no“ stammelte er, irgendwann rollten auch Tränen. Der Regisseur von Klassikern wie „The Big Easy“ und „Sea of Love“ hatte als Gast der Retrospektive wunderbare Tage in Oldenburg erlebt. „Mir hat diese Stadt extrem gut gefallen“, sagte er später. Nun aber wollte er zurück in seine amerikanische Heimat. Der Flug nach New York sollte am Abend gehen. Doch die Anschläge auf das World Trade Center machten alle Pläne zunichte, die Transatlantikflüge in die USA wurden vorerst gestrichen.

Jim McBride saß fest – fünf Tage vor seinem 60. Geburtstag.

„Nach dem ersten Schrecken war uns schnell klar, dass wir improvisieren müssen“, erinnert sich Filmfestleiter Torsten Neumann. Als erstes wurde die Hotelbuchung verlängert, dann ein Besuchsprogramm für den gestrandeten Gast auf die Beine gestellt. So bekam McBride etwa eine exklusive Führung durch das Horst-Janssen-Museum. Seine Gedanken aber waren in New York.

Immerhin: Für Beruhigung sorgte die Information, dass es seinen Verwandten gut ging. Dennoch war der Amerikaner froh, als am Freitag nach mehreren Tagen Pause der Flugverkehr wieder aufgenommen wurde – rechtzeitig, um pünktlich zu seinem Geburtstag wieder zuhause zu sein. Fünf Jahre später kam Jim McBride noch einmal nach Oldenburg. Torsten Neumann hatte ihn als Vorsitzenden der Internationalen Filmfest-Jury verpflichten können.

Douglas Buck, einem der Dauergäste des Festivals in Oldenburg, erging er ganz anders. Er war einen Tag früher nach New York zurückgeflogen und noch vor den Anschlägen gelandet. Sein Flug aus Frankfurt hatte allerdings einige Verspätung, deshalb entschied sich der in der Weltstadt lebende Regisseur, am nächsten Tag nicht ins Büro zu gehen. Und er gab auch seinen Mitarbeitern frei.

Diese Großzügigkeit rettete allen ihr Leben.

Bucks Arbeitsräume befanden sich im World Trade Center und wurden total zerstört. Als er am Morgen von den Anschlägen erfuhr, griff er zum Telefon und rief in Oldenburg an. „Keine Sorge, Torsten, es geht uns gut“, waren seine ersten Worte.

Text: Claus Spitzer-Ewersman
Foto: Filmfest Oldenburg

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