Alles fließt

 – Ein Film, ein Take: „Hany“ ist ein beinahe poetisches Kinoerlebnis –

„We’ve experienced some difficulties with international screenings. The film ist very dialogue-heavy, so I hope you are all fast readers.“

 

„We’re here for a little Q&A afterwards in case you’ll have some questions. And I bet you will have questions, like ‚what’s it all about‘ or something“

897cd702a6Diese Sätze von Regisseur Michal Samir sind nicht gerade das, was Gelegenheitsbesucher im Kinosaal hören wollen. Erst recht nicht bei tschechischen Independent-Filmen mit englischen Untertiteln, die mit der strahlenden Sonne eines wunderschönen Herbsttags konkurrieren. Und trotzdem war „Hany“ sehr gut besucht – und belohnte die Mutigen mit 85 fantastischen Filmminuten.

Das Besondere an „Hany“ ist der Flow. Der Film erzählt die Geschichten verschiedener Menschen an einem Abend in Prag. Freunde treffen und trennen sich, Fremde begegnen und passieren einander. Die Kamera begleitet sie dabei schwebend, gleitend, sie wird Teil der Woge, auf der alle gleiten. Perfektioniert wird dieses Prinzip dadurch, dass der gesamte Film in einem einzigen Take abgedreht wurde. Er erinnert in vielfacher Hinsicht an eine intelligent arrangierte Komposition/Choreographie, in der alle Bestandteile wunderbar harmonieren und die schließlich in einem intensiven Klimax kulminiert.

670a402900Die entspannte nächtliche Szenerie wandelt sich am Ende nämlich in eine – zuvor bereits progressiv angedeutete – Eskalation, die alles zuvor Gesehene aufwühlt und verändert, und dabei Fäden zusammenführt, Schicksale verbindet. Ein starker Kontrast zum vorher so ruhigen Erzählrhythmus – und deshalb wuchtig und mitreißend.

Michal Samir kreiert mit „Hany“ ein atmosphärisches und emotionales Drama, das so nah und eng bei seinen Protagonisten und seinen Szenen bleibt, dass der Zuschauer sich intuitiv als Teil dessen fühlt. Als sei es nicht die Kamera, sondern er selbst, der ziellos durch das nächtliche Prag schweift und dort hinhört, wo es interessant zu sein scheint, um letztlich unweigerlich dort zu sein, wo der Abend seinen Höhepunkt erreicht.

Diesen Film muss man sehen und muss man kennen!

Text: Thorsten Bruns
Fotos: Filmfest Oldenburg


Screenings:
Fr., 12.09., 19.00 Uhr, Casablanca
Sa., 13.09., 14.30 Uhr, Cine k

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