„Bad City“ – Bad Movie?

– Am vielleicht schrägsten Film des Festivals dürften sich die Geister scheiden: Ist das Kunst, ist das Trash?
Oder beides gleichzeitig? –

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Absurdes Kino hat in Oldenburg
einen guten Platz.

„Bad City“ ist crazy. Wirklich crazy. Das ahnt man nach einer Minute, vollkommen sicher ist man sich ungefähr drei Minuten später.

Der Film schreit einem „Seventies, Baby!!!“ direkt ins Gesicht. Er übertreibt heftigst, überzeichnet gnadenlos – und wirkt dabei wie ein spontanes Wochenendprojekt von ein paar kanadischen Filmstudenten (obwohl die Protagonisten durchaus Hollywood- und TV-Erfahrung haben).

„Bad City“ hält sich nicht damit auf, irgendwas formzuvollenden oder zu perfektionieren. Fans, die gerne nach Goofs suchen, hätten schon nach der Hälfte ihren College-Block vollgekritzelt. Ach was, nach zehn Minuten.

Zu verrückt ist der Kampf der beiden Über-Cops Franky New Guinea (!) und Reverend Grizzly Night-Bear (!!) gegen Bad Citys sinistren Bürgermeister und heimlichen Drogenbaron Dominic Kincaid inszeniert. Am schönsten sind vielleicht die Autounfälle: Sie werden ganz ungeniert und völlig offensichtlich aus fremden Filmen eingefügt. Theoretisch völlig absurd, bei „Bad City“ aber passend – weil diese Art Trash der rote Faden des Films ist.

Heißt das, „Bad City“ ist ein schlechter Film? Ja – und nein. Nach herkömmlichen, klassischen Maßstäben ist er kein Glanzlicht. In keiner Hinsicht. Er will das aber auch gar nicht sein.

„Bad City“ bewegt sich irgendwo zwischen Cop-Film-Persiflage, 70er-Hommage, Grindhouse-Trash  und einer riesengroßen Albernheit.

Ein bisschen wirkt es so, als hätte man das Beastie Boys Video zu „Sabotage“ auf Spielfilmlänge ausgedehnt – und dann ne Schippe draufgelegt. Sicher: Einiges in „Bad City“ geht daneben, zündet/funktioniert nicht oder wirkt einigermaßen äußerst dilettantisch. Das ist hundertprozentig gewollt, teilweise aber nicht klar erkennbar. Es gibt glücklicherweise aber auch vieles, das komisch/lustig/witzig ist – und zwar absichtlich. Und das macht richtig Spaß.

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Ob Kunst, ob Trash, der Film
macht Laune.

Die Produktion ist offensichtlich ohne viel Geld passiert. Ein Indiz: Bei einer IndieGoGo Kampagne erreichte “Bad City” nur 4,165 CAD des 15,000-CAD-Ziels. Aber: völlig egal! Wem es nicht so wichtig ist, dass alles perfekt ist – wer Spaß an kruden Storys hat, die kein Klischee auslassen – wer sich mit totalem und gewollten Overacting arrangieren kann – wer grundsätzliche Spaß an völlig absurden Filmen hat und wer die Siebziger inklusive der typischen Cop-Filme auch nur ansatzweise interessant findet – der sollte sich „Bad City“ unbedingt ansehen.

Eins ist sicher: Man wird eine Meinung haben – zwischen Katastrophe und Sensation, Kunst und Trash.

Text: Thorsten Bruns
Foto: Filmfest Oldenburg


Screenings von „Bad City“:
Fr., 12.9., 21.30 Uhr, Kulturetage
Sa., 13.9., 23.45 Uhr, Kulturetage

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