Big in Japan

– Gastautor Heiner Bredorn über den Venedig-Abschlussfilm „Outrage Coda“ –

Frisch von den Filmfestspielen in Venedig kommt „Outrage Coda“, nach „Outrage“ und „Outrage Beyond“ Teil 3 der japanischen Mafia-Trilogie. Die ersten beiden Episoden sorgten nicht nur in Nippon für Aufsehen. Das wird auch diesmal nicht anders sein.

Ja, ja, die Sehgewohnheiten. Wer nicht mit der fernöstlichen Filmkunst (und die ist es tatsächlich) vertraut ist, hat es mit Takeshi Kitano, dem Regisseur und Hauptdarsteller, nicht leicht. Kenntnisse der legendären und bizarren TV-Show „Takeshi’s Castle“ reichen jedenfalls nicht aus, um sich mit der japanischen Leinwandphilosophie anzufreunden. Aber „Outrage Coda“ ist auch nicht so vollkommen anders, als dass man nicht verstehen würde, was da eigentlich passiert.

Regisseur (und Hauptdarsteller) Takeshi Kitano

Die Story im Schnelldurchlauf: Clan-Chef Ootomo kämpft an allen Fronten. In Südkorea bekommt es die Yakuza, die japanische Mafia, mit einem mächtigen Gegner zu tun. Im heimischen Japan droht das fragile Unterweltimperium auseinanderzubrechen. Die Strukturen geraten aus den Fugen, Intrigen überall. Am Ende steht – und das wundert niemanden, der Kitanos Werke kennt – eine Explosion der Gewalt, die in ein Blutbad epischen Ausmaßes mündet.

Mag man das oder mag man das nicht? Sicher ist:

Die Regie spielt gnadenlos mit den Klischees, überzeichnet ohne jeden Skrupel und lässt keine Boshaftigkeit aus.

Wer genau hinschaut, entdeckt beim Abstieg in Japans derbe nachgezeichnete Unterwelt manch feines Augenzwinkern in all dem Brachialen und findet gelegentlich Fitzelchen von Ironie. Dieser Parforceritt über den schmalen Grat zwischen Erheiterung und Verstörung macht „Outrage Coda“ keineswegs zu einem Meisterwerk, aber immerhin zu einem Film, über den sich das Nachdenken lohnt.

Übrigens: Takeshi Kitano ist der Erfinder von „Takeshi’s Castle“. Also per se unangreifbar.

Text: Heiner Bredorn
Fotos: Filmfest Oldenburg

Screenings von „Outrage Coda“:
Sa., 16.9., 21.30 Uhr, Exerzierhalle
So., 17.9., 21.30 Uhr, theater hof/19

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