Changes make things different

– „I am a Knife with Legs“: zwischen unglaublicher Ernsthaftigkeit und absurder Komödie –

Anfangs war ich nicht sicher, was ich von „I am a Knife with Legs“ zu erwarten hätte. Bereits im Programmheft des Filmfests ist zu lesen, dass es zwecklos sein, eine Synopsis zu verfassen. Also sollte sich der Zuschauer auch keine Mühe gegeben, großartig etwas über den Film in Erfahrung zu bringen, sondern ihn einfach anschauen. Und ich muss sagen, während der kompletten 83 Minuten konnte ich mich nicht entscheiden: Ist dieser Film nun brillant? Oder, um es mal so auszudrücken, Schwachsinn.

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Bennett Jones überzeugt als Drehbuchautor,
Regisseur, Produzent und Schauspieler durch
seine Vielseitigkeit.

Bestätigen kann ich, dass eine Inhaltsangabe tatsächlich zwecklos wäre. Denn es passieren zu viele Dinge, die wichtig sind, aber eigentlich gar nichts mit der Geschichte an sich zu tun haben. Um es aber dennoch zu versuchen: Es geht um Bené, einen internationalen Rockstar, der seine Freundin und Backgroundsängerin Baguette bei einem Selbstmordattentat verloren hat und seitdem eigentlich rund um die Uhr trauert.

Er lebt mit seinem Manager Beefy, einem rundlich gebauten Typen mit Vorliebe für Sonnenbrillen (gespielt von Will Crest, dem man die Rolle als Führungskraft irgendwie nicht so ganz abnehmen kann) zusammen in einer kleinen Wohnung. Versteckt, denn ein Attentäter hat sein Vorhaben, Bené umzubringen, bereits im Internet angekündigt.

„When Death comes, you can’t say, ‚oh wait a minute, Death, I have some soup on the stove. Death knows you microwave your soup.“

Zwischen dem Mord an seiner Freundin und seinem potentiellen eigenen Tod lebt Bené nun also mit Beefy zusammen ein Leben, das geprägt ist von unzähligen absurden Gesprächen und vor allem von den seltsamen Liedern, die Bené immer mal wieder anstimmt.

Genau diese Gespräche, die eigentlich zu grotesk sind, um wirklich ernstgenommen werden zu können, machen den Film aus. Die Wortspiele und endlosen, immer wiederkehrenden Diskussionen zwischen Bené und Beefy bringen den Zuschauer fast zur Weißglut. Trotzdem schließt man beide Charaktere schnell ins Herz und verzeiht vor allem dem gebeutelten Bené seine zum Teil doch etwas nervige Ausdrucksweise.

Wirklich, wirklich gelungen ist allerdings die Erzählweise des Films.

Was Bené sagt, wie er seine Geschichte erzählt, noch dazu in den unpassendsten Situationen, ist einfach nur ein Geniestreich.

Wenn dann aber irgendwelche Spielzeuge anfangen zu reden – da hört es bei mir auf und ich würde am liebsten wegschalten.

Bennett Jones, der Regisseur, Produzent, Cutter und Drehbuchautor des Films ist, spielt nebenbei auch noch die Hauptrolle von Bené. Wenn man bedenkt, dass anderen Menschen schon ein Job gleichzeitig reicht, ist das wirklich beeindruckend. Ob Jones so viele Aufgaben auf mal einfach gerne übernimmt oder es an dem relativ begrenzten 12.000$ Budget liegt, ist nicht ganz klar.

Fazit? Ein Versuch. „I am a Knife with Legs“ ist auf jeden Fall nicht der Film des Jahres. Dafür ist die Handlung einfach ein kleines bisschen zu absurd. Aber darauf scheint der Fokus nicht zu liegen, vielmehr soll sich der Zuschauer einlassen auf ein Zusammenspiel aus Musik, Film und Theater. Das gelingt auch erstaunlich gut, solange man nicht versucht, die Hintergründe zu sehr zu verstehen. Wer das geschafft hat, wird von dem Film auf jeden Fall gut unterhalten. Es lohnt sich, mal reinzuschauen – auch ohne Synopsis.

Text: Annabell Hempelmann
Foto: Filmfest Oldenburg


Screenings von „I am a Knife with Legs“:
Fr., 12.9., 21.30 Uhr, Cine k
So., 14.9., 19.00 Uhr, theater hof

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