„Da ist der Flow drin“

– Zwei offblogger sprechen bei einem Bier (oder zwei) über „Helicopter Mom“ –

Donnerstag, 11. September, 19.00 Uhr, theater hof/19: „Helicopter Mom“. Ein seichter Einstieg ins Filmfest 2014. Befürchteten wir zumindest. Tatsächlich ist die Coming-of-Age-Story zugänglich und humorvoll – aber da ist noch eine Menge mehr. Was genau – darüber haben sich Mareike und Thorsten unterhalten.

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Thorsten: Ich finde es ganz witzig festzustellen, dass wir beide zuvor keine großen Erwartungen an den Film hatten. „Eigentlich sollte ich den Film gar nicht mögen“ war meine Einstellung. Aber ich habe ihn gemocht. Er war überraschend gut. Lustig, aber auch nicht zu lustig. Die Mutter war zwar an der Schwelle zur Border-Linerin. Allerdings fand ich die Schauspieler ziemlich gut. Den Jungen, den Vater. Es war einfach sehr echt.

Mareike: Und nie „drüber“. Die Komödie hat die Charaktere nicht überzeichnet, weil die Charaktere für sich bestehen konnten und trotzdem witzig waren. Das fand ich genial. Ansonsten haben Komödien mit dieser Thematik oft die Tendenz hin zum Slapstick. Und dann ist man genervt und dann passiert das, was du gerade angesprochen hast: Man will die Komödie gar nicht mögen. Weil es so lächerlich, überzogen und zum Teil sogar geschmacklos ist.

Es war kein plumper, sondern hintergründiger Witz. Tolle Gespräche, aus denen Komik entstanden ist.

Thorsten: Genau. Die Helicopter Mum war noch am ehesten plump, hat aber funktioniert. Es war nicht zu viel. Lloyd fand ich ziemlich gut, weil er überhaupt nicht „over-acted“ hat. Er blieb einfach immer er selbst, hat viel mit Gestik und Mimik gemacht. Der Vater war vom Charakter, aber auch vom Typ her cool. Das war gut gemacht. Man geht durch Titel und Beschreibung davon aus, dass der Film oberflächlich bleibt. So ging es ja auch los.

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Mareike: Da dachte man: oha! Knallig, bunt. Das lässt erwarten, dass der Film nicht das Gespür dafür haben wird, wie weit man gehen kann mit Wortwitz und Situationskomik.

Thorsten: Die Story hat ja auch beste Möglichkeiten, auf Klischees herumzureiten, das Thema Homosexualität zum Beispiel. Es tauchen zwar Klischees auf, die werden aber ironisch verarbeitet.

Mareike: Was ich total super fand, war, dass er nie mit der „Moralkeule“ kam – er hat schon deutlich gemacht, dass die Mutter den Sohn loslassen sollte, anstatt ihn in seiner Persönlichkeit zu unterdrücken, damit sie ihn nicht verliert. Aber er war nicht wertend, sondern hat erklärt, warum sie so handelt. Dann war sie auch wieder sehr sympathisch. Oder auch, dass Lloyd sagt:

„I don’t know why anybody needs to know if I’m gay!“

Thorsten: Wie die Charaktere waren, so kam auch die Botschaft rüber. Nicht als eine Botschaft ans Publikum, sondern eine Aussage, die der Charakter getroffen hat und genau passte, glaubhaft war. Es ist nie auf die plakative Ebene geraten, nur ab und zu war er überzeichnet und übertrieben.

Texte: Mareike Lange und Thorsten Bruns
Bilder: Filmfest Oldenburg


Screenings von „Helicopter Mom“:
Do., 11.9., 19.00 Uhr, theater hof/19
So., 14.9., 16.30 Uhr, Alte Fleiwa

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