Das Brett, das die Welt bedeutet

– Filmkritik zu „The Tournament“ –

Ein Film über Schach-Nerds, der zu Tränen rührt. In „The Tournament“ (F, 2015) geht es um Cal, einen hochtalentierten Schachspieler, der auf einem Turnier nicht nur die Rochaden seiner Gegner auf dem Brett kontern muss, sondern auch durch die seiner Freunde, seines Trainers und seiner Herzdame fast schachmatt gesetzt wird.

07

Nicht nur Schach-Sympathisanten werden an diesem Streifen ihre helle Freude haben. Dieser Film spricht alle an, die sich schonmal in (sportlichen) Turnieren gemessen haben und das Streben nach Sieg und Anerkennung kennen – und den Wunsch, der beste zu sein. Außerdem räumt die kurzweilige Komödie von Elodie Namer eindrucksvoll mit dem Vorurteil auf, Schach könnte ein langweiliges Spiel sein.

Eröffnung
Großes internationales Schachturnier in Budapest: Cal (Michelangelo Passaniti) ist 22, französischer Meister und siegessicherer Favorit. Er bezwingt seine Gegner auch im Halbschlaf oder mit geschlossenen Augen. Seine drei besten Freunde spielen ebenfalls mit. Wenn die vier nicht gerade Schach spielen oder über Schach reden, pokern und feiern sie, schließen kuriose Wetten ab oder betrinken sich. Auch Cals Flamme Lou ist mit von der Partie. Trainiert wird er vom deutschen Ex-Schachkönig Viktor. Bereits hier besticht der Film übrigens mit sehr sehenswerten Kameraeinstellungen und mitreißender Musik.

Mittelspiel
Der erst neunjährige Max (Adam Corbier) erregt Aufsehen, als er scheinbar spielerisch Partien gegen sehr starke Gegner gewinnt. Er fordert Cal zu einer Partie virtuellem Schach heraus: Ohne Brett und Figuren werfen sie sich nur die Spielzüge an den Kopf. Cal verliert und bekommt ernste Selbstzweifel. Diese werden noch verstärkt, als sich Coach Viktor für den Jungen interessiert. Die Figuren diskutieren die Taktiken in ihren Spielen in einer ausgesprochenen Tiefe, die die Faszination Schach mehr als nachvollziehbar macht.

Schach …
Viktor wirft Cal aus dem Team. Für ihn rückt sein Freund Anthony nach, der sich von den anderen vorwerfen lassen muss, Cal in den Rücken zu fallen. Der sucht daraufhin seelische Unterstützung bei Lou, die aber nicht – wie Cal wohl zum ersten Mal in seinem Leben – den richtigen Zug aus dem Spiel zum Ernst des Lebens findet.

151

… Matt?
Vor dem letzten Spieltag, an dem Cal gegen Max im direkten Duell um den Turniersieg spielt, bringt ihn sein Umfeld so sehr zur Verzweiflung, dass er abhaut. In der Nacht kommt er dem wahren Leben so nah wie vielleicht nie zuvor entwickelt sich nicht spielerisch, aber persönlich weiter. Aber reicht das, um dem so unorthodox spielenden Jungen Paroli zu bieten?

Fazit
Eine Einschränkung gibt es: Man sollte ein wenig mit der Schachterminologie vertraut sein – sonst kann man einigen Gesprächen einfach nicht gut folgen. Ansonsten machen die 83 Minuten vom ersten bis zum letzten Zug Spaß – mal abgesehen von ein paar traurigen Momenten, die aber notwendig sind. Um eine Schachpartie zu gewinnen, muss auch den ein oder anderen Bauern opfern. Das Finale des Films ist irre spannend und dabei unglaublich schön. Unbedingt anschauen!

Text: Mathias Freese
Fotos: Filmfest Oldenburg


Screenings:
Sa., 19.9., 16.30 Uhr, Exerzierhalle
So., 20.9., 19 Uhr, theater hof/19

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.