Das Ende von Miss Meadows

– Kann man einen Film besprechen, den man nicht zu Ende gesehen hat? Und sollte man das? –

Zu beiden Fragen ein klares Nein! Offblogger versucht’s einfach trotzdem und scheitert natürlich daran. Aber das kann man ja auch mal machen.

9878b8483f

Ich weiß nicht. Ehrlich nicht. Vielleicht hätte ich einfach bis zum Ende bleiben sollen. Schließlich war die Regisseurin da und es gab ein Q&A. Dann hätte ich bestimmt Antworten auf all meine Fragen bekommen. Es war amateurhaft und geradezu arrogant von mir, den Film frühzeitig zu verlassen. Wie soll das denn gehen – eine Wertung abgeben, ohne das Ende zu kennen? No way.

Andererseits: Was wäre zu retten gewesen? Nicht viel, fürchte ich aus meiner kleinen Perspektive heraus. Da war Katie Holmes – als die feenhafte Lehrerin Miss Meadows. Da waren noch einige andere Schauspieler. Ein Polizist und eine Mutter. Eine Nachbarin (gut) und ein Nachbar (böse). Dann noch eine größtenteils hübsche Umgebung. Und Kinder. Tiere. Blumen. Eine Art Urban Fairytale…

…wäre da nicht die Gewalt. Miss Meadows spielt Richterin in ihrer Hood und legt die Bösewichte um. Belästigung, Amoklauf, Kindesmissbrauch – Hinrichtung folgt. BÄM, in your face! „Pulp Fiction meets Mary Poppins“ beschreiben die Produzenten das. Kann man machen. Kann man auch als Kontrast zum blumigen Setting verstehen. Als Überraschung. “Whoa, Katie, wie krass!” Und dann noch parallel die Beziehung zum Polizisten, der ihr auf die Schliche kommt! Wahnsinn!

6d5c02f63f

Oder auch nicht. Jedenfalls nicht für mich. Ich hatte nicht das Gefühl, dass der Film irgendeinen tieferen Sinn ergibt oder dass er etwas anderes ist als eine schauspielerische Spielwiese für Katie Holmes – was für sich allein einfach nicht anschauenswert wäre. Aber ich bin sicher: das alles liegt an mir. Ich bin ja zu früh gegangen, kenne das Ende nicht, die dramatische Wendung, die alles erklärt und den Film auf wundersame Weise zu einem Kunstwerk erhebt, das mir höchstwahrscheinlich Tränen des Glücks in die Augen getrieben hätte.

Doch das habe ich verpasst. Ich weiß nicht, wie es ausgeht. Und scheitere deswegen zwangsläufig mit dieser Besprechung. Aber das kann man ja auch mal machen.

Text: Thorsten Bruns
Fotos: Filmfest Oldenburg


Screening abgeschlossen

2 Kommentare

  1. Das Lustige an der Tatsache, dass du den Film vorzeitig verlassen hast, ist: Die Kritik funktioniert dennoch. Der Schluss, den du nicht sahst, ist nach einer Dreiviertelstunde offenkundig (der Böse, aber Unschuldige wird erschossen, weil er als Böser für schuldig gehalten wird), man hätte darum gut mit dir rausgehen können. Das Q&A war auch eher zäh, zum Glück war jemand aus ohio anwesend, die damit der Regisseurin eine freude gemacht hat. Und das ist ja auch was wert.

  2. Hallo klaus, danke für den Kommentar – danke für die Nacherzählung des Endes (die Tränen des Glücks blieben leider aus) – und danke, dass du den Text richtig verstanden hast! Das ging mindestens einer Person anders und so hab ich ein herzhaftes „pubertärer Unsinn!“ dafür gerntet. Ich nehm das mal als Kompliment. Wir lesen uns hoffentlich im nächsten Jahr!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.