Das große Hasen-Rasen und eine Portion Glück

– Drei Gründe warum man sich „Hey Bunny“ von Barnaby Metschurat und Lavinia Wilson angucken sollte –

Glücksforschung. Heikles Thema. Können wirklich alle Menschen glücklich sein? Ist genug Glück für jeden übrig? Und woraus besteht eigentlich das Glück? Barnaby Metschurat und Lavinia Wilson haben der Suche nach Antworten auf diese Fragen einen chaotischen, aber grandios-komischen  Film gewidmet. Hier kommen drei gute Gründe, warum sich ein Kinobesuch lohnt!

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Schauspieler, Produzenten, Regisseure und außerdem: Ein Ehepaar! Barnaby Metschurat und Lavinia Wilson haben das Projekt „Hey Bunny“ auf all diesen Ebenen gemeinsam bestritten. Für manche Paare wohl der absolute Super-GAU, für diese beiden anscheinend ein Geheimrezept für einen guten Film – denn genau das ist „Hey Bunny“: Ein verdammt cooler Streifen!

Warum? Folgende drei Gründe könnten überzeugen:

Erstens: „Hey Bunny“ lässt das eigene Leben plötzlich total einfach erscheinen.

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Ein gutes Team: Barnaby Metschurat und Lavinia Wilson

Oder ist es Ihnen schon einmal passiert, dass man Ihnen ein Verbrechen anhängen will, dass Sie nicht begangen haben? Adam (Barnaby Metschurat), ein melancholisch-misanthropischer Ex-Hacker gerät unter Verdacht, das Computersystem eines Labors sabotiert zu haben. In diesem Labor wird mit Hilfe von niedlichen, weißen Kaninchen nach einem Glücks-Gen geforscht. Initiiert wurde diese Forschung von Adams Vater, der anscheinend mitlerweile an einer Form von Demenz leidet. Helen (Lavinia Wilson), eine junge Wissenschaftlerin, hat seine Arbeit übernommen und analysiert das Verhalten der Hasen – immer auf der Suche nach der Formel zum absoluten Glück.

„Hasen sind wie wir: brutal und hierarchisch!“

Im Trubel der Sabotage hoppeln nun all die weißen Häschen davon und das Chaos geht erst so richtig los. Helen will, dass Adam für seine Sabotage-Aktion gerade steht. Adam hingegen will beweisen, dass er unschuldig ist. Eine abstruse Welle von Ereignissen wird losgetreten,  bei der nicht nur Karnickel gesucht werden, sondern auch ein Stück vom Glück.

Zweitens: „Hey Bunny“ ist völlig überdreht!

Bunte Settings, chaotische Schauplätze und ebenso durchgeknallte Charaktere ergeben ein extrem harmonisches Zusammenspiel. Von den Letzteren gibt es einige. Nehmen wir zum Beispiel mal Adams Brüder ins Visier: Alen, schätzungsweise Anfang 40, lebt noch immer zu Hause, lädt reihenweise junge Damen ein, spielt mit ihnen merkwürdige Katz- und Maus-Spiele und scheint auch sonst nicht viel auf die Reihe zu kriegen. Toni, wahrscheinlich der jüngste der drei Brüder, ist ein Musiker, der an einen alten Erfolg nicht anknüpfen konnte und sich im Keller des Elternhauses verschanzt – immer tief verkrochen in seinem Kapuzenpulli. Beide kümmern sich um den erkrankten Vater, der kein Wort mehr spricht, aber die gesamte Wohnzimmerdecke mit Origami-Vögeln verziert. Nein, absolut keine „Ikea-Familie“, wie Alen bemerkt. Und plötzlich tauchen auch noch all diese Karnickel im Haus auf und machen das Chaos perfekt.

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Adam versucht mit seinen Freunden die Situation zu retten

Auch die Hauptcharaktere Adam und Helen sind wunderbar überzeichnet. Er: völlig aus dem Leben gerissen, seit seine Freundin für ein Hilfsprojekt nach Afrika gegangen ist. Er ist völlig gefangen in sich selbst. Deutlich wird das vor allem in den wilden Traum-Sequenzen, bei der sich Kindheitserinnerungen mit lauten Elefantenrufen vermischen. Sie: überarbeitet, genervt, ein klein bisschen frigide, aber niedlich tollpatschig. Ein bisschen zu sehr gefangen in ihrer Arbeitswelt, versucht sie endlich den Schlüssel zum Glücks-Gen zu finden, vergisst dabei aber, selber glücklich zu sein. Daraus resultiert, dass sie wie verrückt nach den verlorenen Kaninchen sucht und sich dabei in ihren vorschnellen Anschuldigungen an Adam verrennt.

Genrell gilt: Jede noch so abgedrehte Figur dieser Screwball Comedy macht Sinn. Ihre irrwitzigen Dialoge, ihre Macken und Eigenheiten: alles liebevoll inszeniert durch Schauspieler, denen man ihre Spielfreude anmerkt. Da verzeiht man gern kleine, schauspielerische Schwächen, die der ein oder andere mal zeigt.

Drittens: „Hey Bunny“ zeigt, dass es tatsächlich für jeden ein bisschen Glück gibt …

…aber eben nicht da, wo man es zu finden glaubt. Helen ist überzeugt, dass ihres im Erfolg ihrer Studie liegt. Adam denkt, er hätte seines entgültig verloren, als in seinem Leben alles nacheinander schief zu gehen scheint. Doch in nur einem kleinen Moment wird beider Leben völlig auf den Kopf gestellt und bringt sie zu völlig neuen Erkenntnissen.

„Vor ein paar Tagen war mein Leben voll in Ordnung. Und auf einmal habe ich lauter Freunde“ (Adam).

Glück ist nicht einfach zu ergattern. Vollkommenes Glück wird wohl niemand genießen dürfen, immer ist irgendetwas. Immer gibt es Dinge, die sich nicht so fügen, wie wir das gerne hätten. „Hey Bunny“ zeigt, dass man auch mal eine unbequeme Phase durchleben muss, um zu erkennen, was das wahre Glück ist. Für Helen ist es wahrscheinlich das Loslassen von ihrer starren Fokussierung auf den beruflichen Erfolg, für Adam ist es die Zelte abzubrechen und mal etwas Neues zu wagen, woanders noch einmal von vorne zu beginnen.

Lavinia Wilson und Barnaby Metschurat haben ihr Glück anscheinend miteinander gefunden: auch schön! Denn was aus ihrer Zusammenarbeit entstanden ist, hat auch mit viel Glück zu tun: „Hey Bunny“ ist nämlich kein Projekt, das mit einem professionellen Filmteam und einem Haufen Fördergeldern entstanden ist. Nein! Die beiden haben ihren Film aus eigener Tasche gezahlt und mit Verwandten und Freunden realisiert. Bezahlt wurde nur der Caterer, alle anderen haben freiwillig und ohne Entgelt über drei Jahre mitgewirkt.

Und vielleicht ist ja genau das der Schlüssel zum Glück: Gute und liebe (gerne aber auch total durchgeknallte) Freunde und Verwandte, mit denen man seine Ideen und Träume verwirklichen kann, die einen antreiben und dafür sorgen, dass man sich sicher fühlt. Ganz im Albert-Schweitzerischen Sinne: „Glück verdoppelt sich, wenn man es teilt.“

Text: Ramona Walter
Foto: Filmfest Oldenburg

Screenings von „Hey Bunny“:
Do., 15.09., 21.30, EWE Forum Alte Fleiwa
Fr., 17.09., 16.30, Cine k/Studio

 

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