„Das Leben ist auch nicht von Musik untermalt.“

– Regisseur Thomas Stiller über die Geheimnisse von „Gottlos“-

StillerDie Idee stammt aus den Niederlanden, orientiert sich an wahren Kriminalfällen und erlebt in Oldenburg ihre Premiere vor Publikum. Die ersten drei Folgen von „Gottlos“ werden voraussichtlich im Dezember auf RTL2 zu sehen sein. Die Serie kommt ganz ohne Polizei aus – ein Umstand, der dem langjährigen Tatort-Regisseur Thomas Stiller sichtlich Freude bereitet. Wir haben ihm eine kleine Stichwortliste vorgelegt und um Statements gebeten.

Biedere Fernsehkrimis: Die meisten sind immer noch sehr öde und gediegen. Daran hat sich in den letzten Jahren nicht viel verändert. Es gibt Ausnahmen, die sind aber – zumindest bisher – nicht lange auf dem Schirm geblieben.

Freiheiten bei „Gottlos“: Vorab mal eben klargestellt: Das ist keine Krimi-, sondern eine Dramaserie, die dichter an der Realität ist als viele andere Fälle. Herausragend ist tatsächlich, dass wir die Freiheit hatten, das zu machen, was wir wollen. Darum muss ich sonst immer kämpfen, das frisst wahnsinnig Energie. Jeder glaubt, mitreden zu müssen. Dabei ist es wie beim Kochen: Viele Köche verderben den Brei.

1._folge_gottlos_sex__drugs___rock_n_roll_stills_1___rtl_iiconradfilmbavaria_fernsehproduktionProduzent Marc Conrad: Er ist der kreativste Produzent, den ich in 20 Jahren in meinem Beruf getroffen habe. Wir sind ein super Team, ich hoffe, dass das so weitergeht. Er sucht ständig nach Neuem, wartet nicht wie viele andere darauf, dass ihm kreative Ideen gebracht werden. Er entwickelt sie und ist damit wirklich die Ausnahme. Bei Iris Kiefer von filmpool habe ich das gleiche Gefühl. Es gibt eine Menge netter Produzenten, aber nur wenige, die wirklich etwas stemmen.

Das Spezielle an „Gottlos“: Die Aussage „Inspiriert von wahren Verbrechen“ trifft es schon sehr gut. Wir erzählen die Geschichten in 45 Minuten, da muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren und die Dinge auf den Punkt bringen. 45 Minuten sind viel Erzählzeit, wenn man den ganzen überflüssigen Käse sein lässt. Übrigens: Wir verzichten bis auf einen Song am Ende vollkommen auf Musik. Das finde ich klasse, denn das Leben ist auch nicht von Musik untermalt.

Keine Polizei: „Gottlos“ kommt komplett ohne Polizei aus. Ich finde diese unreflektierte und überhöhte Darstellung von Polizeiarbeit in deutschen Krimis ganz furchtbar und will keine Werbefilme für die Polizei drehen. Das Prinzip ist immer: Um viertel nach acht wird in die Republik gekackt, um viertel vor zehn ist sie wieder sauber – weil da irgendwelche großartigen Ermittler zu Werke gegangen sind. Andere Länder liefern nicht so eine ungebrochene Obrigkeitsdarstellung ab. Da haben die Kommissare Ecken und Kanten, die sind düster und zeigen eigene Abgründe.

3.folge_gottlos_der_polizist_still_1___rtl_iiconradfilmbavaria_fernsehproduktion

RTL2: Klar, der Sender hat nicht den besten Ruf. Aber man sieht es ja: Er ist mutiger als alle anderen und will offensichtlich sein Image ändern. Es war eine sehr angenehme Zusammenarbeit. All die Sprüche, die man sonst von den Verantwortlichen in den Sendern hört, gab es hier nicht. Wir sind diejenigen, die sich auskennen, deshalb hat man uns machen lassen. Als Kreativer muss man sich diese Freiheit, die uns in den letzten Jahren mehr und mehr genommen wurde, jetzt endlich zurückholen. Sonst reden uns die Leute weiter rein, wie Frisuren oder Kostüme aussehen sollen. Und schlimmer noch …

Filmfest Oldenburg: Ich bin jetzt zum 14. Mal hier. Es ist einfach das beste deutsche Festival. Warum? Weil hier niemand einen Unterschied macht. Kein Gast ist wichtiger als der andere. Und das Publikum ist ganz nah dran. Wir kommen ins Gespräch, kriegen direkte Resonanz. Die erhoffe ich mir auch von den Screening hier. Die Leute sollen sich auf die Filme einlassen und erkennen, dass wir etwas ganz Neues fürs deutsche Fernsehen gemacht haben. Ich bin RTL2 sehr dankbar, uns diese Chance gegeben zu haben.

Idee und Umsetzung: Claus Spitzer-Ewersmann
Bilder: Filmfest Oldenburg


Screenings von „Gottlos“:
Sa., 19.9., 21 Uhr, EWE Forum Alte Fleiwa
S0., 20.9., 14.30 Uhr, JVA

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.