Den eigenen Horror im Film verarbeiten

 – Deborah Twiss nimmt uns mit in ihre Vergangenheit –

Eine mich bei jedem Horrorfilm beschäftigende Frage ist die, wie die jeweiligen Darsteller die Furcht einflößenden Inhalte verarbeiten.

Wenn mich als Zuschauer schon so mancher Alptraum plagte und ich in meinem behüteten Heim nach einem Thriller nicht einmal die Toilette aufsuchen kann, wie muss es dann erst der kleinen (bezaubernden und so gar nicht nach Horror aussehenden) Sydney McCann ergehen? Sie spielte an der Seite ihrer Mutter, Deborah Twiss, eine der Hauptrollen und war zusammen mit selbiger zum Screening von „A Cry from Within“ anwesend, um Fragen zu beantworten. Dieser Abend erschien mir also die optimale Gelegenheit, um die zentrale Frage meiner Horrorfilm-Vergangenheit beantwortet zu bekommen.

“Don’t you get nightmares yourself doing horrormovies?“

"Deborah

Eine Familie arbeitet ihre Vergangenheit auf.

Die ausführliche Antwort von Deborah Twiss (ihre Tochter war anwesend, hielt sich aber zurück) war nicht das, was ich erwartet hatte. Zumindest scheint sie meinen Horizont des Vorstellbaren zu überschreiten und war damit ebenso interessant wie auch konfus zu hören.

„Für uns alle war es eine Abmachung mit Sebastien.“ Sebastien, dieser Name ist Synonym für das Böse in „A Cry from Within“. Man mag es kaum glauben, aber Deborah Twiss‘ Familie erlebte ein ganz ähnliches Schicksal wie die Familie im Film: „Unser eigenes Haus in den USA wurde tatsächlich auch heimgesucht. Meine Tochter Sydney fühlte buchstäblich, dass etwas im Haus war. Zu der Zeit war sie ein Jahr alt. Manchmal hat sie einfach so angefangen zu zittern und zu schreien.“ Dass dies nicht normal sein konnte, merkte Twiss bald selbst. „Eines Tages wurde Sydney von unserem Hund gebissen. So etwas hatte er sonst nie gemacht. Als wir aus dem Krankenhaus zurück kamen, erzählte mein Sohn mir, etwas Böses lebe im Haus, das den Hund dazu gebracht hat, Sydney zu beißen.“

Dieser Horrorfilm basiert also auf einer wahren Geschichte? Sebastien, das Böse aus dem Film, sollte auch im realen Leben Unheil angerichtet haben? Für Deborah Twiss offensichtlich, dass diese Familiengeschichte aufgearbeitet werden muss. „Wir haben unsere Geschichte auf die Bühne gebracht und soweit bearbeitet, dass man sie veröffentlichen konnte. Also kann ich nicht sagen, dass wir als Schauspieler von den Inhalten verängstigt oder von Alpträumen geplagt waren. Wir mussten es einfach für Sebastien tun, deswegen wird er auch im Abspann erwähnt. Es war eine Abmachung mit ihm und eine Befreiung für uns.“

Wow. Mit dieser Antwort habe ich nicht gerechnet. Aber ich bin dankbar für diese ausführliche Erklärung, so wenig ich mir eine Horrorgeschichte dieser Art auch im wahren Leben vorstellen kann. Es erklärt, warum Deborah Twiss in diesem Film ihre eigenen Kinder auch ihre Film-Familie spielen ließ. Um die Familiengeschichte aufzuarbeiten. Horror mit Horror bekämpfen quasi.

Text: Mareike Schulz
Fotos: Filmfest Oldenburg


 

 

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