Die Komik und Schönheit des Absurden

– Filmkritik zu „The Strongest Man“ –

Eine weltbewegende Handlung hat „The Strongest Man“ (USA, 2015) nicht zu bieten. Allerdings ist das bei den beiden Hauptcharakteren Beef und Conan auch nicht zu erwarten und nicht Ziel des Film – eher im Gegenteil. Dafür wartet die Komödie von Kenny Riches mit amüsanten, bisweilen absurden Situationen und Dialogen auf und schafft es, dass man Handlungen erwartet, die dann eben gerade nicht passieren.

„I am the strongest man in the world.“

Davon ist Beef überzeugt, ein muskelbepackter Kraftprotz mit Schnäuzer. Deshalb mutet es merkwürdig an, wenn er mit seinem BMX durch die Straßen jumpt und grindet. Seine „Welt“ ist allerdings nicht auch besonders groß. Viel mehr als seinen Job, sein goldenes BMX und seinen besten Freund Conan gibt es in seiner Welt auch nicht. Mit einer Ausnahme. Und die heißt Illy.

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Illy hat das College hinter sich und wohnt bei ihrer Tante, einer reichen Kunstsammlerin, bei der Beef öfter Mal Bilder aufhängt. Beef und Illy mögen sich. Das aber gefällt der Tante nicht, die Beef als „tradically local“ bezeichnet, und verbietet den beiden, sich zu treffen. Da Gefühle im Spiel sind, die beide aber nicht so richtig aussprechen können, wird es kompliziert. Und das passt nicht in Beefs Leben.

„I don’t understand why it can’t be easy.“

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Bis dahin hielt Beef es einfach: Er sagt nur das Nötigste, denkt nicht viel über seine Handlungen nach. Das hat zur Folge, dass man alles, was er tut, nachvollziehen kann – was ihn unglaublich sympathisch macht. Mit Conan ist er absolut auf derselben Wellenlänge. Deshalb nimmt sein Freund es ihm auch nicht übel, wenn Beef etwas eigentlich Unsensibles sagt.

„Check this out, I got it yesterday. It’s just my size, right?“ – „It’s a girl’s bike.“

Mit Illy ist das nicht so. Naturgemäß gibt es Missverständnisse, die sie nicht so richtig klären können. Und das kurz nachdem Beef sein goldenes BMX gestohlen wurde. Das führt beim ohnehin ständig besorgten Beef zu Angstattacken. Dann sieht er überall rot leuchtende Augen, die ihn böse anschauen. Trotzdem ist immer klar: Beef passiert nichts. Er schultert Conan und radelt mit ihm auf dessen „girl’s bike“ davon.

„I worry a lot. Sometimes I worry about worrying so much.“

Mein Fazit

Der Film bewegt sich die ganze Zeit an der Grenze zum Absurden und Surrealistischen – was auch daran liegt, dass Beef viel träumt. Mehrmals ist dem Zuschauer – genau wie Beef – nicht klar, ob das Gezeigte gerade wirklich passiert. Aber genau das macht den Film so speziell. Er hat mir zwar nicht so richtig etwas mitgegeben und seine Längen, aber auch viele komische und schöne Momente. Sympathische Figuren, abstrus-witzige Szenen und trockener Humor gleichen die Schwächen wieder aus. Und Fahrradfans werden den Film sowieso lieben.

Text: Mathias Freese
Fotos: Filmfest Oldenburg


Screenings von „The Strongest Man“:
Do., 17.9., 19 Uhr, Exerzierhalle
Sa., 19.9., 16.30 Uhr, EWE Forum Alte Fleiwa

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