Die Sehnsucht nach dem eigenen Land

– „Charlie’s Country“ erzählt die wunderbare Geschichte eines Aborigines auf der Suche nach Zuhause –

IMG_0554

Eindrucksvoll: David Gulpilil

Meine Erwartungen an den Film stiegen mit jedem Gast, der in den sowieso schon überfüllten theater hof/19 trat. Spätestens, als noch extra Bestuhlung aufgestellt werden musste, war klar: Das könnte gut werden. Oder zumindest glauben viele, dass es gut werden könnte. Voller Vorfreude saß ich also im Theater, um „Charlie’s Country“ zu schauen, einen Film, der mich als Australien-Fan besonders ansprach.

Es geht um Charlie (beeindruckend gespielt von David Gulpilil), einen Aborigine, der in einem kleinen Dörfchen irgendwo im Northern Territory lebt. Schon in den ersten Szenen bekommt der Zuschauer einen Eindruck von dem Leben des sympathischen Ureinwohners. Schnell wird klar: Er fühlt sich heimatlos im eigenen Land.

„They stole our land and put a police station on it. They’re lucky I only borrow their car.“

Die Geschichte der Aborigines kennt wahrscheinlich jeder, und alle, der sich mit dem Thema auseonandersetzen oder sogar selbst schon dort waren, kennen die Situation, die bis heute vorherrscht. Die Ureinwohner fühlen sich ihres Landes beraubt, und genau das wird in „Charlie’s Country“ thematisiert. Ein unglaublich ruhiger, authentischer Film beschreibt bis ins kleinste Detail die Nähe nach seiner Heimat, die Charlie verzweifelt sucht.

Ein Blick in die Augen des Hauptdarstellers reicht, um deutlich zu machen – nicht alles, was im Film geschieht, ist Schauspielerei.

Und wenn doch, dann verdient dieser Mann einen Oscar, denn er bringt die Rolle so unfassbar echt rüber, dass man vergisst, im Kinosaal vor einer Leinwand zu sitzen.

Vielleicht bin ich auch etwas voreingenommen. Ich finde die australische Geschichte unglaublich interessant und liebe das Land, vielleicht ist der Film grade deshalb so fesselnd für mich gewesen.

Ich muss allerdings sagen, einige Stellen haben sich durch die Ruhe und den wenigen Text, der gesprochen wird, etwas in die Länge gezogen. Aber wer sich auf den Film einlässt, sich zurücklehnt und die Szenen auf sich wirken lässt, der wird nicht nur was zu schmunzeln haben, sondern auch das ein oder andere Mal eine eine Gänsehaut bekommen. Die charmante Art von Charlie dürfte jeden in seinen Bann ziehen. Und Australien-Liebhaber wie mich, sowieso.

Text: Annabell Hempelmann
Fotos: Filmfest Oldenburg


Screening von „Charlie’s Country“:
Sa., 13.9., 21.30, EWE Forum Alte Fleiwa

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.