Die skurrilsten Karrikaturen zeichnet das Leben. Oder Jules Feiffer.

„Bernard & Huey“: ein Feuerwerk des spitzzüngigen Humors

Es gibt viele Comicverfilmungen. In nicht wenigen geht es um starke Männer, Typen mit Capes und Rüstungen, Superhelden, die die Menschheit vor allem Bösen retten – und dann gibt es die Protagonisten in dieser Comicverfilmung: „Bernard und Huey“ lassen die Probleme der Welt erstmal außen vor und kämpfen lieber gegen und mit sich selbst.

Bernard (Oscarpreisträger Jim Rash) und Huey (David Koechner).

Ich bin eine dieser Personen, die meine liebe OffBlogger-Kollegin Phyllis im Kino mit Popcorn beschmeißen würde. Meist beuge ich mich nämlich begeistert zu meiner Begleitung rüber und flüstere aufgeregt: „Der da hinten rechts im Hintergrund hat in dem-und-dem Film die-und-die Nebenrolle gespielt!“

Schauspieler wiederzuerkennen ist eine meiner absoluten Leidenschaften – egal, wie viele Augenroller ich dafür ernte. „Bernard & Huey“ ist dafür prädestiniert: Kein Wunder, hat doch Slamdance-Mitbegründer Dan Mirvish für seinen Film bekannte Darsteller wie Jim Rash („Community“), David Koechner („Anchorman“), Sasha Alexander („Rizzoli & Isles“) und Mae Whitman („Perks of being a wallflower“) gewinnen können.

Mirvish startete 2015 eine Crowdfundingkampagne für die Finanzierung des Projekts, deren Zielsumme schnell fast dreifach erreicht wurde.

Nach einem Drehbuch, das der bekannte Comiczeichner Jules Feiffer auf Grundlage seiner Comics „Bernard & Huey“ schon 1986 geschrieben hatte, wurde der Film Ende 2016 in Los Angeles und New York produziert.

Und darum geht’s: Der erfolgreiche New Yorker Bernard traut seinen Augen kaum. Nach vielen Jahren der Funkstille steht sein bester Freund aus alten Zeiten vor seiner Haustür: Huey. Seit ihren Zwanzigern scheint sich auf den ersten Blick einiges verändert zu haben – oder doch nicht? Huey, versoffener und machohafter denn je, rollt geradewegs in Bernards scheinbar geordnetes Leben hinein, verführt dessen On/Off-Freundin Roz und die Arbeitskollegin Mona und stiftet viel Chaos. In die Stadt gebracht wurde Huey von seiner Tochter Zelda, 25 Jahre alt und aufstrebende Jungkünstlerin, die ihr Glück mit brutal-feministischen Comics machen möchte.

Schnell fallen viele Parallelen zwischen Zeldas und Hueys Verhalten auf, denn so sehr Zelda über ihren Vater schimpft – dass sie seine Tochter ist, wird immer deutlicher. Und wie Huey mit den Frauen umgeht, so macht es ihm seine Tochter nach und verdreht dem ewigen Junggesellen Bernard den Kopf. David Koechner schnoddert in seiner Rolle als Huey herrlich herum, während Oscar-Preisträger Jim Rash einen neurotischen Bernard mimt, der trotz der vergangenen Zeit immer noch der schüchterne Junge im Schatten Hueys zu sein scheint.

Den beiden dabei zuzusehen, wie ihre Leben erneut ineinanderkrachen und daraufhin langsam das komplette Chaos ausbricht, ist gleichzeitig unterhaltsam und skurril.

Was der realistischen Verfilmung von „Bernard & Huey“ hier an zeichnerischen Konturen fehlt, macht die schauspielerische Arbeit von Koechner und Rash wieder wett, in dem die beiden als lebende Karrikaturen über die Leinwand stolpern.

Kurz: Für mich ein unterhaltsamer Film vollgepackt mit Fremdscham, fiesen Wortgefechten und trockenem Humor!

P.S.: Verzückt war ich von den kleinen Flashbacks in Bernard und Hueys Jugendjahre. Nicht nur sind die Darsteller der jüngeren Versionen  perfekt ausgewählt, auch hat man hier auf Unterschiede in der Bildqualität geachtet und so bleibt dem Zuschauer tatsächlich das Gefühl, eine kleine Zeitreise zu machen. Auch sonst hat „Bernard & Huey“ szenenbildnerisch Einiges zu bieten. Subtil spielen Luis Guerra (Composing) und Kameramann Todd Antonio Somodevilla mit Schatten und Spiegelungen und haben mein Fotografinnenherz mehr als einmal zufrieden aufseufzen lassen.

Text: Liv Stephan
Fotos: Filmfest Oldenburg

Screenings von „Bernard & Huey“:
Fr., 15.9., 19 Uhr; theater hof 19
Sa., 16.9., 14.30 Uhr; Cine k/Studio

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.