Die Ungewöhnlichkeit der Idylle

– Interview mit der Fotografin Verena Brandt –

Verena Brandt war fünf Jahre lang offizielle Fotografin des Internationalen Filmfestes. Zur 20. Auflage im Jahr 2013 fand unter dem Titel „People and Places“ eine Ausstellung in der Exerzierhalle statt, ein gleichnamiger Bildband erschien im Isensee Verlag. Auch in diesem Jahr wird Brandt wieder vor Ort sein. Offblogger hat sie nach ihren Eindrücken von Oldenburg gefragt.

verenabrandtFrage: Verena, du lebst in Berlin. (Mindestens) Einmal im Jahr geht’s nach Oldenburg. Der Kontrast könnte gar nicht größer sein, oder?

Verena Brandt: Doch! Ich komme aus einem Dorf in Schleswig-Holstein. Der Kontrast ist definitiv noch größer! Im Ernst: Ich bin gern in Oldenburg und freue mich jedes Mal auf die Ausflüge in den Nordwesten. Die Stadt hat eine gute Atmosphäre. Es gibt ja auch einige Orte, an denen man sich als Berliner durchaus zuhause fühlen kann. Aber nach einigen Tagen freue ich mich auch wieder auf pulsierendes Großstadtleben. Dort vermisse ich wiederum sofort die gute Oldenburger Luft!

Ganz ehrlich: Hattest du vorher schon mal vom Filmfest gehört? Oder von Oldenburg?

Brandt: Vom Festival: Nein! Ich habe Torsten Neumann kennengelernt, als er eine Grafikerin für die Gestaltung einer DVD-Kollektion gesucht hat. Über Myspace war das übrigens, so lange ist es schon her. Kurze Zeit später hat er mich dann als zusätzliche Fotografin fürs Filmfest gebucht. Das war auch gleichzeitig mein erster Kontakt mit dem Festival. Durch Oldenburg bin ich als Kind schon öfter durchgefahren, als es in den Sommerferien auf die Ostfriesischen Inseln ging.

Du fotografierst vor allem Menschen. Spielt die Umgebung da überhaupt eine Rolle?

Brandt: Ja natürlich! Ich fotografiere die Menschen ja in Umgebung, nicht im Studio. Das Spannende ist doch, dass diese oldenburgische Idylle für die meisten Festival-Gäste etwas Fremdes oder zumindest etwas Ungewöhnliches ist. Die wurden vielleicht gerade direkt aus L.A. oder New York hierher katapultiert. Die deutschen Filmschaffenden wohnen ja auch vor allem in den großen Zentren Hamburg, Berlin, München etc. Gleichzeitig fühlen sich die meisten Gäste auf Anhieb wohl in der Stadt. Schön zu sehen z.B. im Bild von Matthew Modine auf der Cäcilienbrücke – inklusive grüßendem Oldenburger Radfahrer.

PeopleplacesDu bist jetzt schon seit sechs Jahren dabei, es gab ein Buch und eine Ausstellung mit deinen Fotografien. Ist das Thema „Stars in der Provinz“ ausgereizt – oder gibt es da immer etwas neues?

Brandt: Ich glaube nicht, dass das Thema ausgereizt ist. Ich glaube vielmehr, dass so ein Thema erst durch einen langen Zeitraum und konstante Arbeit an Bedeutung gewinnt. Leider ist das Projekt – zumindest für mich – nun erstmal auf Eis gelegt.

Gibt es einen Moment, eine Begegnung, ein Ereignis, das du besonders in Erinnerung behalten hast?

Brandt: Es gab so viele! Aber am meisten eingeprägt hat sich wahrscheinlich Seymour Cassel, der unbedingt während eines Sekt-Empfangs im Garten auf das Dach des Theater Laboratoriums klettern wollte (und es auch tat), weil er sich ein Foto mit der Kuhskulptur gewünscht hat. Ich dachte nur, ach du Scheiße, wenn der jetzt da runter fällt! Ist aber nichts passiert.

Interview: Thorsten Bruns
Fotos: Verena Brandt, Isensee Verlag


Mehr zu Verena Brandt: hier.
Mehr zu „People and Places“: hier.

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