Die Verwandlung

– Wie aus einer großen Sporthalle ein Kinosaal wird –

13:50
Torsten Neumann statt Rickey Paulding. Jack Unterweger statt Mladen Drijencic. Und Filmkunst statt Leistungssport. Einen Tag vor der Filmfest-Eröffnung bauen fleißige Helfer die kleine EWE-Arena zum Kino um. OffBlogger Mathias Freese hat sich ein paar Stunden dazu gesellt und ihnen auf die Finger geschaut.

Noch 30 Stunden. Die Basketballkörbe liegen am Ausgang zur Abholung bereit, der Hallenboden ist komplett mit Teppichfliesen ausgelegt. Auf einer Seite ist eine Bühne aufgebaut und mitten in der Halle steht ein Gabelstapler. Und die Leute, die hier herumwuseln, sind keine Power Forwards, sondern Veranstaltungstechniker. Die Verwandlung ist spürbar.

Als ich die Arena betrete, sind auf der Bühne gerade zwei junge Männer in dunkler Kleidung und Sicherheitsschuhen dabei, ein weißes Tuch an einem Metallgestell zu befestigen. Offenbar wird das mal die Leinwand. Zwei Kollegen montieren derweil weiter hinten ein schwarzes Tuch an einem anderen Metallgestell. Das wird mal der obere Teil des „Rahmens“, der die Leinwand umschließt.

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Um kurz vor 14 Uhr haben Martin und seine Mitarbeiter von der Firma MPA Flashlight den Rahmen fertig und fahren ihn hoch. Sieht schon schick aus. Die Leinwand liegt allerdings noch auf dem Boden und wirkt eher wie ein Sprungtuch oder ein Trampolin. Unterdessen fahren zwei etwas ältere Männer stapelweise Stühle in die Halle. „Verteil sie direkt ein bisschen“, ruft einer seinem Kollegen zu, der gerade den dritten Wagen hereinschiebt. Ganz hinten fangen sie an, die Stühle aufzustellen. Auf akribischste Art messen sie die Reihe aus, und das hat seinen Grund: Auf jeder Seite muss ein Gang von zwei Metern Breite freibleiben, und trotzdem müssen 36 Stühle in die Reihe passen.

„Die Bestuhlung sieht am Anfang immer komisch aus. Das hat aber nichts mit der Arena hier zu tun“, erklärt ein Kollege mit „Wacken“-T-Shirt.

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Maßarbeit – die erste Reihe steht. Ein vierter Mann mit einer Baseball-Kappe misst nochmal die Abstände nach – es passt alles. Die weiteren Reihen kann das Team jetzt einfach davor stellen. Auf einem Stuhl findet der „Wacken“-Fan noch ein Programmheft, offenbar von der letzten Veranstaltung, an dem die Stühle aufgebaut wurden. Ich begutachte das Fundstück: Es war das Programm „nachSITZen!“ vom „Hundeprofi“ Martin Rütter am 15. April. Nachsitzen – irgendwie ironisch. Währenddessen schieben die beiden älteren Herren immer mehr Stühle in die Arena. Wie viele werden das denn noch? Passen die alle in die Halle?

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Ich höre einen Motor surren: Der schwarze Rahmen fährt auf einmal wieder runter. Ein Problem? Nein, das muss wohl so. Martin und seine Kollegen befestigen die Leinwand unten am Rahmen und fahren dann beides gemeinsam wieder hoch. Das ist gar nicht so einfach, da das Metallgerüst einiges wiegt und sie es im richtigen Winkel halten müssen, damit es ordentlich hochgezogen wird. In mehreren Schritten bringen die vier Veranstaltungstechniker die Leinwand in die Vertikale. Irgendwas passt aber noch nicht richtig. Sie legen die Leinwand mit Hilfe von Rollbrettern nochmal hin.

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Aber nur für ein paar ganz kurze Korrekturgriffe. Ich schaue zur Uhr an der Hallenwand: 15.00 – die Leinwand steht. So weit, so gut. Da sie aber noch eine Weile weiß bleiben wird, sind gerade andere Vorgänge in der Halle spannender: Die Bestuhlung schreitet sichtbar voran. So langsam kann man ja mal rechnen: 36 Stühle pro Reihe, 14 Reihen stehen schon, und es kommen noch mindestens zehn Reihen dazu. Macht 866 Stühle. Eher noch mehr. Wow! Auf welchem davon werde ich wohl bei der Eröffnungsgala sitzen? Hoffentlich nicht ganz hinten, da seh‘ ich ja die Leinwand kaum. Apropos: Was fehlt denn bei der Leinwand noch?

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„Unter der Leinwand sind ja noch die Trass und Spannfixe zu sehen. Wir müssen noch etwas davor machen“, erklärt mir Lagerleiter Daniel. Offenbar weiß aber keiner mehr so genau, wie das im Vorjahr gehandhabt wurde. Es wird diskutiert, jeder bringt eine andere Idee hervor. Ein Problem? „Nein, kein Problem. Wir müssen nur gucken, wie wir das am besten hinbekommen.“ Wunderbar. Martin hört sich geduldig alle Vorschläge an, einige verwirft er sofort, nach kurzer Zeit finden sie gemeinsam eine Lösung. Gelungene Teamarbeit.

Daraufhin bestellt Martin erstmal für alle eine Pizza. „Kein Kampf ohne Mampf“, zitiert er das Motto eines Bekannten.

Seine Kollegen stimmen zu und bekunden „Kohldampf“. Das Team hat mit dem Aufbau bei der Arena zwar um 12.30 Uhr („relativ spät“) begonnen, Arbeitsbeginn am eigenen Lager war aber schon um 9 Uhr. Was fehlt denn noch? Ach ja, der Sound.

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Auch der steht – aber nicht komplett. Es fehlen noch die Lautsprecher, die unter der Decke hängen. Dafür müssen sich die Technik-Experten mit der Hebebühne in schwindelnde Höhen liften lassen. Gerade, als ich mich frage, was genau der Mann da oben wohl macht, ruft er runter: „Ich versuch‘ grade, zuhause anzurufen.“ Achso. Und ich hatte schon befürchtet, in über zehn Metern Höhe wäre das Arbeiten eher weniger entspannt. „Nur das Hoch- und Runterfahren ist etwas unangenehm“, erklärt er. Bis auf die erste Reihe sind mittlerweile alle Stühle aufgebaut.

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Die Anlage in der Arena aufzubauen sei nicht schwierig, erklärt Tim (aka „Der Mann da oben“). Seine Firma ist dort oft für die Licht- und Tontechnik zuständig und kennt die Gegebenheiten sowie die Akustik in der Halle bestens. Das sei vor allem bei Open-Air-Veranstaltungen schwieriger einzustellen. Auch mit den Sicherheitsbestimmungen („Das ist ja das Wichtigste“) passe alles gut.  Gegen 18 Uhr hängen auch die Lautsprecher und die Leinwand hat unten einen Rahmen. Und ein kleines Rednerpult steht auf der Bühne, auf die nun auch eine Treppe führt.

Das sieht schon ziemlich gut aus. Aber fertig ist noch nicht alles: Licht und Ton müssen noch feinjustiert werden und Martin richtet die Lautsprecher nochmal korrekt aus, damit die Beschallung stimmt. Und dann heißt es morgen: Spot an in der EWE-Arena für die Eröffnungsgala des Oldenburger Filmfestes! Torsten Neumann und Gäste können kommen …

Text und Bilder: Mathias Freese


Eröffnungsgala des Oldenburger Filmfests mit dem Film „Jack“:
Mi., 16.9., 19 Uhr, EWE-Arena 

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