Ein Moment, zwei Momente, drei Momente …

– Das ganz spezielle Festivalfazit der Offblogger –

2016 – war das ein guter Jahrgang? Ja, ja und nochmals ja! Vieles war anders in diesem Jahr, manches hektischer, manches komplizierter. Aber macht das was? Nein! Erneut haben sich sieben Offblogger ins Festivalgeschehen gestürzt, zwei weitere mussten etwas kürzer treten. Hier erzählen sie von ihren besten Momenten während des Filmfestes.

gruppe

Offblogger 2016: Moritz Lenz, Claus Spitzer-Ewersmann, Liv Stephan, Melanie Schmidt, Mareike Schulz, Phyllis Frieling, Ramona Walter (v.l.). Es fehlen: Mareike Lange, Thorsten Bruns, Arjan

Der Blick für neue Perspektiven
Das Oldenburger Filmfest 2016 hatte so Einiges zu bieten: Eine dicke Schicht Glamour, die Nicolas Cage mitbrachte, inspirierende Persönlichkeiten, wenn ich an meine Gespräche mit Amanda Plummer und Michael Reich sowie Sonja Kinski zurückdenke, berührende Kurzfilme und außergewöhnliche Independent-Streifen. Was mir aber in Erinnerung bleiben wird, das ist ein Moment abseits des Trubels roter Teppiche und voller Kinosäle: Mein Gespräch mit Gefangenen der JVA Oldenburg war so normal, irgendwie rührend, gleichzeitig spannend und aufgrund dieser ganzen Extreme unheimlich intensiv. Unterschiedliche Lebenswelten, die sich sonst nie begegnen, hat das Oldenburger Filmfest in diesem Moment zusammengebracht. Und genau das ist es, was das Festival für mich ausmacht: Extreme verbinden, außergewöhnliche Wege gehen, nachdenklich machen und so den Blick für neue Perspektiven weiten. Danke Oldenburg!
Mareike Schulz

Besuch vom Wochenmarkt
Samstagmittag in der VIP-Lounge bei Möbel Rosenbohm (Gislinde, danke dafür!). Plötzlich steht da jemand am Tisch, an dem ich die Offblogger-Texte redigiere. „Darf ich mal stören?“, fragt er. Ich bin verblüfft. „Wo kommst du denn her?“ – „Von draußen, die Tür stand auf.“ Der Typ ist mir vorhin kurz aufgefallen, trank einen Kaffee (auch: Danke, Achim!). Er sei eigentlich nur zum Einkauf auf dem Wochenmarkt gewesen, erzählt er, aber großer Festival-Fan. Dann habe er die Lounge entdeckt, sei reingekommen und geblieben. Mit Sonja Kinski habe er gesprochen und auch noch mit zwei, drei anderen Gästen. Das sei so nett gewesen. Und jetzt wolle er gehen und einfach nur Bescheid sagen, er sei der Finn, falls jemand fragen sollte. „Ich habe einen wunderbaren Vormittag gehabt.“ Okay, Torsten Neumann, du wirst diese kleine Episode nicht mögen, fürchte ich. Vielleicht gibt’s beim Filmfest 2017 Security vor dem Eingang zur VIP-Lounge. Aber gerade diese Momente sind es, die das Flair Oldenburgs ausmachen. Bitte belasse es so – zumal sich Sonja Kinski offensichtlich nicht beschwert hat.
Claus Spitzer-Ewersmann

Paella mit Amanda
Wow! Waren das wirklich nur fünf Tage? So viel erlebt, so viel gesehen. Doch, wo ist dieser eine besondere Festivalmoment? Ist es der Augenblick, als ich Mr. Cage am roten Teppich traf? Klar, der Besuch des Hollywood-Stars in Oldenburg war schon ein Highlight. Aber besonders waren eher die Freizeit-Paparazzi. Schwirrten doch permanent die Handykameras direkt um Nicolas Cages Kopf. (Sorry, Mr. Cage, dass Sie sich während der VIP-Gala noch nicht einmal in Ruhe in Reihe 5 des Staatstheaters setzten konnten …). Wie viel entspannter hatte es da Amanda Plummer! Mit ihr saß ich bei strahlendem Sonnenschein Tisch an Tisch beim Paella-Essen. Auch ein toller Moment. Aber war es der besondere? Nein. Mein besonderer Festivalmoment bestand wieder mal aus vielen kleinen Momenten. Die positive Stimmung, die sich in der Stadt unter den Filmfans immer mehr breit machte, die vielen gut gelaunten Festivalgäste, das glückliche und zufriedene Grinsen des Festivalleiters Torsten Neumann auf der Bühne, diese fast familiäre Atmosphäre hinter den Kulissen, und natürlich die gemeinsame Zeit, die ich wieder mit einem Spitzenteam an Offbloggern verbringen durfte.
Melanie Schmidt

Es sind die Menschen!
Ich habe sehr lange überlegt, was mein besonderer Festivalmoment war. Gerade in diesem Jahr scheint es besonders schwierig, genau diesen einen großartigen Augenblick auszumachen. Angefangen bei den wunderschönen Filmen, die ich gucken und rezensieren durfte, über die große Aufregung zum Besuch des Hollywood-Stars, bis hin zu den tollen Veranstaltungen und Parties, die (wie auch schon im letzten Jahr) ein Flair gezaubert haben, das man schlichtweg nicht beschreiben kann. Wenn ich recht überlege, sind es wohl in diesem Jahr die Menschen, die mir das Festival versüßt und immer wieder für grandiose Momente gesorgt haben. Ewig im Kopf bleiben wird mir vor allem mein Gespräch mit Noémie Merlant. Meine Interview-Erfahrungen sind noch an zwei Händen abzuzählen und so war ich unfassbar nervös, als ich mich mit ihr in der Presse-Lounge traf. Und dann saß sie da: entspannt, fröhlich, bodenständig und absolut zauberhaft und all meine Ängste waren verflogen. Das ist wohl auch, was mich am Filmfest Oldenburg am meisten fasziniert: Das Beisammensein auf einer Ebene, ein Miteinander anstatt geradliniger Hierarchien – und damit die Möglichkeit, Menschen zu treffen, die trotz ihrer außergewöhnlichen Arbeit und ihres Erfolgs sind wie du und ich.
Ramona Walter

Keine Chance für Nicolas Cage
Das Filmfestival hatte für mich wahnsinnig viele Highlights zu bieten, aber ein Moment hat mich besonders begeistert. Dabei waren es nicht die rauschenden Partynächte, die tollen Stars oder der Blick hinter die Kulissen, sondern schlicht und ergreifend ein normaler Kinobesuch, der mich am meisten berührtete: Gemeinsam mit meiner Freundin ging ich in den Western „In a Valley of Violence“, von dem ich vorher nichts wusste. Außer dem Filmtitel hatte ich keine Ahnung, was mich erwarten würde. Völlig unvorbelastet und gerade deswegen auch irgendwie gut gelaunt ging ich in den Kinosaal, der Film begann und dann kam er, mein Moment: Ein total gemütlicher Kinosessel, meine Liebste an meiner Seite, ein leckeres Getränk in der Hand und ein Film, der mich wirklich umgehauen hat. Ein einfach großartiges Kinoerlebnis! Da ist mir klar geworden, dass es oft gerade die auf den ersten Blick gar nicht so außergewöhnlichen Augenblicke sind, die einfach dadurch unvergesslich werden, dass für eine kurze Weile einfach jedes Detail stimmt. In diesem Moment hätte mich sogar Nicolas Cage auf ein kühles Blondes einladen können – ich hätte ihm vermutlich einen freundlichen Korb gegeben und wäre sitzen geblieben!
Moritz Lenz

Menschen oder Filme?
Als Offblogger und Besucher war ich zum ersten Mal auf dem Filmfest unterwegs. Klar ist: Als Blogger hat man einen anderen Blick auf die fünf Tage. In meinen Interviews mit Robert Putka (MAD) und Pasha Rafiy (Foreign Affairs) habe ich unglaublich interessante und inspirierende, aber auch völlig unterschiedliche Menschen, Ansichten und Herangehensweisen kennengelernt. Und wenn Robert Putka bei der Abschiedsparty noch einmal auf dich zukommt und sich für das schöne Interview bedankt, dann ist klar: Beim Filmfest Oldenburg gibt es keine Hierarchien oder Starallüren, sondern einfach Filmemacher und -liebhaber. Am Ende aber ist das Filmfest immer noch ein Filmfest, und auch wenn ich es nie gedacht hätte, war der Besuch von Nicolas Cage für mich tatsächlich etwas Besonderes. Während ich vorher das Ganze mit „Viel Lärm um Nichts“ abtat, brachte mich zuerst Offblogger Thorsten Bruns mit seinem Text über Cage zum Überlegen: Vielleicht bin ich einfach nach seinen guten Filmen geboren und hab sie verpasst? Mit seiner Darstellung des Trinkers Ben in „Leaving Las Vegas“ hat mich Cage schließlich wirklich überzeigt – und ist ein Filmfest nicht genau dafür eigentlich da? Danke Thorsten Bruns, danke Torsten Neumann, und danke Filmfest!
Phyllis Frieling

Wie drei Wochen oder ein Atemzug                                                                             Mein erstes Filmfest als Offbloggerin ist vorbei. Lustigerweise kommt es mir so vor, als wären nicht fünf Tage vergangen, sondern drei Wochen – oder doch eher drei Sekunden? So ist das mit den Zeiten, die wir genießen. Sie vergehen in einem Atemzug und sind gleichzeitig durch ihre einzelnen Augenblicke so schön und beeindruckend, dass es uns so vorkommt, als wäre es eine unendlich lange Zeit gewesen. Ich könnte so viel schöne Momente auflisten, die ich dieses Jahr auf dem Filmfest in Oldenburg hatte. Ich war im Knast mit Honey Bunny, habe aus dem Siegerpokal des besten Independentfilms getrunken und hatte wirklich eine tolle Zeit. Aber einen meiner schönsten Momente erlebte ich tatsächlich am letzten Tag des Filmfestes, abends auf der Party im Polyester, als ich nur durch Zufall mit einer der Hauptdarstellerinnen von “MAD“ in ein wirklich schönes und nettes Gespräch kam. Nachdem ich sie ein paar Tage zuvor schon zu dem Film interviewen durfte, war ich total glücklich, Eilis Cahill auch auf einer persönlicheren Ebene kennenlernen zu dürfen. Und am Ende sagte sie “See you next year!“. Ja, hoffentlich, “See you next year“, liebes Filmfest. Es war wunderschön mit dir!     Liv Stephan

Bleibt alles anders
Oha. Da ist sie wieder, diese gemeine Frage nach dem „ganz speziellen Festival-Moment“. In den letzten Jahren war es fast unmöglich, sich festzulegen. Es waren einfach zu viele! Besser gesagt: Es war ein durchgängiger fünftägiger Moment, unmöglich zu unterteilen. In diesem Jahr stehen wir allerdings vor einer ganz anderen Herausforderung. Es kommen überhaupt nur zwei Anlässe in Frage! Das klingt furchtbar tragisch, fast bemitleidenswert. Gäbe es da nicht diesen verdammt guten Grund: Genau vier Wochen vor der Eröffnung des Filmfestes ist unser Sohn Arjan zur Welt gekommen. „Independent“ ist bei uns seitdem gar nichts mehr. Genau zweimal haben wir es geschafft, mit dem kleinen Racker irgendwo aufzukreuzen: Bei der Eröffnung und bei der Gala. Lange gedauert hat’s nie: Mal landete die letzte Mahlzeit auf dem Abendkleid, mal wurde ordentlich was in die Windel gedonnert. Aber – und das ist ein großes, mächtiges Aber – alles war sofort wieder da: Der Spirit. Die Vibes. Und als Bonus: Die Flashbacks. Jeder Ort und jedes Event eine Kulisse für Erinnerungen. Denn: Das Filmfest ist nicht nur eine Herzensangelegenheit, eine Leidenschaft. Das Filmfest ist auch der Ort, an dem für uns alles begann. Unser schönster Moment ist deshalb ein ganz intimer: Der Augenblick, als wir drei am Freitagabend allein auf dem Balkon der Staatstheaters standen, mitten im Auge des Tornados Filmfest. Ohne dass ein Wort fiel, war alles klar, alles richtig. Hier beim Filmfest fing alles an, hier fühlen wir uns zuhause, hierher werden wir immer zurückkehren. Im nächsten Jahr dann hoffentlich wieder öfter, länger, intensiver. Es bleibt alles anders.
Mareike Lange & Thorsten Bruns

Foto: Jörg Hemmen

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.