Ein Zuhause für fünf Tage

– Was der Ausnahmezustand Filmfest mit einem Einrichtungshaus anstellt –

Inhaberin Gislinde Rosenbohm stellt in diesem Jahr zum zweiten Mal ihr Einrichtungshaus als Festival-Center zur Verfügung. Im Gespräch mit Offbloggerin Mareike Schulz erzählt sie, wie es dazu kam, dass Schauspieler und Regisseure sich in ihren Sofas fläzen, welche Rolle Herzblut dabei spielt und warum sie sich auf den Festival-Wahnsinn immer wieder gerne einlässt.

Frage: Frau Rosenbohm, haben Sie eigentlich Angst um Ihre Möbel bei all der Action?

Gislinde Rosenbohm: Nein, habe ich gar nicht. Wir haben schon oft große Events bei uns im Hause gehabt und ich mache mir nie Sorgen, dass etwas passieren könnte. Bis vorletztes Jahr haben wir alle Möbel in die Kulturetage gebracht, da fand ich es manchmal unübersichtlich, aber hier im eigenen Haus bin ich sehr optimistisch. Bis auf einen kleinen Kaffeefleck war nichts im letzten Jahr. Ich glaube, mit dieser Einstellung funktioniert das. Im Tagesgeschäft kann schließlich auch immer mal etwas schiefgehen.

Wie kam es dazu, dass letztes Jahr der Entschluss gefasst wurde, das Festival-Center bei Rosenbohm einzurichten?

Rosenbohm: Mein lieber Torsten Neumann, den ich schon sehr lange kenne, war im letzten Jahr bei uns, wir saßen genau hier im Garten hinter dem Einrichtungshaus, das war im Juni oder Juli. Als Torsten mich fragte, ob ich eine Idee für eine Alternative zur Kulturetage hätte, habe ich den Entschluss gefasst: ‚Wir könnten das doch hier machen.‘ Schließlich ist unser Haus zentral gelegen, man kommt in wenigen Minuten zu allen Locations und Spielstätten.

Innerhalb einer halben Stunde war alles klar.

Meine Mitarbeiter waren zunächst etwas verwundert, wir hatten ja keine richtige Idee, wie das hier ablaufen kann. Wie viele Leute kommen? Aber wir haben es gemeistert und als Torsten dieses Jahr fragte, ob das Center wieder bei uns eingerichtet werden kann, war das gar keine Frage. Im Gegensatz zum Filmfest 2015 haben wir größtenteils auf große Tischecken mit vielen Stühlen verzichtet. Die meisten, die kommen, wollen sich entspannen und relaxen. Loungige und gemütliche Sessel werden da definitiv bevorzugt.

Gab es trotzdem einen Moment, in dem Sie Ihre Entscheidung bereut haben?

Rosenbohm: Natürlich ist das für eine kurze Zeit eine enorme Veränderung, aber ich hatte kein einziges Mal das Gefühl, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Die Mitarbeiter sind dabei eine riesige Unterstützung. Wenn sie das nicht mittragen würden, wäre ein solches Event nicht zu realisieren. Die Erfahrung im letzten Jahr war für uns alle klasse, einfach ein tolles Erlebnis. Hier herrschte eine relaxte Stimmung, die Leute fühlten sich wie zuhause. Schauspieler lagen auf den Sofas und haben sich wohl gefühlt. Das ist auch unser Anspruch: Alle, die hier herkommen, sind unsere Gäste.

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Setzt auf den Wohlfühlfaktor: Gislinde Rosenbohm (l.)

Was bedeutet das Festival für den normalen Betrieb? Kann der überhaupt stattfinden?

Rosenbohm: Das muss natürlich genauso gemanagt werden. Lediglich ein Vorhang trennt das Festival vom Alltagsgeschäft. Fünf Tage lang ist mein Kopf voll: Der Garten muss gemacht werden, da müssen wir was abhängen, dort muss noch ein Banner aufgestellt werden. Aber:

Wenn die Leute entspannt sind, merken wir, dass es läuft.

Für diesen begrenzten Zeitraum können wir einen solchen Ausnahmezustand, im positiven Sinn, managen. Unser Engagement wird von vielen Kunden positiv bewertet. Dennoch ist der Aufwand natürlich enorm: Im Vorfeld müssen wir überlegen, welche Möbel benötigt werden, mit zwei Tischlern haben wir alles umgeräumt, Lampen ab- und aufgehängt, Telefone umgeschaltet, Wlan eingerichtet.

Das würden Sie sicher nicht tun, wenn eine Verbindung zum Filmfest nicht oder nur sporadisch vorhanden wäre. Wie würden Sie diese beschreiben?

Rosenbohm: Ich bin seit vielen Jahren ein Fan des Festivals und finde, es ist für Oldenburg eine tolle Bereicherung, nicht nur wegen großer Namen wie Nicolas Cage, sondern gerade weil es so familiär ist. Von Regisseuren und Schauspielern bin ich immer wieder begeistert.

Wenn ich etwas mache und mich für eine Sache entscheide, dann bin ich mit Herzblut dabei.

Das ist natürlich manchmal anstrengend, aber mit dieser guten Stimmung unter den Mitarbeitern und deren Engagement meistern wir alle Extremsituationen. Nach fünf Tagen Ausnahmezustand wird sich der Montag anfühlen wie der Tag nach Heiligabend. Vieles an Anspannung fällt dann ab, dann müssen wir den Alltag erst einmal realisieren.

Für diese Tage nach dem Ausnahmezustand wünschen wir Ihnen alles Gute!

Interview: Mareike Schulz 
Foto: Lawrence Diederich

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