Gone – Escamotage – Verschwinden

 – Aus dem Kurzfilmprogramm: „Gone“ von Guillaume Foresti –

„Dieser Film fühlt sich ein bisschen wie Wasser an, das einem durch die Hände rinnt“, sagt OffBlogger Simon Junklewitz, der sich Guillaume Forestis Kurzfilm „Gone“ ganz genau angesehen hat.

Als der Film nach gut zwanzig Minuten sein Ende fand, war mein erster Gedanke nur: „Whaaaaat!?“

In meinem Kopf war vielleicht nicht alles verschwunden, aber es fehlte doch einiges. Vor allem eines: die Moral.

„Gone“ startet wie ein Jumbo-Jet. Erst langsam und schwerfällig, sodass es Bruce Willis noch aus einem Auto auf die Tragfläche geschafft hätte. Dann doch schneller, so dass es nur noch Tom Cruise im Vollsprint zum Radschacht möglich gemacht hätte. In „Gone“ gibt es keine Jets und auch keine vielleicht zuerst assoziierte Action. Die Handlung: Ein Bauingenieur hat einen verheerenden Fehler gemacht. Doch gerade als der unter Stress stehende Mann die Folgen begreifen kann, entrinnt ihm seine Realität. Nach und nach verschwinden der Plan, das Büro, ganze Gebäude. Verliert er sich etwa selbst?

Regisseur Foresti gelingt es den Jet auf sehr kurzer Strecke abheben zu lassen. Mit wackelnder Kamera, gehetzten Telefonaten und einer Masse an Nebencharakteren, die alle mehr zu wissen scheinen, verschwindet man auch als Zuschauer in der bedeutungslosen Dunkelheit des Kinosaals. Wie bei so vielen Kurzfilmen bleibt wenig Zeit sich allem bewusst zu werden. Das Herz schlägt. Szenisch ist der Film sehr gelungen, doch bleibt die Kernaussage auf der Strecke. Foresti bietet keinerlei Antworten auf die Fragen des Publikums. Einzig die Leere bleibt zurück. Doch für einen kurzen Abstecher zum Filmfest lohnt sich „Gone“ auf jeden Fall, für Kurzfilmliebhaber sowieso.

Text: Simon Junklewitz
Fotos: Filmfest Oldenburg

Screenings: „Gone“ läuft am Freitag um 21.30 Uhr als Vorfilm von „Sisters of Mine“ im Casablanca 2. Alle Kurzfilme sind am Sonntag um 12 Uhr in der Exerzierhalle zu sehen.

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