HDGDL – Fernbeziehung über Soziale Netzwerke

– „10.000 km“ – so nah und doch so fern –

Konnte man vor ein paar Jahren nur über Telefon, Briefe oder (immerhin) SMS in Kontakt bleiben, bieten sich heutzutage unzählige Möglichkeiten. Facebook, WhatsApp, Skype, Google und Co. sei Dank! Der Film „10.000 km“ macht zum Thema, wie die Social Media eine Fernbeziehung beeinflussen können.

Jeder, der mal in einer Fernbeziehung oder für eine längere Zeit von seiner besseren Hälfte getrennt war, wird sich in diesem Film wiederfinden. Und wer auch noch ein Faible für die Sozialen Netzwerke hat, wird diesen Streifen lieben.

Alex und Sergi

Alex und Sergi. So nah werden sie sich eine zeit-
lang nicht sein können.

Alex und Sergi sind ein glückliches und „aktives“ Liebespaar. Sie leben zusammen in einer kleinen Wohnung in Barcelona. Eigentlich stecken sie inmitten der Kinderplanung. Doch dann erhält Alex ein einmaliges Job-Angebot: Für zwölf Monate soll sie als Fotografin in Los Angeles arbeiten. Sergi ist zunächst überhaupt nicht begeistert, und macht Alex eine Szene. So entscheidet sie sich zunächst dafür, ihm zuliebe in Barcelona zu bleiben. Nach einigem hin und her entscheidet sich Alex dann doch, den Job in Los Angeles anzunehmen. Kurze Zeit darauf fliegt Alex nach Los Angeles. Kaum angekommen, startet ihre Konversation mit Sergi über sämtliche Soziale Netzwerke.

Die genaue Anfahrt zu ihrem neuen Zuhause zeigt sie ihm über Google Street View. Den Treppenaufgang zu ihrem kleinen Appartement überträgt sie live über Webcam. Auch die spärliche Wohnungseinrichtung wird Sergi nach Barcelona übermittelt. Und sogar beim Kochen hilft Sergi Alex via Internet. Es wird also multimedial auf allen Kanälen gechattet und geflirtet. Bis zu dem Punkt, an dem Alex nicht sofort auf eine Nachricht von Sergi antwortet.

Denn so viel die virtuelle Kommunikation einen auch näher bringen mag, so sehr kann sie auch eine Menge Misstrauen schüren.

Wer war nicht schon mal angefressen, als nicht umgehend auf seine WhatsApp-Nachricht reagiert wurde? Und das erst recht, wenn das zweite Häkchen doch anzeigt, dass die Nachricht empfangen wurde! Und der Zeitstempel „beweist“, dass der letzte Kontakt gerade erst stattgefunden hat… So etwas kann schon mal die Frustkurve ansteigen lassen. Verhängnisvoll kann auch das „Markiert-sein“ auf einem Party-Foto sein. Hat man von der Party noch nicht einmal etwas erzählt, ist Riesenärger vorprogrammiert. Wie im Film zu sehen ist. Sergi erlebt über die Sozialen Netzwerke, wie Alex ein scheinbar glückliches Leben in L.A. führt, während er in Barcelona auf sie wartet. Und da den beiden auch noch die körperliche Nähe fehlt, wird die Beziehung auf eine harte Zerreißprobe gestellt.

Regisseur Carlos Marques-Marcet

Regisseur Carlos Marques-Marcet

Natalia Tena und David Verdaguer spielen das Liebespaar derart überzeugend, dass man komplett in den Film eintaucht. Der Regisseur Carlos Marques-Marcet hat mit „10.000  km“ ein absolut brillantes Werk geschaffen, welches unser heutiges digitales Zeitalter perfekt widerspiegelt.

Text: Melanie Schmidt
Foto: Filmfest Oldenburg


Screenings von „10.000 km“:
Do., 11.9., 16.30 Uhr, Cine k
Sa., 13.9., 19.00 Uhr, theater hof/19

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.