Heimlich, still und leise durch die Pubertät

– Ein Film über Veränderungen in jungen Jahren: „Alba“ –

Kichern, Plappern, Wechselbäder der Gefühle. All das erwartet man von einem elfjährigen Mädchen, dasauf der Schwelle zum Erwachsenwerden steht. Alba (Macarena Arias) ist da aber ganz anders. Sie ist still und in sich gekehrt. Emotionen zeigt sie – wenn überhaupt – nur ihrer kranken, bettlägerigen Mutter.

Alba

Alba fragt sich: Wie viel soll sie preisgeben, was soll sie für sich behalten?

Alba hat ein sehr inniges Verhältnis zu ihrer Mutter. Das elfjährige Mädchen umsorgt sie, wacht permanent darüber, ob es ihr gut geht, und schläft sogar bei ihr im Bett. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als die Mutter vor ihren Augen im Bad zusammenbricht und ins Krankenhaus gebracht wird. Die absolute Katastrophe für Alba. Und das, wo sie schon genug mit ihrer Pubertät zu tun hat. Nun liegt nicht nur ihre Mutter sterbend im Krankenhaus, nein, Alba muss von ihrem gewohnten, geräumigen und behaglichen Zuhause in eine kleine, schäbige Behausung zu ihrem Vater Igor ziehen. Zu dem Mann, den sie bisher nie wirklich kennengelernt hat.

Alba ist wenig begeistert von ihrem ungepflegten Vater. Und auch Igor scheint mit der neuen Situation, ein Kind bei sich wohnen zu haben, mehr als überfordert. Dennoch bemüht er sich von der ersten Minute an, es seiner Tochter mit wenigen Mitteln so angenehm wie möglich zu machen.

Viel hat Alba aus ihrem ehemaligen Zuhause nicht mitgebracht, aber ihr geliebtes, fünftausendteiliges Puzzle ist mit im Koffer. Als sie damit auf den Dachboden geht, stöbert sie ein wenig in den herumstehenden Kisten. In der mit der Aufschrift „Alba“ entdeckt sie ein paar alte Sachen ihrer Mutter und schließlich ein Familienalbum. Darin sieht sie zum ersten Mal ihre Eltern in jungen Jahren. Sie wirken glücklich, und vor allem der Anblick ihres Vaters scheint Alba sehr zu überraschen. Er sieht auf den Fotos sehr gepflegt und sogar ziemlich attraktiv aus.

Die Distanz zum Vater hält Alba dennoch weiter aufrecht. Nach und nach entdeckt Alba immer weitere Gemeinsamkeiten mit ihrem Vater. Beide sind still und schüchtern und scheinen unfähig, soziale Kontakte aufzubauen. Und Vater und Tochter haben ähnliche negative Mobbing-Erfahrungen in der Schule gesammelt.

Aber anstatt, dass sich Alba über die Gemeinsamkeiten mit ihrem Vater freut, scheint sie eher erschrocken zu sein.

So, wie sich Alba zu Hause verhält, ist sie auch in der Schule: still und in sich gekehrt. Man merkt ihr die Belastung, ihre Mutter bald verlieren zu können, regelrecht an. Die Kinder an ihrer Schule scheinen alle aus gutem Hause und intakten Familien zu kommen. Gern würde sie zu der Clique dazu gehören, findet aber keinen richtigen Zugang. Während Alba sich zurückhält, plappern die Teenie-Mädchen munter durcheinander und erzählen von ihrem spannenden Leben. Erfahrungen, die Alba bisher nicht machen konnte. Sei es ein aufregender Urlaub oder die ersten Knutsch-Erlebnisse mit Jungs. Alba lauscht den Gesprächen der Klassenkameradinnen und wirkt dabei sehr unsicher. Sie scheint Angst zu haben, dass sie nach ihren Erfahrungen gefragt wird.

Alba

Alba steckt im Wettstreit der Welten, in denen sie lebt, fest.

Ein Mädchen der Schule, Eva, freundet sich mit ihr an und lädt sie zu einer Party ein. Die Vorbereitungen und die Party selbst werden dabei für Alba zu einer Art Bühne. Sie beginnt, ihren Klassenkameraden etwas vorzuspielen und täuscht ein anderes Leben vor. Und nur, weil sie zu den „coolen“ Teenies dazugehören will,  lässt sie sich zu fiesen Aktionen beim Spiel „Wahrheit oder Pflicht“ hinreißen. Man merkt ihr das Unbehagen aber in jeder Minute an.

Da Alba nicht möchte, dass auch nur einer weiß, wo sie wohnt und wer ihr Vater ist, lässt sie sich von der Mutter einer Schulfreundin mit dem Auto vor einem fremden Haus absetzen. Zum Schluss treibt sie es so weit auf die Spitze, dass sie ihren Vater  verleugnet. Alba schämt sich einfach zu sehr für ihn. Erst recht als sie bemerkt, dass ihre Klassenkameraden ihn für einen Obdachlosen halten. Doch plötzlich scheint sich etwas in Albas Wahrnehmung zu ändern.

Alba

Regisseurin Ana Cristina Barragán

Mein Fazit: Ein stiller Film, der dennoch sehr unterhaltsam ist. Die junge Hauptdarstellerin Macarena Arias schafft es einfach mit ihrer Mimik, den Zuschauer in die turbulente Gefühlswelt der elfjährigen Alba mitzunehmen.

Text: Melanie Schmidt
Fotos: Filmfest Oldenburg

Screenings von „Alba“:
Do., 15.09., 16.30, Cine k/Studio
Sa., 17.09., 14.30, Cine k/Muvi

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