Horror, News und Euphorie

Wenn Torsten Neumann zur PK des Filmfestes Oldenburg ruft, kommen sie alle – auch Festival-Neuling und Offbloggerin Phyllis Frieling. Ohne Vorwarnung ging’s hinein in eine bunt gemischte Truppe enthusiastischer Helfer, wissenshungrige Reporter und Fotografen, Filmteams, Blogger und natürlich: einem gestressten, aber mitreißenden Festivalleiter, der sich vor Begeisterung kaum selbst stoppen konnte.

Festivalleiter Torsten Neumann

Festivalleiter Torsten Neumann stellt das 23. Filmfest Oldenburg im Casablanca vor.

Das Grauen kam am Nachmittag – ins Casablanca Oldenburg: Eine junge Frau schleicht durch eine unordentliche Wohnung und fragt immer wieder nach „Torsten“. Sie sucht und sucht und findet ihn doch nicht – die Angst wächst, Musik schwillt an. Bis sie eine Schreibmaschine entdeckt. Darin: Ein Blatt Papier, über und über mit dem gleichen Satz beschrieben: „All work and no play makes Oldenburg a dull fest“ – und daneben Seite um Seite um Seite die gleichen zehn Wörter, die sie durchliest, bis sie plötzlich ein Geräusch hört, sich umdreht, und –

Stopp. Wie bei Stanley Kubrick’s Horrorklassiker „The Shining“, an den sich der Filmfest-Trailer „The Opening“ selbstironisch anlehnt, darf auch hier das Ende nicht einfach verraten werden.

The OpeningSchaut ihn euch hier unbedingt selber an, denn „The Opening“ war für mich das Highlight der Pressekonferenz zum Oldenburger Filmfestival. Schon in dem dreiminütigen Trailer sieht man die Leidenschaft von Festivalleiter Torsten Neumann und seinem Team für Film und Kino. Wieder musste ein Klassiker ran, der auf Oldenburg umgemünzt wurde – gekonnt!

Warum aber halst er sich mit dem Trailer jedes Jahr noch mehr auf? Dass das Riesenprojekt Filmfest Oldenburg unzählige Nachtschichten und wahrscheinlich fünfmal so viel Kaffee und Zigaretten erfordert, ist offenbar nicht genug. Der Trailer muss sein, niemals soll er dem vom letzten Jahr ähneln.

Und genau damit reißt mich Neumann mit, obwohl – oder gerade weil – ich sonst nichts von ihm weiß, außer seiner schier unendlichen Begeisterung für das Filmfest Oldenburg.

Jahr für Jahr, seit 23 Jahren. Und Neumann kann sich jedes Mal aufs Neue dafür – man kann fast schon sagen: aufopfern, so viel Zeit und Herzblut steckt er hinein.

Die neuen Plakate fürs OFF 2016

Die Filmfest-Plakate 2016

„Mehr Debütfilme denn je!“ – der Festivalleiter ist ganz außer sich, als er endlich bei den Programmhighlights angekommen ist. Nachdem er sich pflichtbewusst durch die Punkte Organisation und Sponsoren gequält hat, ist er jetzt voll in seinem Element: die Filme. Das Filmfestival Oldenburg ist dieses Jahr ein Fest der Anfänge, des Neuen, keinesfalls aber der Anfänger – dazu spricht der Cineast viel zu begeistert von den Erstlingswerken. Man merkt ihm an, dass die Filmauswahl eine sehr persönliche ist: Zu jedem Film weiß er etwas zu erzählen – „Some Beasts“ ist „sehr ungewöhnlich fürs amerikanische Kino“, „Métamorphoses“ feiert seine Deutschland-, „Les malheurs de Sophie“ sogar internationale Premiere, und „Das letzte Abteil“ ist ein Heimspiel, denn Regisseur Andreas Schaap ist Oldenburger. Ja, Torsten Neumann muss sich selbst zurückhalten (schafft es aber kaum), sonst würde die Pressekonferenz locker über vier Stunden gehen. Denn er redet gern – und viel – über die Filme, die er Mitte September zeigen wird.

Auffallend ist vor allem die Vorherrschaft internationaler Debütfilme. In Oldenburg gehe es weiter um „das Entdecken junger Talente“, so Neumann.

Dabei ist das keine Vorgabe für die Auswahljury, stellt er klar – aus mehr als 1000 eingereichten Filmen haben einfach überragend viele Erstlingswerke herausgestochen.

Egal ob man das Filmfest Oldenburg seit Kindesbeinen an kennt oder wie ich absoluter Neuling ist – wer einmal Torsten Neumann vom OFF sprechen hören hat, will dort hin. Nicht etwa, weil man plötzlich Ahnung von Film hat – sondern weil in ihm eine Begeisterung brennt, die ansteckt.

Text und Fotos: Phyllis Frieling

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