Internationalität und Erbsensuppe

– Interview mit Oberbürgermeister Gerd Schwandner –

Oldenburgs Oberbürgermeister Prof. Dr. Gerd Schwandner gilt als großer Fan des Internationalen Filmfestes. Warum eigentlich? offblogger hat nachgefragt.

Frage: Herr Schwandner, Sie waren schon vor acht Jahren auf dem 13. Internationalen Filmfest. Das fand damals kurz vor den OB-Wahlen statt. War der Besuch Teil der Kandidatur – oder echtes Interesse?

Gerd Schwandner: Nein, das war tatsächlich privat. Ich hab damals einige Filme gesehen – aber fragen Sie mich jetzt bitte nicht welche. Ich war auch bei der Eröffnung im Staatstheater. Und ich hab damals schon gedacht:

Mensch, hoffentlich wirst du OB – dann kannst du zu vielen Filmfesten gehen!

Ich erinnere mich auch noch an den Empfang nach der Closing Night im Altera. Zum einen, weil der direkt nach dem ersten Wahlgang war. Das hab ich mir trotzdem nicht entgehen lassen. Und zum anderen, weil da die Tatort-Kommissare aus Köln waren.  Mit denen konnte ich mich eine Weile unterhalten. Das fand ich einfach toll, weil ich eine sehr lange Tatort-Sehtradition habe.

Sie haben sich seitdem sehr für das Filmfest eingesetzt. Warum haben Sie das getan? Und sind Sie zufrieden mit der Entwicklung?

Schwandner: Das „Warum“ ist einfach zu beantworten: Weil das Filmfest für fünf Tage steht, an denen Oldenburg richtig internationale Luft atmet – und weil man als normaler Gast die Chance hat, in ungezwungenen Formaten mit Filmschaffenden ins Gespräch zu kommen. Oldenburg erreicht mit dem Filmfest internationales Publikum und Stars, die dann manchmal sogar Botschafter für uns werden – wie Seymour Cassell. Das ist für unser Image und unsere Außenwahrnehmung von unschätzbarem Wert. Wichtig ist das Festival aber auch für die eigene Bevölkerung. Oldenburg positioniert sich damit als eine kulturell spannende und damit attraktive Stadt. Das Filmfest ist cool, urban, smart, unabhängig, provokativ. Damit ist es eine perfekte Ergänzung zu unserem traditionellen Portfolio um Theater und Museen. – Und es ist ein unverzichtbarer Baustein für unsere Entwicklung in Richtung „kreativer Stadt“.

…und die Entwicklung?

Schwandner: Ich glaube, dass der Stellenwert des Filmfestes innerhalb der Stadt insgesamt ein höherer ist als früher.  Wir – als Verwaltung – haben für das Filmfest getan, was angesichts der politischen Verhältnisse und der Einsichtsfähigkeit einzelner möglich war. Mehr wäre schön gewesen – mehr ging aber nicht. Ich glaube aber schon – ohne meinen eigenen Anteil überschätzen zu wollen – dass wir auf einer symbolischen  Ebene dazu beigetragen haben, dass die Sichtbarkeit des Filmfests größer geworden ist.

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Sie wollen das nicht in den Mittelpunkt rücken, aber Ihre persönliche Unterstützung hat dabei sicher eine Rolle gespielt. Haben Sie schon mal daran gedacht, dass Ihre Nachfolgerin oder Ihr Nachfolger vielleicht kein großer Filmfan ist – und dadurch ein Problem für das Filmfest entstehen könnte?

Schwandner: Das hoffe ich nicht.  Ich glaube, dass das Filmfest inzwischen so boomt und so fest verankert ist – hier vor Ort und international – dass es auch ohne besondere Unterstützung funktionieren kann. Ich würde das nur nicht verstehen, denn als OB hat man auch große symbolische Verantwortung – und da kann man mit einer Präsenz auf dem Filmfest ein starkes Zeichen für intelligente Off- und Subkultur setzen. Ich finde, da muss man einfach hin. Auf der anderen Seite verstehe ich sowieso nicht, warum Politiker nicht viel öfter zu solchen Veranstaltungen gehen, weil sie einfach den eigenen Horizont erweitern. Da trifft man in der Regel Leute, die spannende Biographien haben und die interessante Geschichten erzählen können. Die haben politisch zwar durchaus mal gegensätzliche Ansichten – aber es macht doch nichts, sich mal mit anderen Standpunkten auseinanderzusetzen.

Dafür ist das Filmfest eine ideale Gelegenheit. Man erfährt was über die Welt – und muss dafür nicht mal aus Oldenburg raus. Das ist doch toll!

Über die Retrospektiven zum Beispiel bin ich immer wieder mit Regisseuren in Kontakt gekommen, die Filme gemacht haben, die biographisch für mich wichtig waren. Das galt sicherlich bei dem Film „Woodstock“ von Michael Wadleigh. Das galt aber auch für Radley Metzgers „Carmen, Baby“, in den ich mich damals als Schüler reingeschlichen hab. Mit 16, 17 oder so. Metzger hat mir deshalb sogar noch eine DVD geschenkt, das war eine tolle Geste. Aus heutiger Sicht kann ich mir den Film zwar kaum bis zum Ende ansehen – aber es ist einfach großartig, die Chance zu haben, mit solchen Regisseuren zu sprechen.

Das Filmfest kokettiert ja manchmal mit der vergleichsweise geringen Größe des Standorts Oldenburg. Hat Sie das als OB nicht auch mal gestört? Wer ist schon gern Provinz?

Schwandner: Nein, das passt schon – weil es Sinn für Ironie hat und weil man sich selbst auf die Schippe nimmt. Außerdem spielt die Größe ja keine Rolle bei der Qualität. Schauen Sie sich das Sundance Festival an, mit dem wir gern verglichen werden. Das ist irgendein Kaff in Utah, in the Middle of Nowhere. Aber jeder der „Film“ richtig schreiben kann, kennt das Festival. Generell sind ja viele Festivals – Berlin mal ausgenommen – eher in kleinen Städten angesiedelt. In Cannes ist abgesehen von einigen Messen und eben dem Filmfest auch nicht viel los. In Deauville oder Gijon ist es ganz ähnlich. Die kleinen Standorte bieten dafür ganz spezielle Möglichkeiten. Bei uns in Oldenburg gibt es zum Beispiel ein Format, das ist weltweit nicht zu schlagen:

Samstagmittag Erbseneintopf mit den Stars bei Monse. Das ist doch ein Knaller, das kann man gar nicht inszenieren!

Trotzdem werden Sie darauf in Zukunft vielleicht verzichten müssen. Dieses Filmfest ist Ihr letztes als Oberbürgermeister von Oldenburg. Ist das Kapitel damit abgeschlossen – oder kommen Sie wieder?

Schwandner: Also, wenn die Zeit es erlaubt – und der September wird in Zukunft entspannter sein als heute – dann bin ich dabei. Ich werde hier in Oldenburg sowieso noch möglichst viele kulturelle Veranstaltungen besuchen. Und das Filmfest ist ein perfekter Anlass, um nach Oldenburg zu kommen, Freunde zu besuchen und mit denen zusammen gute Filme zu sehen. Oder auch mal schlechte und sich darüber zu ärgern – das gehört dazu!

Interview: Thorsten Bruns
Fotos: Filmfest Oldenburg

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