„Jeder Film, der fertig wird, ist ein Wunder!“

– Ineke Hagedorn, Produzentin von „Meet me in Montenegro“, vergleicht die Produktion eines Films mit Planung und Realisation eines Filmfestivals –

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Im Gespräch: Produzentin Ineke Hagedorn mit OffBlogger Mathias Freese

Ineke Hagedorn hat vor 16 Jahren als Praktikantin für das Oldenburger Filmfest gearbeitet. Im Gespräch mit offblogger.de erzählt sie ihren Werdegang in dieser Zeit.

Frage: Ineke, du hast eines deiner ersten Praktika beim Filmfest Oldenburg gemacht, jetzt bist du mit deinem Kinofilm „Meet me in Montenegro“ Teil des Festivals. Schließt sich da ein Kreis?

Ineke Hakedorn: Absolut! Ich bin sehr glücklich, dass wir hier sind. Ich wollte unbedingt, dass der Film in Oldenburg läuft. Einen Freifahrtschein hatte ich aber nicht. Torsten Neumann hat gesagt: „Wenn ich den Film nicht mag, dann zeige ich ihn auch nicht.“ Aber er läuft hier, und das freut mich sehr.

Kannst du dich noch an deine ersten Erlebnisse in Oldenburg erinnern?

Hagedorn: Ja klar, das war, 1999. Es war mein zweites Praktikum – mein erstes war beim Filmfest Hamburg – und es war toll. Klasse fand ich natürlich, dass ich sehr viele Filme schauen konnte.

Das kann ich verstehen! Und was waren deine Aufgaben – außerhalb des Filme Schauens?

Hagedorn: Ich habe sehr schnell mit Pressearbeit angefangen – was mir auch sehr gefallen hat. Dabei ist schließlich eine Menge Filmwissen gefragt, damit man Journalisten etwas Gutes anbieten kann.

Hat dich das Festival beeinflusst?

Hagedorn: Ja, total! Während des Festivals wird man dann in gewisser Weise zum Hustler, weil sehr viel organisiert werden muss. Man wird da auch zum Erfinder.

So ein Festival ist ja auch eine Produktion – ähnlich wie ein Film.

Ich habe dabei vor allem gelernt, aus wenig viel zu machen.

In die Filmbranche wolltest du aber schon vorher?

Hagedorn: Ja. Ich habe Filme immer schon sehr geliebt. Torsten Neumann hat ja auch dieses innige Interesse für Filme. Das ist unglaublich schön. In meinem Umfeld in meiner Heimat Göttingen hat sich niemand so sehr für Filme interessiert. Klar haben die meisten gerne mal einen Film geguckt. Ich bin aber dreimal die Woche ins Kino gegangen – das war den anderen dann doch zuviel.

Heute bist du als gestandene Produzentin wieder in Oldenburg. Welche wichtigen Stationen hast du dazwischen durchlaufen?

Hagedorn: Ich habe fünf Jahre für das OFF gearbeitet. Danach habe ich Filmproduktion an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg studiert und anschließend zwei Jahre in New York gelebt. Dieser „Schwerpunkt Amerika“ kam mir sehr entgegen und hat mich persönlich weitergebracht. Danach habe ich lange als freie Producerin gearbeitet, aber auch als Produktionsleiterin und Produzentin.

Warum hast du dich für die Richtung Filmproduktion entschieden?

Hagedorn: Das Tolle am Produzentenjob ist, dass man eben von Anfang an mit dabei ist. So wie auch Torsten Neumann beim OFF: Jedes Festival ist ein neues Aufbauen, Finanzieren, Organisieren – er muss die einzelnen Puzzleteile zusammensetzen.

Jeder Film, der fertig wird, ist im Grunde ein Wunder.

Als Produzentin muss ich das auch alles managen können – und dazu noch kreativ sein, mit Geld umgehen, und überzeugen.

Das hast du also auch schon bei Torsten Neumann gelernt?

Hagedorn: Ja, ich glaube, ich habe mehr von Torsten mitbekommen, als mir im Moment einfallen würde. Zum Beispiel auch eine gewisse Wadenbeißermentalität. Für ein aktuelles Projekt habe ich ein Jahr daran gearbeitet, den Protagnisten für meinen Dokumentarfilm zu bekommen.

Was ist das für ein Projekt?

Hagedorn: Ein Niederländer, Boyan Slat, hat mit 18 Jahren ein System zur Reinigung der Weltmeere entwickelt. Wirklich spannend! Ich war schon immer gegen den vielen Müll und benutze seit der frühen Jugend keine Plastiktüten mehr. Ich bin schon immer mit Jutebeuteln herumgelaufen – früher fast als Einzige. Deshalb wollte ich den Film unbedingt machen!

Es hat geklappt?

Hagedorn: Ja. Der Film heißt „Der Junge und das Meer“ und läuft am 11. Oktober bei 3Sat. Es war ein hartes Stück Arbeit, aber er ist fertig.

Wenn man kein Geld hat, braucht man Zeit.

Bei „Meet me in Montenegro“ hat zum Beispiel der Schneideprozess sehr lange gedauert. Gedreht haben wir ihn schon vor vier Jahren.

Wir reden immer über das Festival – aber wie findest du denn die Stadt?

Hagedorn: Ich mag Oldenburg. Ich finde es schön, dass ich hier überall zu Fuß hingehen kann. In Berlin, wo ich jetzt wohne – übrigens hat Torsten Neumann gar nicht so weit entfernt auch eine Wohnung – ist alles viel weiter weg. Allerdings arbeitet man auf dem Filmfest auch fast rund um die Uhr, so dass man von der Stadt gar nicht so viel mitbekommt. Aber es ist wirklich schön hier. Ich komme sehr gerne wieder!

Ineke, vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Mathias Freese.
Foto: Claus Spitzer-Ewersmann

 

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