Karriere-Sprungbrett Filmfest

– Interview mit Produktionsleiterin Caroline Kirberg –

Caroline Kirberg hat 1999 ein Praktikum in der Presseabteilung des Oldenburger Filmfestes gemacht. In diesem Jahr kommt sie mit dem Eröffnungsfilm „Von jetzt an kein Zurück“ wieder, nun aber in der Rolle der Produktionsleiterin.

Frage: Caro, wolltest Du immer schon in die Filmbranche?

Caroline Kirberg: Ich habe als Jugendliche begonnen, mich für Film zu interessieren. Wir hatten in unserer Kleinstadt ein tolles Programmkino mit alten knarzenden Sesseln, in dem man Klassiker des Independent-Kino wie Scorseses „Taxi Driver“ sehen konnte. Nach dem Abi bin ich nach Berlin gegangen, um Filmwissenschaften zu studieren. Mein erstes längeres Praktikum war im Verleih Independent Partners, den Filmemacher RP Kahl zusammen mit Torsten Neumann führt.

Dort habe ich gelernt, welche Arbeit dahinter steckt, einen Film ins Kino zu bringen.

Danach wurde ich für die Presse-Abteilung vom Filmfest Oldenburg übernommen.

Was hat Dir das Praktikum hier gebracht?

Kirberg: Es hat mir einen weiteren interessanten Blick ins Film-Business gewährt: wie man Journalisten für unser Programm begeistert, so dass sie kommen und über die Filme und Veranstaltungen berichten. Und wie wichtig das ist – sowohl für das Filmfest selbst als auch für die Aufmerksamkeit, die ein Film braucht, um nach einem Festival ins Kino zu kommen. Zudem durfte ich in die Glamour-Welt des Festivals eintauchen, etwa indem ich den Hollywood-Schauspieler Matthew Modine, den ich aus Robert Altmans „Short Cuts“ kannte, durch die Stadt führen und bei seinen Interviews begleiten durfte. Darüber hinaus konnte ich wertvolle Kontakte für meine weitere Arbeit beim Film knüpfen.

Wie ging es danach weiter? Hast Du direkt den Einstieg in die Filmbranche geschafft?

Kirberg: Als Set-Runner oder Fahrerin habe ich die Strukturen an einem Filmset kennengelernt. Später war ich ein Jahr lang Projekt-Assistentin bei Wim Wenders‘ Filmproduktion „Road Movies“, ein wichtiger Job für mich. Mithilfe einer Filmförderung habe ich dann meinen ersten Kurzfilm produziert: „Cover“ in der Regie von Judith Angerbauer, der 2004 beim Filmfest Oldenburg gezeigt wurde. Der Kreis schließt sich also wieder! 2007 folgte „Luise ist 14“, bei dem ich auch selbst Regie geführt habe und der bei den Hofer Filmtagen uraufgeführt wurde. Inzwischen arbeite ich als Regisseurin und Produzentin für Spiel- und Dokumentarfilme mit besonderem künstlerischen Anspruch, wie „Das schlafende Mädchen“, der Premiere bei der Berlinale 2011 feierte.

Beim Eröffnungsfilm dieses Jahres hattest Du die Produktionsleitung inne. Was waren Deine Aufgaben?

Kirberg: Dass „Von jetzt an kein Zurück“ das diesjährige Filmfest eröffnet, ist echt toll!

Das war eine unglaublich spannende Produktion. Wir haben in Oldenburg auf dem Fliegerhorst, in der Kaserne Donnerschwee und der Dreifaltigkeitskirche gedreht.

Als Produktionsleiterin musste ich mich nach den Maßgaben des Produzenten Jost Hering zum Beispiel um die Organisation des Drehs kümmern und die Ausgaben kontrollieren. Ich denke, wir haben es trotz begrenzten Etats gut hinbekommen, das Team hat toll zusammengearbeitet. Ich habe bei solchen Drehs auch mit den Darstellern zu tun, insbesondere wenn Prominente wie Ben Becker und Erni Mangold dabei sind. Das war eine interessante und bereichernde Begegnung für mich, auch mit den tollen Nachwuchsschauspielern Victoria Schulz und Anton Spieker.

Wolltest Du nie auch mal vor die Kamera treten?

Kirberg: Den Wunsch, vor der Kamera zu stehen, hatte ich das letzte Mal mit sieben Jahren. Aber später hat mich immer mehr interessiert, wie man einen Film aus Bildern und Tönen baut, was man Interessantes damit anstellen kann.

Die Schauspielerei überlasse ich gerne denen, die dafür das richtige Talent haben.

Aber: Der Zufall will es, dass ich in fast all meinen Produktionen irgendwann mal als Komparsin durchs Bild laufe – zuletzt sogar mit einer kleinen Sprechrolle in Stephan Geenes „Umsonst“. Das hat Spaß gemacht, aber im Endeffekt ziehe ich lieber im Hintergrund meine Fäden.

Interview: Claus Spitzer-Ewersmann
Foto: Juccafilm

 

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