Keine Grenzen …

– Finito. Eine erste Bilanz zum Filmfest 2015 –

Das 22. Internationale Filmfest Oldenburg ist Geschichte. Ein guter Jahrgang, der aus vielerlei Gründen in Erinnerung bleiben wird. OffBlogger Claus Spitzer fasst zusammen, wie’s war.

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Gleich als zweifacher Sieger verließ Tom Sommerlatte am Sonntag die Bühne des Oldenburgischen Staatstheaters. Im großen Haus, für das vor allem die internationalen Gäste viele bewundernde und anerkennende Worte fanden, hatte sein Film „Im Sommer wohnt er unten“ mächtig abgeräumt. Der Berliner Regisseur erhielt mit seinem Erstling eine Nominierung für den renommierten „European Discovery 2015 – Prix FIPRESCI“ und wurde zudem mit dem Publikumspreis für den besten Film der Independent-Reihe des Festivals geehrt. Sommerlatte und sein Team nahmen beide Entscheidungen mit großer Freude zur Kenntnis. Auf die Frage, welche Auszeichnung ihm denn wichtiger sei, verweigerte der 30-Jährige allerdings schmunzelnd eine offizielle Antwort.

2015 wird, daran besteht kein Zweifel, als guter Jahrgang in die Festival-Annalen eingehen.

Es gab Überraschungshits wie Julien Temples „The Ecstasy of Wilko Johnson“ oder „I smile back“ von Adam Sulky, einen vielfach verstörenden Auftakt- und einen durchweg bezaubernden Abschlussfilm, höchst sympathische und faszinierend nahbare Gäste, rauschende Partys, wenig Pannen, aber viel Lob vom Publikum. Denn auch das zeigte 2015: Das Filmfest ist weiterhin sperrig und alles andere als glattgebügelt – aber es findet seinen Zuspruch. 15.000 Besucher waren am Ende in den Kinos, die Auslastung der meisten Spielstätten erstaunte die Beobachter. Oldenburg wird immer, daran lässt der diesmal erstaunlich entspannte Festivalleiter Torsten Neumann glücklicherweise nicht rütteln, das etwas andere und das etwas unkonventionellere Festival sein. Das sichert ihm seinen Platz auf der Landkarte, Lobeshymnen in Branchenkreisen und volle Säle zugleich.

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Oldenburg war in den vergangenen Tagen sehr international. Das tut der Stadt gut. Filmemacher aus vielen Ländern sorgten für ein hübsches Sprachengewirr und kamen spätestens bei ihrem Lieblingsthema – dem Film – wieder zusammen. Und selbst wenn sich ein Star wie Tribute-Gast Joanna Cassidy einmal in der Innenstadt verlief, wurde die günstige Gelegenheit zu einem kleinen Bummel genutzt. Verabredungen zu gemeinsamen Projekten wurden getroffen, Freundschaften geschlossen – und nebenbei auch ein Signal an all jene gesendet, die lieber unter sich verharren wollen und glauben, dies noch mit dumpfen Parolen hinausposaunen zu müssen. Die Filmwelt kennt weiterhin keine Grenzen.

Zurück zu Tom Sommerlatte und seinem Siegerfilm „Im Sommer wohnt er unten“. Dass trotz hochkarätiger internationaler Konkurrenz eine deutsche Produktion bei den Zuschauern am besten ankam, belegt neben der hohen Qualität einheimischer Filme auch, dass diese im Festivalprogramm wohl mehr Plätze vertragen könnten. Da der German Independence Award für den besten deutschen Film aus Budget-Gründen nicht mehr verliehen werden kann, scheint sich der Fokus des Festivals ein wenig verschoben zu haben. Der Preis hatte jedenfalls immer für exzellente deutsche Streifen beim Festival gesorgt.

Budget, Etat, Finanzen – man ist es langsam leid, immer wieder auf dieses Thema zu sprechen kommen zu müssen.

Die Größenordnung der städtischen Unterstützung (50.000 Euro) traf gerade bei den Gästen, die auch andere Filmfestivals kennen, einmal mehr auf Unverständnis.

„unbelievable“ war der in diesem Zusammenhang am häufigsten zu hörende Kommentar. Um es einmal klar zu sagen: Das durch die private Initiative u.a. von Torsten Neumann entstandene Filmfest ist ein 1a-Werbeträger für die Stadt Oldenburg. Ein besserer ist kaum denkbar. Es trägt den Namen dieser kleinen Stadt im Nordwesten Deutschlands hinaus in die Welt. Keine andere Veranstaltung schafft es, eine so große Resonanz zu erzeugen. Keine andere Veranstaltung schafft es, ähnlich viel Ideen, Inspirationen und Impulse in die Stadt zu holen. Und keine andere Veranstaltung schafft es … ach, lassen wir das. Alles, was an dieser Stelle zum Ausdruck gebracht werden könnte, wurde bereits gesagt.

Trotz allem und mit viel Freude: Auf ein Neues in 2016!

Text und Fotos: Claus Spitzer-Ewersmann

 

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