Kroatisches Doppel

– „Mord auf Vis“ und „Messer am Hals“ entführen uns ins malerische Split –

Horror im Urlaubsparadies – das ist wahrlich kein neuer Filmplot. Auf der Suche nach unverbrauchten Kulissen sind die nimmermüden Locationscouts inzwischen auch in Kroatien fündig geworden. Aber: Die beiden Krimis, „Mord auf Vis“ und „Messer am Hals“, überzeugen dank der großartigen Neda Rahmanian nicht nur durch den Ort des Geschehens.

Eins ist schon mal klar: Wer die Rolle der toughen Kommissarin Branka Maric mit Neda Rahmanian besetzt, hat bereits eine ganze Menge richtig gemacht. Wie schon in den ersten beiden Produktionen der Kroatien-Reihe überzeugt die gebürtige Iranerin mit einer enormen Präsenz. Sie ist smart und durchsetzungsstark zugleich und schreckt vor Hierarchien nicht zurück. Wenn die Leiterin der Mordkommission einen Weg als richtig erkannt hat, geht sie ihn – egal, ob steinig oder glatt asphaltiert. Angenehmer Nebeneffekt:

Durch Rahmanians großartiges Spiel gerät der Gedanke daran, den nächsten Urlaub vielleicht mal in Kroatien zu verbringen, mehr und mehr in den Hintergrund.

Mord auf Vis

Und das ist gut so, denn die Fälle, um die es hier geht, sind keineswegs leichte Kost – auch wenn man das bei TV-Produktionen oft erwartet. In „Mord auf Vis“ etwa geht es gleich richtig zur Sache. Ein aus Split stammender Antiquitätenhändler wird auf der Urlaubsinsel brutal ermordet. Branka und der lokale Polizeichef Jure Pokovic (Benjamin Sadler) ermitteln. Hängt die Tat mit dem plötzlichen Auftauchen von raren Münzen des faschistischen Ustascha-Regimes zusammen? Sie sind für Anhänger neofaschistischer Gruppen von hohem Wert. Und der tote Trödler gehörte ebenso wie ein weiteres Opfer diesen Kreisen an. Als sogar ein dritter Sammler auf Vis auftaucht, wird Branka Maric skeptisch: Geht es wirklich um die Münzen oder liegt den Morden ein ganz anderes Motiv zugrunde? Die Zweifel werden größer. Schließlich kommt sie einem grauenvollen, mehr als 20 Jahre zurückliegenden Verbrechen auf die Spur.

Messer am Hals

Auch „Messer am Hals“ bezieht seinen Reiz aus dem Zusammenspiel von Gegenwart und Vergangenheit. Dabei erweist sich das strahlende Heute nur als schöner Schein. Auf der Suche nach den Verbrechern, die auf Splits Bürgermeisterkandidaten Ivica Strugar (Dominic Raacke) ein – erfolgloses – Attentat unternommen haben, stößt Branka Maric auf dunkle Flecken in dessen Vorleben. Als junger Mann war der populistische Saubermann Aufseher in einem Waisenheim. Er soll die Kinder dort über lange Zeit grausam misshandelt haben. Doch Strugar streitet alle Vorwürfe nicht nur vehement ab, sondern nutzt sie sogar in seiner Wahlkampagne. Die Angelegenheit scheint im Sande zu verlaufen, da ändert der Mord an einem anderen Aufseher alles. Wurde ein Mitwisser beseitigt? Branka Maric nimmt die Fährte erneut auf und es entwickelt sich ein Zweikampf, der alle Grenzen sprengt.

Beide Produktionen gehen an die Nieren.

Je tiefer die Ermittler hier graben, desto abscheulicher wird das Geschehen. Regisseur Michael Kreindl versteht es geschickt, den von Christoph Darnstädt verfassten Drehbüchern die richtige Mischung aus Entsetzen, Neugier und Fassungslosigkeit einzuhauchen. Wenn es weiterhin gelingt, die Kroatien-Reihe auf diesem Niveau zu halten, dann lohnt es sich, keinen einzigen Film davon zu verpassen.

Text: Claus Spitzer-Ewersmann
Foto: Filmfest Oldenburg

Screenings von „Mord auf Vis“:
Fr., 15.9., 14 Uhr, JVA
So., 17.9., 16.30 Uhr, Exerzierhalle

Screenings von „Messer am Hals“:
Fr., 15.9., 194 Uhr, Exerzierhalle
Sa., 16.9., 14.30 Uhr, JVA

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