Kurzfilm mit Tiefgang

– Filmkritik zu „The Loyalist“ –

Verbergen sich wahre Schätze unter den Kurzfilmen? Meine klare Antwort: Ja! Der Kurzfilm „The Loyalist“ (Südkorea/USA, 2015) ist für mich eine echte Filmfest-Perle.

Ich muss gestehen, dass ich kein großer Krimi-Fan bin. Deshalb saß ich zunächst etwas demotiviert in der Vorstellung zum neuen Polizeiruf 110 mit dem Titel „Im Schatten“. Doch bevor der ARD-Krimi anfing, wurde der Kurzfilm „The Loyalist“ gezeigt. Ein Drama, in dem es um Familie, Tradition und patriarchale Unterdrückung geht und das mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Die ausdrucksstarken Bilder und die Kameraführung bauten von Beginn an Spannung auf.

Man sagt: Die kleinen Dinge im Leben sind oft die schönsten.
Ich sage: Die kurzen Filme beim Filmfest sind oft die besten.

Der Film spielt in Nordkorea. Einem Land, in dem die Treue zum totalitären Regime oberste Priorität hat. Ein nordkoreanischer General (Hyuk Poong Kwon) fährt in die Schweiz, um dort seine talentierte Tochter (Woorim Jung) von einem Schulinternat abzuholen. Die Tochter freut sich zunächst, ihren Vater wiederzusehen, und zeigt ihm offen ihre Gefühle – in einem totalitären Staat wie Nordkorea ist dafür aber kein Platz. Der Vater wirkt gegenüber seiner Tochter unterkühlt. Zunächst bringt er sie in eine abgelegene Jagdhütte. Dort will er testen, ob seine Tochter dem Vaterland nach wie vor loyal gegenübersteht.

DSC_1119Dem Zuschauer wird schnell klar, dass hiervon einiges abhängt, denn es geht um Leben und Tod für die beiden.

Loyal zu sich selbst  bleiben – nicht einfach in einem vom Totalitarismus geprägten Land.

Der Film transportiert sowohl die Angst, die die Tochter spürt, als auch die Hoffnung, dass sich die Dinge für sie zum Positiven wenden. Das hochtalentierte Mädchen träumt nämlich davon, dass Land zu verlassen und in Amerika Musik studieren zu können. Ihr ist dabei vollkommen bewusst, dass sie bei der Entscheidung, ihrer Heimat den Rücken zu kehren, nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Leben ihres Vaters riskiert.

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Auch der Vater versucht mit aller Macht seine Tochter wieder auf den „loyalen“ Kurs zurückzuführen. Doch das Mädchen hat sich längst für ein Leben in Freiheit entschieden. Hin und wieder macht es kurz den Anschein, als würde die harte Fassade des Vaters zu bröckeln beginnen, doch im nächsten Moment reagiert er wieder eiskalt. Man ahnt, dass „The Loyalist“ kein gutes Ende nehmen wird und dennoch ist das Finale überraschend und schockierend zugleich.

Die Co-Autorin Storm Garner stand den Zuschauern nach der Vorstellung ihres Films Rede und Antwort. Storm Garner war sehr daran interessiert zu erfahren, wie der Film beim Publikum angekommen ist.

Eine Zuschauerin sagte, sie hätte in „The Loyalist“ die Hoffnung vermisst.

Ihr dürfte gefallen haben, dass Storm Garner erzählte, sie würde an einer längeren Version des Films arbeiten, in der es wohl ein Happy End geben wird.

Wir werden es verfolgen.

Text: Melanie Schmidt
Fotos: Filmfest Oldenburg


Screening von „The Loyalist“ abgeschlossen

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