Leidenschaft Filmfest (1)

– Das Filmfest Oldenburg kann man jetzt ganzjährig unterstützen: durch eine Mitgliedschaft im offiziellen Förderverein –

Der Kopf hinter diesem Projekt gehört Kathrin Oertel, die acht Jahre lang (2003-2010) für die Organisationsleitung des Festivals verantwortlich war. Im ersten Teil des Gastbeitrags spricht Oertel über die Bedeutung des Filmfestes, ihre persönliche Motivation – und darüber, wie es sich anfühlt, im Auge eines Orkans zu arbeiten.

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Ist Filmfest-Fan, ehemalige Mitarbeitern und
Gründerin des Fördervereins: Kathrin Oertel,
hier mit Festivalleiter Torsten Neumann.

Mit dem Filmfest verbinde ich in erster Linie: pure Leidenschaft. Filmentdeckungen, die man nur auf einem Festival zu sehen bekommt; Weltpremieren erleben; Darstellern, Regisseuren, Produzenten näherkommen, Diskussionen anregen und Teil des einzigartigen Erlebnisses „Film“ sein. Fünf Tage verwandelt das Filmfest die Stadt in eine Hochburg des unkonventionellen,  teilweise überraschenden und einzigartigen Films. Internationales Flair, Jahr für Jahr! Der Zuschauer erlebt Momente des Festivals, die für immer im Gedächtnis bleiben.

Ich bin aber kein Cineast. Ich kann spontan keinen absoluten Lieblingsfilm nennen und kenne auch nicht jeden alten Klassiker beim Namen. Man darf mich auch nie in eine heiße Diskussion rund um Retrospektiven verwickeln – da habe ich große Defizite! Dabei ist es nicht so, dass ich kein Interesse am Film habe … aber in diesem Fall wohl einfach ein Gedächtnis wie ein Sieb!

Nach all den Jahren meiner Filmfestarbeit ist es kaum vorstellbar, dass ich nicht einen einzigen Film in einer regulären Vorstellung während des Festivals gesehen habe. Da war ich immer mehr im „Orga-Wahn“ gefangen!

Dennoch gibt es viele Highlights, an die ich mich gerne erinnere. Unvergessen ist die Weltpremiere „Reach for me“ im Staatstheater (2007) mit Standing Ovations und einem Seymour Cassel, dem die Tränen über die Wangen rollten. Da hätte ich gerne die Zeit angehalten, um diesen einzigartigen Moment noch etwas länger festhalten zu können…

Mit Leidenschaft für das Filmfest verbinde ich persönlich allerdings noch viel mehr … als „Insider“ erlebt man das Filmfest ja noch intensiver und stirbt tausend Tode sowohl im Vorfeld als auch während des Festivals. In fünf Tagen Filmfest stecken kaum mehr zählbare Arbeitsstunden bei Tag und bei Nacht … es ist manchmal kaum vorstellbar, wie man das aushalten kann.

Es klingt so selbstverständlich und wird munter beklatscht, dass wir als das drittbeste Herbstfestival gewertet werden … dabei ist das hart erarbeitet.

Im Vorfeld wird ein riesiger Organisationsapparat aufgebaut und glücklicherweise findet sich jedes Jahr ein Team, dass jede Minute in die Planung steckt und für ein paar Wochen nur für das Filmfest lebt. Das nenne ich z.B. echte (Filmfest-)Leidenschaft. Ich wurde oft ungläubig angeschaut und für verrückt erklärt … wenn es dunkel wurde und die Vorräte an Marlboro Lights, Cola light und Snickers wieder aufgefüllt werden mussten, um die Zeit bis zum Morgengrauen zu überstehen … wenn ich mein gesamtes soziales Umfeld missachtet habe… wenn ich für nichts und niemanden Zeit hatte … da heißt es dann schnell mal: Und wofür machst du das?

Die Antwort: Stolz, dass man es wieder mal geschafft hat! Freude, dass alles geklappt hat! Anerkennung für das, was das Team wieder einmal auf die Beine gestellt hat! Respekt vor der Leistung einzelner! Dieses erlösende Gefühl, wenn man tagelang die Daumen gedrückt hat und auf einmal nachts um 1 Uhr die Zusage für einen Film oder Gast bekommt! Die zufriedenen Gesichter der Gäste, die in fünf Tagen zu einer großen Filmfestfamilie zusammengewachsen sind! Die Liste lässt sich unendlich fortsetzen … bis hin zur Vorfreude auf das nächste Jahr, sobald der letzte Gast ins Flugzeug gestiegen ist.

Text: Kathrin Oertel
Foto: Kathrin Oertel

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