Licht aus – Spot an!

– Filmkritik zu „Dark“ von Nick Basile –

Der Trailer zum Film „Dark“ (USA 2015) verspricht einiges. Spannung, Horror, Psychodrama. Doch hält der Film, was die Vorschau andeutet?

Bevor ich mich dafür entschied, die Rezension zum Film „Dark“ zu schreiben, hatte ich mich im Netz informiert. Der Trailer war spannend, die Filmbeschreibungen waren es ebenfalls: Eine junge Frau wird mit ihren schlimmsten Ängsten konfrontiert, als sie während des größten Stromausfalls Nordamerikas im August 2003 alleine in einem New Yorker City Loft gefangen ist. „Wow. Klingt gut“, dachte ich…

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Die Hauptdarstellerin Kate (gespielt von Whitney Able), ein Ex-Model um die 30, ist frisch zu ihrer Freundin Leah nach Brooklyn gezogen. Kate arbeitet als Yoga-Lehrerin und kann nicht wirklich Fuß in ihrer neuen Heimat fassen. Die Beziehung zu Leah (Alexandra Breckenridge) schwächelt, was das Einleben nicht leichter macht. Ausgerechnet an dem Wochenende, an dem Nordamerika den heftigsten Stromausfall aller Zeiten erlebt, bricht Leah über das Wochenende zu ihren Eltern auf. Kate bleibt allein im Loft zurück.

Kate ist ein Charakter, der sehr auf sich selbst fokussiert ist. Sie ist ein labiler Mensch, und der Film zeigt immer wieder Rückblicke auf ihre dramatische und selbstzerstörerische Vergangenheit.

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Der Stromausfall setzte damals gegen 16:11 Uhr ein. Es ist also noch taghell, als Kate genau in dem Moment unterwegs ist, um eine Rolle Küchenpapier zu kaufen. Als sie den Stromausfall bemerkt, schaut sie etwas irritiert. Erst recht, als auch noch die Ampelschaltung aussetzt. Zu Hause angekommen, funktioniert der Fahrstuhl zum Loft nicht. Kate läuft also mit ihrer Handytaschenlampe durch das dunkle Treppenhaus nach oben zur Wohnung. Ängstlich zuckt die anfänglich tough wirkende Kate bei den kleinsten Geräuschen zusammen. Mich dagegen lässt eher die Stille im Haus schaudern. Denn die Szene spielt im Treppenhaus eines alten, riesigen Gebäudes mitten in Brooklyn. Dort sollte es vor Geräuschen nur so wimmeln. Aber trotz Stromausfall herrscht kein Tumult sondern nahezu vollkommene Stille. Und Kate ist ganz alleine unterwegs.

Zurück im Appartement klopft es an der Tür. Ein ziemlich stoned wirkender Typ stellt sich als ihr Nachbar vor. Kate unterhält sich kurz mit ihm, und man merkt ihr schnell an, dass der Kerl ihr unangenehm ist. Nachdem sie ihn abgewimmelt hat, ist Kate wieder alleine mit sich und ihrer Welt.

Nun kann der Zuschauer beobachten, wie sich die Protagonistin im Loft die Zeit  vertreibt. Kate schwelgt in Erinnerungen an schönere Tage mit ihrer Leah und knipst Fotos von sich mit Stativ und Selbstauslöser. Dann, als es dunkel wird, wird es Kate wohl drinnen zu langweilig. Sie schmeißt sich in ein heißes Outfit, trinkt sich Mut an und verlässt ihr Appartement. Mit einer Taschenlampe bewaffnet zieht sie durch das dunkle Viertel und landet schließlich in einem Club. Hier nimmt der Film zum ersten Mal Fahrt auf, was dem Auftritt von Michael Eklund zu verdanken ist. Der „Bates Motel“-Darsteller weiß, was zu tun ist, um eine gewisse Spannung aufzubauen. Für mich beginnt hier der stärkste Part des Films. Whitney Able und Michael Eklund harmonieren einfach gut miteinander und können in dieser Szene ihre schauspielerischen Qualitäten voll unter Beweis stellen.

Der Zuschauer erwartet regelrecht eine Wendung in dem bisher langatmigen Thriller. Aber gibt es die?

Nicht wirklich. Kate stolpert volltrunken und verloren durch die Nacht zurück in ihr Loft. Vorhin noch selbstbewusst agierend zwischen all den Fremden überkommt sie nun wieder die Angst. Für mich als Zuschauerin nicht nachvollziehbar. Auch als der zugekiffte Nachbar John, von dem sich Kate bedroht fühlt, die Bühne erneut betritt und in ihrer Wohnung plötzlich urinieren muss, berührt mich der Film nicht. Im Gegenteil: Er lässt mich ziemlich kalt.

In den letzten 20 Minuten folgen ein paar Aneinanderreihungen merkwürdiger Szenen. Schaudern tut es mich immer noch nicht. Es sieht für mich leider nur lustig aus, wie Kate die Feuerleiter heruntersteigt und in Abständen Blitzlichtfotos mit der Kamera schießt. Es ist im Film einfach zu hell für „Dark“. Geschuldet ist dies vermutlich dem geringen Budget für die Filmproduktion? Nun, das Ende des Films ist nett inszeniert, aber in meinen Augen vorhersehbar.

Fazit:

Hatte ich zu hohe Erwartungen an den Film? Oder habe ich mich zu wenig mit der Hauptfigur identifizieren können? Der Co-Autor Elias spricht jedenfalls in einem Interview auf Vimeo davon, dass er nie zuvor über eine Frau als Hauptcharakter geschrieben habe. In „Dark“ wollte Elias beschreiben, wie er sich als Frau gefühlt hätte, wäre er an Kates Stelle gewesen. Nun denn. „Dark“ hat bei mir leider nicht funktioniert. Was aber keinen davon abhalten sollte, sich den Film selbst anzuschauen. Auf empörte oder zustimmende Kommentare bin ich gespannt.

Text: Melanie Schmidt
Fotos: Filmfest Oldenburg


Screenings von „Dark“:
Sa., 19.9., 21.30 Uhr, Exerzierhalle
So., 20.9., 14.30 Uhr, theater hof/19

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