Licht und Schatten im Tal der Gewalt

–  Meinungsduell zu „In a Valley of Violence“

Mit „In a Valley of Violence“ ist auch das Western-Genre auf dem Oldenburger Filmfest vertreten. Die Handlung ist denkbar einfach gehalten: Der Deserteur Paul (Ethan Hawke) kämpft im kargen Westen ums Überleben und gerät zufällig an die streitlustigen Bewohner des Örtchens Denton. Als diese ihn eines Nachts überfallen und seine treue Hündin Abby vor seinen Augen ermorden, schwört Paul grausame Rache.

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Vor dem Film: Mona kann ihr Glück durchaus noch fassen, Moritz freut sich auf Piu-Piu-Schießduelle!

Die beiden Offblogger Mona und Moritz haben den Film gemeinsam angeschaut und jeweils ihr persönliches Fazit gezogen!

Moritz: Mein Film des Festivals!

Gestern habe ich meinen persönlichen Film des Festivals gesehen: „In a Valley of Violence“ hat mich sofort gepackt und bis zum Ende nicht mehr losgelassen. Von der ersten Minute an habe ich mich in der hervorragend inszenierten Landschaft verloren und die unberechenbaren, oft witzigen Dialoge gepackt verfolgt. Der Film lebt vor allem von seinem hervorragenden Cast: Stars wie Ethan Hawke, John Travolta oder der aus Nolans Batman-Trilogie bekannte Burn Gorman haben ihre zuweilen leider etwas eindimensional angelegten Rollen charaktervoll interpretiert und der etwas flachen Rache-Geschichte Spannung verliehen.

Insgeheim war ich eigentlich sogar dankbar, mal wieder einen eben nicht zigfach verworrenen, sondern auf das Wesentliche reduzierten Handlungsstrang verfolgen zu dürfen. Absolutes Highlight in „A Valley of Violence“ ist ein dermaßen liebenswerter Hund, dass sogar alteingesessene Beethoven-Fans diesen Western lieben würden – allerdings nur so lange, bis der Film seinem Namen alle Ehre macht: Der entsetzte Aufschrei im vollbesetzten Kino hat die perfekte Soundkulisse für den grausamen Mord an der niedlichen Hündin geschaffen – für solch emotionale Momente gehe ich gerne ins Kino!

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Nach dem Film: Mona freut sich, dass der blöde Jungsfilm endlich vorbei ist, Moritz will noch gar nicht ins Bett. #nofilterneeded

Mona: Aus mir wird kein Cowgirl mehr!

Ich und Western. Das ist keine innige Freundschaft. So oft verfolgt das Genre immer demselben langweilige Schema: Ein fremder, mysteriöser Typ reitet in die verstaubte Kleinstadt, legt sich mit ein paar Testosteron-gesteuerten Dorfdeppen und einem gealterten Sheriff an und verliebt sich in das hübsche Mädchen. Flache Story und öde Prärie. „In a Valley of Violence“ ist da leider keine Ausnahme. Ethan Hawke reitet mit seinem Hund ins Dorf, haut dem Sohn von John Travolta eins auf die Nase, dieser will das Ganze nicht auf sich sitzen lassen und rächt sich, indem er seinen Hund umbringt, wiederum will Ethan sich rächen, bringt alle bösen Leute um und landet in den Armen der schwer verliebten Gaststättendame.

Keine Überraschungen, keine tiefgreifenden Handlungsstränge. Und das alles in einer Umgebung, die mich eher an die Plastik-Cowboykulisse des Freizeitparks Fort Fun im Sauerland erinnert, als an den wirklichen Wilden Westen. Einzige Lichtblicke für mich sind die überzeugenden Schauspielleistungen von Hawke und Travolta und die teils grandiosen Dialoge, die mich hier und da doch zum Schmunzeln gebracht haben. Ich bleibe wohl dabei: Im Westen nichts Neues. Ich war froh, als ich das Kino verlassen durfte. Letztendlich werde ich wohl nie ein richtiges Cowgirl.

Text und Fotos: Ramona Walter & Moritz Lenz
Screening von „In a Valley of Violence“:
So., 18.09., 16.30 Uhr, Casablanca

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