Lustig nach Lehrbuch

– Mit „Stille Nächte“ beginnt die Vorweihnachtszeit

Falsches Leben im echten: Matthias Koeberlin und Katharina Schüttler in "Stille Nächte"

Lebkuchen und Spekulatius liegen schon wieder im Supermarkt bereit, der Radio- DJ sucht bereits nach der „Last Christmas“-CD. Da wird es Zeit für den ersten Weihnachtsfilm. Aber ganz ehrlich: „Stille Nächte“ muss das nicht unbedingt sein.

Wenn die Liebe gefriert oder zerbricht, dann gerät einiges durcheinander. So auch bei Rita (Katharina Schüttler) und Georg (Matthias Koeberlin). Die hatten es schon in guten Zeiten nicht besonders genau mit der Wahrheit genommen. Warum sollte sich das in schlechten ändern? Also spielen sie seinen Eltern (glänzend: Katharina Thalbach und Hans Zischler) um des lieben Weihnachtsfriedens willen das weiterhin glückliche Paar vor – nicht ahnend, dass die längst Lunte gerochen und sowieso mit ihren eigenen Problemen genug zu tun haben.

Die Wahrheit liegt unterm Tannenbaum.

Das ist lustig nach Lehrbuch. Mehr aber auch nicht. Horst Sczerbas Komödie „Stille Nächte“ nimmt anfangs ordentlich Fahrt auf, was bei dieser Sahne-Besetzung nicht erstaunt. Das ganze Rumgeeier trägt eine Weile durchaus vergnügliche Züge, mit dem Wortwitz kann man sich anfreunden. Dann aber geht es eher mühselig als heiter weiter. Die Story verliert die Linie und fliegt krachend aus der Kurve.

Zwischenmenschliche Kommunikationsstörungen sind im Film stets gern gesehen.

Missverständnisse sorgen für gute Laune beim Zuschauer, auch wenn sie gelegentlich kalkuliert wirken und vorhersehbar erscheinen. Es gibt viele Menschen, die sich daran nicht weiter stören, weil es eben schlichtweg um Entertainment geht. Und womöglich muss man bei einem Weihnachtsstreifen sowieso beide Augen zudrücken. Rund um die heiligen Tage gelten auch für den Film andere Regeln.

Aber bei aller Milde und Gnade: „Stille Nächte“ bleibt trotz einer gewissen Grundsympathie, die man der Produktion entgegen bringen kann, eher bieder unterhaltende TV-Ware. In einem Programm, das die Fahne des unabhängigen Filmschaffens hoch hält, gehört sie zur kleinen Fraktion der Fremdkörper.

Text: Claus Spitzer-Ewersman
Foto: Filmfest Oldenburg


Screenings von Stille Nächte“:
Fr., 12.9., 19 Uhr, EWE Forum Alte Fleiwa
Sa., 13.9., 16.30 Uhr, JVA

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