Nach der Zivilisation

– Filmkritik zu „Crumbs“ –

In „Crumbs“ (Spanien/Äthiopien, 2015) zeichnet Regisseur Miguel Llansó eine wirklich beängstigende Dystopie. Nach einem vernichtenden Krieg ist alles kaputt, nur wenige Menschen haben überlebt. Aber sie leben in Armut und Angst vor einem riesigen Raumschiff, das seit Jahren am Himmel schwebt, und richten Gebete an einen Gott, der sie aus dem Elend herausholen möge.

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Llansó geht in „Crumbs“ davon aus, dass nach dem Zusammenbruch der Zivilisation einiges so sein wird wie vor der Zivilisation – oder zumindest so ähnlich. Es gibt keine Technik – bis auf das beängstigende Raumschiff. Der Fokus der Protagonisten liegt auf dem Überleben und dem Hoffen auf eine bessere Welt. Wegen der eigenen Machtlosigkeit soll dabei aber eine höhere Instanz helfen. So haben sie einen kleinen Altar im Garten – auf dem jedoch kein Jesuskreuz steht, sondern eher pop- als hochkulturelle Überbleibsel wie Bowling-Pins, Cola-Flaschen und ein Bild von Ex-NBA-Star Michael Jordan zu finden sind.

Der Filmheld, der von seiner Lebensgefährtin „My Candy“ genannt wird, hat den Traum, zu seinem Heimatplaneten „Nebulae“ zurückzukehren. Als eine längst kaputte Bowlingbahn auf einmal von selbst anfängt, wieder Kugeln auszuspucken, macht er sich auf den Weg zu Santa Claus, der ihm dabei helfen soll. Bei ihm angekommen bleibt Candy der Wunsch jedoch aus bürokratischen Gründen verwehrt. Als er das nicht akzeptieren will, schlägt Santa ihn mit einem Motorrad nieder. Candy setzt seine letzte Hoffnung auf Superman. Aber kann er helfen?

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Bisher haben sich alle Relikte aus der „präapokalytischen Ära“, die alle ein klassisches Sinnbild für US-amerikanische Konsumgesellschaft sind – das Jordan-Bild, Bowling-Pins, Cola, Santa Claus –, als leere Hoffnung erwiesen. Sie bringen keine Besserung. Im Gegenteil.

Mein Fazit

Llansó hat einen wirklich sehenswerten Film geschaffen, auf den man sich aber einlassen (können) muss. Er hat faszinierende Landschaftsbilder zusammengestellt und darin zahlreiche Momente zum Schmunzeln eingebaut, die sich über den Film hinweg zu einer gewaltigen Sozialkritik auftürmen. Untermalt wird das Ganze durch ein permanentes, gruseliges Hintergrundgeräusch, das aus dem Raumschiff zu kommen scheint und den Filmfiguren sowie sicher auch manchem Zuschauer (bewusst) die Nerven raubt.

Text: Mathias Freese
Bilder: Filmfest Oldenburg


Screenings  von „Crumbs“:
Do., 17.9., 21.30 Uhr, Casablanca
Fr., 18.9., 16.30 Uhr, Cine k

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