Nachts sind alle Katzen bunt

– Filmkritik zu „She’s allergic to cats“ –

Kennst du „Keyboard Cat“? Nein? Dann such genau danach zuerst bei YouTube, bevor du weiterliest. Ja? Dann hast du eine ungefähre Vorstellung, was dich bei „She’s allergic to cats“ erwarten wird.

Auf der Suche nach Informationen zu diesem Film stieß ich in einem einzigen Satz auf gleich drei Genres, die bedient werden sollen: Romance, Horror, Comedy. Das geht nicht – denkt man. Aber genau diese Beschreibung bringt die Arbeit von Regisseur Michael Reich auf den Punkt. „She’s allergic to cats“ lässt sich nicht einordnen, in keine Schublade stecken und schon gar nicht mit einem Genre beschreiben.

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Katzen – sie faszinieren den Hauptdarsteller Michael Pinkney und sind die Stars seiner Filme.


Hollywood: Hier spielt der Film. Ein Ort, über den Nicolas Cage einmal sagte: „Hollywood wusste nicht, ob ich ein Schauspieler oder ein Irrer war.“ Und genau das beschreibt auch Michael Pinkney, Hauptdarsteller in „She’s allergic to cats“. Er ist Hundefrisör. Doch nicht im schillernden Hollywood. Dem Zuschauer wird eine besondere Variante der berühmten Redewendung präsentiert: vom Tellerwäscher zum Hundefriseur. Mit großen Ambitionen gestartet, kürzt Michael nun Krallen.

Schlaksig, eine kleine Plauze, das ausgewaschene Jackett viel zu weit an den Schultern. Seine Nachbarn haben Sex, er hat Chips.

Der alte Ford springt nicht richtig an, Ratten leben in Michaels Wohnung und insgesamt wirken viele Szenen wie ein Making Of von „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Dabei will Michael Filme machen. Kreativ sein. Menstruierende Katzen zum Beispiel oder eine Hommage mit Tieren als Schauspieler auf Klassiker von Stephen King, das ist es was er sich vorstellt. „Making weird video art that nobody wants to watch“, wie er sein Schaffen beschreibt.

Einen Produzenten hat er auch. Sebastian, gespielt von Flula Borg, einem deutschen YouTuber und Schauspieler, der in den USA lebt. Sein Akzent? Schön, schrecklich und herrlich deutsch. Sebastian bringt es auf den Punkt: „You’re a giant, sad, dirty man baby“ und ja, das ist es, was Michael verkörpert.

Weiterer Teil der Besetzung ist Sonja Kinski. Genau, das ist die Enkelin von Klaus Kinski. Als Cora, eine Bekanntschaft von Michael, bringt sie die Schönheit und die Besessenheit in den Film, lässt den Zuschauer zweifeln zwischen Zeit- und Raumebenen, Wahnsinn und Realität. „She’s allergic to cats“ ist ein Experiment aus Schnitten, Farben, Musik – und Tieren. Ein Experiment, das manchmal glückt, indem es das Publikum mitreißt, abstößt, zum Lachen bringt und den Horror einer geistigen Verwirrung spüren lässt.

Ein Versuch, der manchmal scheitert, weil es schlichtweg zu billig wirkt, ganz so, als hätte Michael Reich sich zu viel Cat Content auf YouTube angeschaut.

Solltest du den Film schauen, wenn du auf der Suche nach einem guten Horrorfilm bist? Nein. Solltest du dich in eine Vorstellung setzen, wenn du eine romantische Komödie sehen willst? Definitiv nein. Aber wer sich auf etwas Neues einlassen will, auf genau diese Mischung aus Comedy, Horror und experimentellem Film, der findet in „She’s allergic to cats“ was er sucht.

Bleibt nur noch zu fragen: Bist du ein Katzen- oder Hundemensch?

Text: Mareike Schulz 
Foto: Filmfest Oldenburg

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