Nun aber wirklich: Von jetzt an kein Zurück!

– Das Filmfest Oldenburg endet mit glücklichen
Menschen auf der Bühne des Staatstheaters –

Viktoria Schulz - überglücklich mit ihrem Ehrenpreis

Victoria Schulz – überglücklich mit
ihrem Ehrenpreis

An seinem Schlusstag fuhr das Oldenburger Filmfest noch einmal richtig auf. Insbesondere die Preisverleihung im Staatstheater zeigte, warum das Festival gleichermaßen groß- und einzigartig ist. Eine Gewinnerin zeigte sich sogar zu Tränen gerührt.

Viele Filmfestivals, selbst kleine, definieren sich über Preise. Die beste Hauptrolle wird ausgezeichnet, der beste Film sowieso, die beeindruckendste Darstellung, vielleicht auch noch das lustigste Tier im Film. Man mag das als jemand, der – wenn überhaupt – einfach nur im Kino sitzen und spannende Geschichten sehen möchte, für mehr oder weniger überflüssig halten. Auch das Filmfest Oldenburg hat sich lange Zeit als „non-competetive festival“ verstanden, also als Veranstaltung ohne Wettbewerb. Das ist es heute nicht mehr. Und das ist gut so!

Als Gast der Abschlussgala im Oldenburgischen Staatstheater konnte man sehen, warum.

Da wurde mit „Hany“ ein Film aus Tschechien zum besten Independent-Streifen des Festivals gekürt, den offblogger Thorsten Bruns schlicht und berechtigt als „fantastisch“ zusammenfasste. Die beiden kreativen Köpfe hinter der Produktion konnten ihr Glück bei der Preisverleihung kaum fassen. „Wir haben noch nie irgendetwas gewonnen“, bekannten sie. Ebenso aus dem Häuschen war Victoria Schulz, die die dreiköpfige Jury für ihre unglaublich intensive Leistung in „Von jetzt an kein Zurück“ mit dem „Seymour Cassel Award“ für eine „Outstanding Performance“ auszeichnete. Sie bedankte sich auf der Bühne unter Freudentränen und nach den richtigen Worten ringend dafür, von Regisseur Christian Frosch für die Rolle ausgewählt worden zu sein. „Er hat mir die Chance gegeben, richtig gut zu werden, deshalb widme ich den Preis allen Jungschauspielern, die auf diese Chance warten.“

Der Blick in das glückliche Gesicht von Victoria Schulz hat genügt, um die Bedeutung von Festivals und auch von Preisen zu erkennen.

Gerade für den Filmnachwuchs sind diese Auszeichnungen äußerst wichtig. Sie sind Ansporn und Anerkennung zugleich und eine Bestätigung, dass der bisherige Weg richtig war, und es sich lohnt, weitere Schritte darauf zu machen. Oldenburg hat – sowohl das Publikum bei „Hany“, als auch die Jury bei Viktoria Schulz – hier die richtigen Signale gesetzt.

Neumann

Torsten Neumann blickte bei der Preisverleihung
auf ein erfolgreiches Festival zurück.

Insgesamt betrachtet war das diesjährige Filmfest von einer äußerst positiven Grundstimmung geprägt. Gäste, Team und Publikum haben ihr Festival sichtlich genossen. Die Filme waren kenntnisreich ausgesucht, die Spielstätten gut besucht, die Diskussionen spannend, die Partys lang, meist feucht und immer fröhlich. Oldenburg hat seinen Ruf als „outstanding“ Festival-Standort einmal mehr bestätigt.

Für das kommende Jahr bleibt die Hoffnung, dass sich in Wirtschaft und Politik wieder mehr Verantwortung tragende Menschen mit Weitblick finden, die den Wert des Festivals für die Stadt und seine Bewohner richtig einschätzen und ihm auch die verdiente finanzielle Unterstützung zukommen lassen.

Der neu gegründete Förderverein ist darüber hinaus ein guter Ansatz. Mehr aber auch nicht. Denn die lokale Politik sollte nicht glauben, dass sie damit aus der Verantwortung gelassen wird. Ein Zurück zu den Anfangstagen, als man sich Preisverleihungen schlicht nicht leisten konnte, darf es nicht geben. Das wäre die Kapitulation vor dem Biederen, dem Langweiligen und dem Einfallslosen.

Text: Claus Spitzer-Ewersmann
Fotos: Lawrence Diederich

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