Qualität, Relevanz, Nachhaltigkeit

– Interview mit dem Bereichsleiter Film- und Medienförderung der nordmedia GmbH Jochen Coldewey –

coldeweyDie nordmedia gehört zu den wichtigsten Partnern des Internationalen Filmfestes Oldenburg. Seit vielen Jahren unterstützt die Gesellschaft das Festival finanziell. Warum das so ist und warum das so bleibt, verrät uns Jochen Coldewey.

Frage: Herr Coldewey, die nordmedia ist die zentrale Medien-Fördereinrichtung für Niedersachsen und Bremen. Das ist ein weites Feld. Welche Rolle spielen dabei Festivals?

Jochen Coldewey: Die nordmedia fördert das gesamte Spektrum der Filmproduktion  vom Drehbuch und der Projektentwicklung über die eigentliche Produktion von Kino- und Fernsehfilmen aller Genres bis hin zum Abspiel und dem Verleih und Vertrieb von Filmen. Unterstützt werden auch Investitionen, z.B. für die Errichtung und Renovierung sowie die Digitalisierung von Kinos, und seit einigen Jahren betreiben wir zusätzlich auch die Förderung von Games. In diesem vielfältigen Förderkanon spielt die Festivalförderung eine wichtige Rolle. Der Grund:  

Filmfestivals sind sowohl unter kulturellen als auch wirtschaftlichen Aspekten von besonderer Bedeutung. Sie bereichern das filmkulturelle Angebot, sie stärken die Medienkompetenz, stiften regionale Identitäten und tragen zur Bildung, Qualifizierung und auch Beschäftigung bei.

Filmfestivals bieten der Stadt und der Region ein außergewöhnliches kulturelles Ereignis, oftmals sogar mit internationalem Flair und Glamour etwa bei Preisverleihungen und Premieren sowie den Austausch mit Filmschaffenden und Einblicke in relevante Themen und andere Kulturen.

Das Filmfest Oldenburg hat sich dem Independent-Kino verschrieben. Was ist das Besondere an diesem Bereich? 

Coldewey: Festivals sind mittlerweile  auch ein wichtiger Marktplatz neben der  Kinoauswertung. Hier werden vor allem Filme präsentiert, die jenseits der kommerziellen  Erfordernisse des Kinos überhaupt nur (noch) auf Festivals ein Forum finden. Die  Festivals bieten daher z.T. aufwändige Filmreihen und Retrospektiven, Ausstellungen und Rahmenprogramme, Gespräche mit Filmemachern und Darstellern oder auch spezielle Aktionen bspw. für Kinder und Jugendliche.

Da es neben Cannes, Venedig, der Berlinale und Toronto noch gut 4.000 weitere Festivals gibt, konkurrieren diese auch untereinander um Filme und Filmpremieren, um Gäste und Besucher.  Viele Festivals haben sich spezialisiert, haben ein eigenes Profil entwickelt und manchmal sogar eine Marke geschaffen. Dazu gehört Oldenburg.

Und worin liegen die Qualitäten dieses Festivals?

Die Programmauswahl ist sehr speziell und subjektiv. Die Independent Filme haben alle ein überschaubares Budget aber eine unübersehbare eigene Handschrift. Sie heben sich ab vom großen Rest des Filmangebots, das der Festivalleitung jährlich zur Auswahl steht.

Das Filmfest Oldenburg präsentiert das unabhängige Filmschaffen wie kaum ein anderes Festival. Es hebt die Filme und Produzenten, Regisseure und Darsteller/innen heraus, macht sie zu etwas Besonderem und öffnet Kommunikationsräume. Ich denke, sehr viele Filme, die in den letzten Jahren in Oldenburg gezeigt wurden, konnte man nur hier sehen, sie sind danach nicht ins deutsche Kino gekommen. Gleichwohl waren das Filme von hoher Qualität, mit einer speziellen Ästhetik und einer persönlichen Handschrift. Einige Filme hatten aber auch in Oldenburg ihre Premiere und haben danach überall Preise abgeräumt. 

Das Filmfest Oldenburg hat zudem ungewöhnliche Spielorte, wie etwa die Justizvollzugsanstalt, das ist sicher einmalig.

Momentan ist die Haushaltslage der Länder vergleichsweise gut. Es gab aber auch schon andere Zeiten. Wie groß ist das Verständnis, wenn Sie ein Indie-Film-Festival in Oldenburg fördern möchten, während überall das Geld fehlt? Und warum ist es dann trotzdem wichtig?

Coldewey: Festivals, die den Ansprüchen von Qualität, Relevanz und Nachhaltigkeit genügen, verdienen die Unterstützung aus öffentlichen Haushalten. Auf Landesebene werden hierzu in Niedersachsen und Bremen auf Antrag Fördermittel durch die nordmedia vergeben, die neben kommunalen Mitteln, ggf. Europa- und Bundesmitteln sowie Sponsorenbeiträgen und Eintrittsgeldern einen wichtigen Finanzierungsbaustein für die z.T. doch recht kostenintensiven Veranstaltungen darstellen.

Die Zentrale der nordmedia in Hannover

Die Zentrale der nordmedia in Hannover

Dabei hat sich Niedersachsen für eine regionale und thematische Vielfalt entschieden. Die geförderten Festivals finden in Emden, Oldenburg, Osnabrück, Hannover und Göttingen statt. Sie bieten unterschiedliche Schwerpunkte mit jeweils eigenen Profilen, das Filmfest Oldenburg hat den Schwerpunkt Independent Film und dabei quasi das Alleinstellungsmerkmal US-amerikanischer Filme, während z.B. Emden sehr stark den Britischen Film präsentiert.  

Das Filmfest in Oldenburg hat sich dank eines sehr geschickten internationalen  Marketings und einer sehr guten Programmgestaltung als ‚Sundance in Europe‘ positioniert – was auch in der internationalen Fachpresse entsprechend aufgenommen wird. 

Das Filmfest Oldenburg ist ein kultureller Leuchtturm in Niedersachsen mit einer hohen Strahl – und Anziehungskraft.

Das kulturelle Angebot dieser Festivals ist vielfältig und hochkonzentriert. Hier kann man in wenigen Tagen sehr viel über das Kino und das Leben lernen. 

Oldenburg kämpft ja einen eigenen Kampf um Unterstützung vor Ort. Man hätte gern mehr, als man bekommt. Registrieren Sie das? Und hat das Auswirkungen auf die Bewertung durch nordmedia?

Coldewey: Das registrieren wir leider Jahr für Jahr. Dabei wird meines Erachtens viel zu viel Energie verschwendet, die besser ins Festival selbst gesteckt werden sollte. Eine jährliche Großveranstaltung wie das Filmfest Oldenburg braucht eine gewisse Planungssicherheit und verlässliche Partner.

Das Gespräch führte Thorsten Bruns.
Fotos: nordmedia GmbH

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