Sieben auf einen Streich

– Die OffBlogger über ihre faszinierendsten Festivalmomente –

Fünf Tage Festival, unzählige Stunden Vorbereitung, Begegnungen, Gespräche und unvergessliche Momente – sieben OffBlogger stürzten sich in der vergangenen Woche ins pralle Filmfest-Leben. Das Schlafdefizit wurde durch alles aufgewogen, was das Leben schön macht. Mit der kleinen Sammlung unserer persönlichen Eindrücke verabschieden wir uns – wenn es nach uns geht: bis spätestens Anfang September 2016.

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Die OffBlogger auf dem roten Teppich (v.l.): Judith Gawol, Claus Spitzer, Thorsten Bruns, Mareike Lange, Mathias Freese, Melanie Schmidt, Mara Scherzinger und Ramona Walter

Bei einem Teller Erbsensuppe
Fantastisch. Das beschreibt die vergangenenen fünf Tage beim Oldenburger Filmfest absolut treffend. Ich habe zu viele grandiose Eindrücke gesammelt, um sie hier alle zum Besten zu geben. Ein besonderer und beispielhafter Moment war, als ich mit Regisseurin Claire Carré, über deren Erstlingswerk „Embers“ ich meine erste Filmrezension geschrieben hatte, ins Gespräch kam – zufällig, bei einem Teller Erbsensuppe. Sie hatte meine Kritik gelesen und meinte, ich hätte verstanden, was sie mit dem Film sagen wollte. Ein schöner Moment – einer von vielen. Im großartigen Film „Tangerine“ heißt es: „L.A. is like a beautifully wrapped lie.“ Beim Filmfest wirkte zwar auch vieles „beautifully wrapped“, aber ich kann sagen: Das war keine Lüge. Das war wirklich schön. Fantastische Filme, fantastische Atmosphäre, fantastische Stimmung – das Flair des Filmfests werde ich nie vergessen, aber hoffentlich wieder erleben. Gerne wieder als OffBlogger.
Mathias Freese

Sprich mit mir
Mich fasziniert, wie das Filmfest so viele unterschiedliche Menschen zusammenbringt. Das hatte ich als Neuling nicht erwartet. Die Insassen der Justizvollzugsanstalt und die Schauspieler, die Journalisten und die Regisseure haben sonst ja nur selten miteinander zu tun. Beim Filmfest verschmelzen sie zu einer großen Gruppe. Dabei ist jeder einzelne immer offen für Gespräche, ohne dass er irgendwie mit sich und/oder seinem Film angeben müsste. Und plötzlich sieht man den, mit dem man eben noch geredet hat, auf der Leinwand wieder. Das war für mich die besondere Erfahrung meines ersten Filmfestes, das mir wirklich viel gegeben hat.
Judith Gawol

Love is in the Air
Ach, Filmfest … Man kann schon sagen, dass ich mich ein kleines großes bisschen in dich verliebt habe! Du hast einfach alles: wunderbare Filme, wahnsinnig interessante Leute, abwechslungsreiche Spielstätten, tolle Partys, eine ergreifende Atmosphäre und grandiosen Kaffee in der Presselounge. Im Gesamtpaket mit dem tollen OffBlogger-Team war das nahezu Liebe auf den ersten „Klick“. Danke für diese tolle Erfahrung! Und auch danke für mein kleines Highlight: den Preis für Sarah Silvermans Schauspielleistung in „I Smile Back“ – für mich der beste Film der fünf Tage! Liebes Filmfest, es hat mir riesigen Spaß gemacht mit dir. Und ich hoffe, dass das nur der Anfang einer großen Liebe war. Bis nächstes Jahr. Du wirst mir fehlen!
Ramona Walter

Die liebe Verwandtschaft
Zwar war ich zum zweiten Mal als OffBloggerin beim Filmfest unterwegs. Aber Routine? Keine Spur! Dafür ist der Adrenalinspiegel durch die Vorfreude und die Neugierde auf Filme und Gäste viel zu hoch. Mit ihnen fühlt sich das Filmfest Oldenburg an wie ein großes Familientreffen. Die OffBlogger sind wie Geschwister und die internationalen Besucher wie die Verwandtschaft, die in diesem Jahr u.a. aus den USA, Spanien und Österreich angereist kam. Und einiges zu erzählen hatte: Von einer jungen Frau, die während eines Stromausfalls in New York ihren persönlichen Alptraum erlebt („Dark“). Von zwei Transgender-Freundinnen, die einen turbulenten Heiligabend zusammen verbringen („Tangerine“). Oder von einem Mädchen, das nach zehn Jahren ihren Vater zum ersten Mal wiedersieht und feststellen muss, dass er gar nicht der erfolgreiche Schauspieler ist, der er vorgibt zu sein („God of Happiness“). Geschichten wie diese bedeuten für das Filmfest: fünf Tage lang Filme schauen, reflektieren, rezensieren. Und natürlich sich durch das ganze Drumherum wie die Treffen in der VIP-Lounge, die Galas und die Partys treiben lassen. Ein Wahnsinn, der sich wieder mal vollends gelohnt hat! Und auch belohnt wurde: So hat sich die Regisseurin Storm Garner bei mir per Tweet für meine Rezension zu ihrem Kurzfilm „The Loyalist“ bedankt. Grandios! Nun sind sie abgereist, die Verwandten. Ich bin gespannt, was für Geschichten sie nächstes Jahr im Gepäck haben werden.
Melanie Schmidt

Disruption, Dekonstruktion, Elevation
BOOM! Jedes Jahr im September kommt der Knall. Ich weiß genau wann, ich weiß genau wo. Trotzdem trifft er mich mit voller Wucht und verändert alles: meinen Rhythmus, meine Eindrücke, meine Gedanken, meine Gefühle. Dieser Knall ist eine positive disruptive Energie, eine kreative Zerstörung meines Alltags. Mein Leben wird durch ihn dekonstruiert und neu zusammengesetzt. Das Ergebnis: eine spirituelle Elevation. Zu esoterisch? Okay, dann im Filmfest-Jargon: A Blown Mind. Durch kreative Impulse, durch bewegende Momente, vor allem aber: durch unvergessliche Begegnungen. Für mich sind sie das Herzstück des Festivals, weil sie andauern und fortbestehen. Manchmal sogar für immer. Schwer ist nur dieser Moment: der Montagmorgen, der mich zurück in die Realität holt: „Bitte bringen Sie Ihre Sitzlehnen in eine aufrechte Position.“ Es ist unbequem, es gefällt mir nicht. Doch es gibt einen Trost: Dies ist nicht die Ruhe nach dem Sturm. Dies ist das Auge des Tornados. 364 Tage bis zum nächsten BOOM! Und alles geht von vorne los. Zum Glück!
Thorsten Bruns

Die Klasse von ’99
Die Generation der ersten Filmfest-Praktikantinnen und -Praktikanten ist im Business angekommen. Schon im vergangenen Jahr präsentierte Caroline Kirberg als Produktionsleiterin ihren Film „Von jetzt an kein Zurück“ in Oldenburg. Sie hatte hier 1999 ebenso ein Praktikum absolviert wie Ineke Hagedorn, die in diesem Jahr als Produzentin „Meet me in Montenegro“ vorstellte. „Ich wollte unbedingt damit nach Oldenburg“, sagt die Wahlberlinerin im OffBlogger-Interview. Es ist diese Verbundenheit mit der Stadt, mit dem Festival, natürlich auch mit Torsten Neumann, die dieses Filmfest zu einem Unikat in einer Branche macht, die sonst von Glanz und Glamour lebt. Irgendwann kommen sie alle wieder – die Regisseure und Produzenten, die Schauspieler und Kameraleute, die Journalisten und (dann) Ex-Praktikanten. Mal sehen, wer es aus der Klasse von 2015 schafft …
Claus Spitzer-Ewersmann

Verletzen und verstören, versöhnen und verzaubern
Das Leben und die Welt kommen einem selten so nah wie beim Filmfest Oldenburg. Tausende Gesichter tanzen auf tausenden Bildern, die mal tief bewegen, mal provozieren, mal schlicht unterhalten. Und tanzen durch Oldenburg, von Kino zu Kino, von Begegnung zu Begegnung, von Event zu Event. Ihre Geschichten – die auf der Leinwand und die in der (Filmfest-)Wirklichkeit – festzuhalten und auch anderen zugänglich zu machen war unser Ziel. Und natürlich eigene zu erleben, mit den Personen auf und vor der Leinwand. Zuzulassen, dass diese Nähe verletzen und verstören, aber auch versöhnen und verzaubern kann. Das Leben und die Welt sind eine einzige große bildgewaltige Geschichte, die zu erzählen für uns Menschen unverzichtbar ist. Und genau das macht auch das Filmfest unverzichtbar.
Deshalb packe ich mein Statement zu den FIVE DAYS in FIVE WORDS:
Oldenburg without Filmfest? No way!
Mareike Lange

Foto: Jörg Hemmen

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