Sommer, Sonne, Sex

– Filmkritik zu „Der Vater meiner besten Freundin“ –

Der französische Regisseur Jean-François Richet  wendet sich mit „Der Vater meiner besten Freundin“  (F, 2015) nach seinem zweiteiligen Thriller-Biopic „Public Enemy No. 1“  einem deutlich leichteren Stoff zu. Mit seinem Remake der Komödie „Aller Anfang macht Spaß“ (F 1977) von Claude Berri schafft er einen lockeren Unterhaltungsfilm mit ganz viel Sonne, Strand, Mittelmeer und einem Vater, der die Tochter seines besten Freundes entjungfert.Der_Vater_meiner_besten_Freundin

Der Vater meiner besten Freundin ist ein sehr netter und für sein Alter durchaus attraktiver Mann. Aber könnte ich mich in ihn verlieben? NIEMALS. Das ist auf so vielen Ebenen falsch und unvorstellbar, dass mir die Haare zu Berge standen, als ich die Thematik des Films auf mich und meine beste Freundin bezog. Doch für Louna (Lola de Lann) ist das keineswegs falsch und unvorstellbar – sie verliebt Hals über Kopf in den Vater ihrer besten Freundin Marie (Alice Isaaz), während sie alle gemeinsam im Haus von Lounas Großvater auf Korsika Urlaub machen.

Auf diesen Urlaub haben die beiden Mädchen zunächst gar keine Lust. Verreisen mit den Vätern – und das mit fast 18! Und wäre das nicht schon schlimm genug, steht das Haus, das Lounas Vater Antoine (Francois Cluzet) von seinem Vater geerbt hat nicht direkt am Strand, sondern irgendwo in der totalen Einöde – weitab vom Partytrubel, in dem sich auch ihre Freunde rumtreiben.

Laurent (Vincent Cassel) und Antoine sind ebenfalls beste Freunde und sitzen momentan im selben Boot: Laurent ist geschieden, Antoine steht kurz davor und liefert sich heftige Streits mit seiner Angetrauten, unter denen Louna ganz offensichtlich sehr leidet. Sie vertraut sich Laurent an und es wird immer deutlicher, dass sie in ihm nicht nur den Vater ihrer besten Freundin oder einen väterlichen Freund sieht, sondern dass sie mehr für ihn empfindet. Auf einer Party, auf der Laurent eigentlich auf die beiden aufpassen soll, betrinkt er sich und lässt sich später am Strand von Louna verführen. Während er im Nachgang versucht seinen Fehler zu vertuschen, schmeißt sich die Tochter seines besten Freundes ihm immer wieder an den Hals und beteuert ihre tiefen Gefühle zu ihm.

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Nach dem fatalen Fehler tauscht Regisseur Jean-François Richet einen Teil der Leichtigkeit gegen ernstere Konflikte aus. Antoine soll natürlich auf keinen Fall erfahren, dass Laurent mit seiner Tochter geschlafen hat. Die smarte Marie versteht aber schon am nächsten Tag, was da zwischen den beiden gelaufen ist und verurteilt die beiden aufs schärfste. Nun steht für Laurent nicht nur die Freundschaft zu Antoine auf dem Spiel, sondern auch die Beziehung zu seiner Tochter.

Trotz der ganzen Konflikte stellt sich „Der Vater meiner besten Freundin“ eher als simpel gestrickte und harmlose Komödie heraus, bei der sich der zwischenmenschliche Ritt auf Messers Schneide in Wohlgefallen und tollen Landschaftsbildern auflöst.

Das schwierige Thema wird vor allem gerade dadurch so leicht gemacht, da sich Lounas Verliebtheit rundum naiv darstellt und somit weiterführende Gedanken, wie die Liebe nun weitergehen könnte, gar nicht erst aufkommen.

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Und genau aus diesem Grund habe ich mir nun auch keine weiteren Gedanken mehr dazu gemacht, wie es wäre mich in den Vater meiner besten Freundin zu verlieben – der Film hat mir nämlich keine großartige Fläche geboten, um meine Vorstellungskraft zu reizen. Vielleicht bin ich dafür auch nicht mehr jung und naiv genug. Aber: Ich hab mich definitiv gut unterhalten gefühlt und möchte nun auch mit meiner besten Freundin Urlaub auf Korsika machen – allerdings ohne unsere Väter!

Text: Ramona Walter
Fotos: Filmfest Oldenburg, Casablanca Oldenburg, RP Online


Screening von „Der Vater meiner besten Freundin“:
S0., 20.9., 14.30 Uhr, EWE Forum Alte Fleiwa

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