„Touched in the head. Touched by the hand of God“

– Ein Film, der mit der menschlichen Psyche spielt: „Touched“ – 

Schritte, Stille, kleine Füße, die sich den Weg aus einem Fenster bahnen. Das Bild ist kühl. Es ist dunkel, Nacht und kalt. Ein kleines Mädchen, Caitlyn (Lola Flanery), läuft von zu Hause weg. Schnell, allein, verängstigt. Und singt dabei Josephine Camerons „I See the Moon“. So beginnt Karl R. Hearnes großes Spielfilmdebut „Touched“, das beim Filmfest Oldenburg Weltpremiere feiert.

„I see the moon the moon sees me
Down through the leaves of the old oak tree
Please let the light that shines on me
Shine on the one I love”                                          

(Josephine Cameron – I See the Moon)

So bedrohlich und beunruhigend der Film begonnen hat, so düster geht er weiter: Ein Mann wacht erschrocken aus einem Traum auf. Er war es, der das Mädchen von zuhause weglaufen sah. „Er“ ist Gabriel (Hugh Thompson), der Vermieter der Wohnung, in der Caitlyn als erwachsene Frau einst lebte. In der nächsten Szene sitzt er zusammen mit der damals neunjährigen Caitlyn in einem leeren Raum. Das Mädchen ist angekettet. Beide trinken Tee aus imaginären Tassen. Distanziert und doch freundschaftlich ist das Verhältnis der beiden zueinander. Beim Anblick dieses Bildes bleiben viele Fragen offen.

Es handelt sich um zwei einsame Personen, introvertiert, ruhig und irgendwie bedrückt. Um Soziopathie und die Zerbrechlichkeit menschlicher Güte zugleich. Um eine Suche, die eigentlich längst eingestellt wurde. Die Suche nach einem Mädchen, das weglief. Das viele kannten, aber die meisten plötzlich nie wieder sahen. Und das jetzt gefunden werden will.

Auf mysteriöse Art verwebt Karl R. Hearne Drama und Horror zu einem Thriller-ähnlichen Gebilde, das seine Zuschauer zwischen Wirklichkeit und Fiktion gefangen hält. Der Regisseur jongliert gekonnt zwischen großer Storyline und kleinen Details: Nahaufnahmen von Wischmopp, Zimmernummern und fragwürdigen Wandflecken, Stimmen im Hintergrund, Streitereien, Schreie ohne Bild, lange und dunkle Gänge verinnerlichen ein tiefes Unbehagen. Dieses unangenehme Gefühl spiegelt sich auch im Soundtrack wider.

Gabriel versucht also, Caitlyn zu helfen. Er versteht sie, blickt hinter die Fassaden. Tut alles für sie. Und schließlich gibt es nur noch eine Lösung für ihn. Einen Schritt, der das Mädchen für immer befreien soll. Eines sei verraten: Der Film endet, womit er begann – nur ganz anders als erwartet! Gänsehaut und Tränen waren mein Resultat.

Text: Janina Gründemann
Fotos: Filmfest Oldenburg

Screenings von „Touched“:
Fr., 15.9., 21.30 Uhr, Cine k / Muvi
Sa., 16.9., 14.30 Uhr, Cine k / Muvi

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