Über den Dächern der Stadt mit Amanda

– Ein Interview mit einer inspirierenden und nahbaren Persönlichkeit –

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Ehrengast des Festivals: Amanda Plummer

Amanda Plummer ist einer der Ehrengäste des diesjährigen Filmfestes und wurde mit dem German Independence Honory Award ausgezeichnet. Am letzten Tag nimmt sie sich, trotz des straffen Programms des Festivals, Zeit für einige Interviews, unter anderem für Offbloggerin Mareike Schulz. Auf dem Balkon des Altera Hotels in der Innenstadt sprach Amanda Plummer über berührende Momente in Oldenburg, ihr Filmpensum und schlechte Interviews.

 

Als ich mich Amanda Plummer vorstelle und ihr die Hand schüttele, fällt mir auf, welch zarte Person da vor mir steht. Sie ist mehr als einen Kopf kleiner als ich, hat dafür einen umso längeren Pony und trägt eine lässige Mütze. Obwohl Amanda anzumerken ist, dass das Festival ihr in den Knochen steckt, nimmt sie sich Zeit und zeigt keinerlei exzentrische Allüren. Der Einstieg ins Gespräch ist mein Name, den sie, im Gegensatz zu vielen anderen, deren Muttersprache nicht deutsch oder niederländisch ist, sofort richtig ausspricht. Darüber kommen wir auf die Tatsache, dass Plummers Muttersprache Französisch ist.

Plummer: Ich muss sagen, ich bin so faul! Als ich einen französischsprachigen Film abgedreht hatte, musste ich mein Französisch wieder auffrischen und habe mir daraufhin fest vorgenommen, mindestens fünf Seiten täglich auf französisch zu lesen, um am Ball zu bleiben. Komm schon, Amanda, dachte ich mir! Aber ich muss sagen, es ist wirklich schwer. (lacht) Aber wir sollten zu Ihren Fragen kommen.

Gestern waren Sie in der JVA und haben sich dort mit Besuchern und Insassen „Pulp Fiction“ angeschaut. Was war das für eine Erfahrung?

Amanda Plummer schweigt lange und wirkt sehr gerührt. Schließlich sagt sie:

Plummer: Jeder, wirklich jeder dort, war so gnädig, vollkommen fremde Leute willkommen zu heißen. Alle Insassen haben uns, oder mir, ich kann nicht für jeden sprechen sondern nur für mich, das Gefühl gegeben sehr willkommen zu sein. Es war ein entspanntes Zusammensein, sehr relaxed, sodass es für mich ein total angenehmes Erlebnis war. Die Mitarbeiter, Insassen und Fotografen, alle haben ihre eigene Energie mitgebracht, wirklich jeder in diesem Raum war eine Energiequelle, jeder war einfach bereit, alle haben ihre Bereitschaft durch ihre körperliche Anwesenheit gezeigt. Klingt das sinnvoll für Sie?

Ich erzähle ihr von meinem JVA-Besuch am Freitag (Schnittchen hinter Gittern).

Plummer: Ja, es war wirklich sehr emotional. Eine gute Erfahrung und – auch wenn ich mir dessen nicht direkt bewusst war oder es nicht laut gedacht habe – ein intensives Gefühl der Freiheit, als ich wieder draußen war.

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Offbloggerin Mareike Schulz im Gespräch mit Amanda Plummer.

Werden Sie vor allem daran zurückdenken, wenn Sie wieder zuhause sind? Welchen Eindruck nehmen Sie aus Oldenburg mit?

Plummer: Alles wird mir in Erinnerung bleiben, alles hinterlässt einen Eindruck bei mir. Alles wird ein Teil von mir. Alle Filme, die ich gesehen habe, bleiben im Kopf. Als Gast dieses Festivals habe ich viele Orte in Oldenburg besucht, was toll ist, weil ich viele großartige Regisseure getroffen habe, mit ihnen sprechen und eine gute Zeit haben konnte. Auch die Filme zu schauen war schön. Allgemein: Jede Woche meines Lebens schaue ich mir mindestens 15 Filme an.

Das ist viel!

Plummer: Ich weiß, ich bekomme nicht viel Schlaf. Wer weiß, war mir deswegen noch passieren wird! (lacht)

Die Interviewzeit ist knapp bemessen, deswegen müssen wir zum Ende kommen. Amanda Plummer interessiert sich dafür, wie ich mein Interview verfassen werde und begründet dies wie folgt:

Plummer: Ich werde zu Tode paraphrasiert. Entweder weil die Leute mich nicht verstehen oder weil sie zu viel zu tun haben, ich weiß nicht welche Gründe sie noch haben, ich bin schließlich nicht sie. Ich hasse es, paraphrasiert zu werden. In einem der ersten Interviews, die ich gegeben habe, ist mir das passiert, mir ist ganz übel geworden, als ich das Ergebnis gelesen habe. Damals war ich noch neu im Geschäft und war unerfahren.

Das wird hier nicht passieren, versprochen! Vielen Dank für Ihre Zeit, genießen Sie Ihren restlichen Aufenthalt in Oldenburg!

Interview: Mareike Schulz
Fotos: Lawrence Diederich

 

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