Und welcher ist Ihr Lieblingsgott?

– Filmkritik zu „God of Happiness“ –

Georgi (Lasha Bakradze) ist – wie könnte es bei diesem Namen anders sein – ein Auswanderer aus Georgien, der in Stuttgart eine Art Doppelleben führt. Regisseur Dito Tsintsadze hat mit „God of Happiness“ (FR/GEO/D 2015) einen Film geschaffen, bei dem sich jede Sekunde lohnt.

Als nicht gerade erfolgreicher „Schauspieler“ (Achtung: Es folgen noch viel Anführungsstriche!) verdient sich Georgi sein Brot im Nebenerwerb als Zuhälter. Allerdings gehört er nicht zu der Sorte, an die man gewöhnlich denkt. Georgi legt viel Wert auf Benimm und Anstand und erwartet das auch von seinem einzigen „Angestellten“ und Mitbewohner Ngudu (Elie James Blezes). Mit dem treuen Ngudu an seiner Seite vermittelt Georgi gelangweilten westeuropäischen Frauen afrikanische Abenteuer …

Man spricht nicht mit vollem Mund!

Die Anweisungen und Aufforderungen zu mehr Disziplin, die Georgi Ngudu erteilt, wirken wie die eines fürsorglichen Vaters. Seine echte väterliche Fürsorge muss Georgi dann auch bald unter Beweis stellen, da sich seine 15-jährige Tochter Tina (Tina Meliava) zu Besuch ankündigt. Sie wohnt bei ihrer Mutter in Kanada und Georgi hat sie seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Dumm nur, dass er ihr jahrelang ein komplett anderes Leben vorgegaukelt hat!

Wenn das Leben dir eine andere Hauptrolle zuteilt

Für Tina ist ihr Papa ein erfolgreicher Schauspieler, der viel Geld hat und ein Luxusleben führt. Bis zur Ankunft seiner Tochter aus Kanada muss sich Georgi also etwas einfallen lassen. Da er ein findiger Mann ist, inszeniert er kurzerhand ein komplett neues Leben. Ngudus Kontakte zu reichen Frauen sei Dank kommt Georgi auch schnell an eine adäquate Unterkunft. Von der kleinen zugemüllten Hütte am Rande der Stadt zieht er nun für ein paar Tage in eine luxuriöse Villa. Als Gattin heuert er sich die kiffende Varieté-Tänzerin Mia an (genial gespielt von Nadeshda Brennicke). Tina wird bei ihrer Ankunft eine vorbildliche Existenz vorgespielt. Wie gut, dass sie kein Deutsch versteht. Oder etwa doch? Das Mädchen ist sehr zurückhaltend und schweigsam, dafür aber eine recht gute Beobachterin.

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Spätestens als sie Zeugin eines intensiven Techtelmechtels zwischen ihrer angeblichen Stiefmutter Mia und deren „Halbbruder“ wird, droht das Kartenhaus aus Lügen zusammenzubrechen.

Spielen Ruhm und Reichtum überhaupt eine Rolle?

Langsam nähern sich Vater und Tochter an und Georgi nimmt Tina stolz an das Filmset, an dem er ein kleine Komparsenrolle innehat. Ein letztes Mal versucht der Vater seiner Tochter vorzumachen, was für ein einfluss- und erfolgreicher Mann er ist. Das geht aber leider komplett nach hinten los. Zumindest in Bezug auf Georgis Job. Für Tina ist und bleibt ihr Papa einfach ein Held.

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Was wie ein französischer Klamauk-Film anmutet, ist eine (fast schon) poetische Tragikomödie. Der Film bezaubert mit seinen Dialogen, die einen mal zum Lachen, mal zum Nachdenken bringen. Die Bilder sind wundervoll mit der Kamera eingefangen, so dass sie auch dann wirken, wenn kein Dialog erfolgt. Abgerundet wird „God of Happiness“ von den ganzen kulturellen Einflüssen, die diesen Film im positiven Sinne prägen.

Die Schauspieler haben für mich eine großartige Arbeit abgeliefert. Gerade der Hauptdarsteller, Lasha Bakradzem, spielt seine Rolle so überzeugend, dass der Film stellenweise wirkt wie tatsächlich aus dem Leben gegriffen.

Fazit: absolut sehenswert!

Text: Melanie Schmidt
Fotos: Filmfest Oldenburg


Screenings von „God of Happiness“:
Do., 17.9., 19 Uhr, EWE Forum Alte Fleiwa
So., 20.9., 16.30 Uhr, Exerzierhalle

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