Von der Schülerin zum Heimkind und zurück

– Eine Statistin über ihre Erfahrungen am Set zu „Von jetzt an kein Zurück“ –

Das Statisten-Dasein klingt bei erster Annäherung nicht unbedingt erstrebenswert, ist der Statist doch als Einzelner unauffällig, da er keine tragende individuelle Rolle im Film hat. Besonders in Massenszenen werden gerne Laien als Komparsen eingesetzt. Herausragend ist die knapp zweiminütige Beerdigungsszene in Richard Attenboroughs Film „Gandhi“: Etwa 300.000 Statisten treten hier auf. Auch im Eröffnungsfilm des Filmfests waren Statisten gefragt und konnten in die Heimrealität der 1960er Jahre eintauchen. Wir haben mit Cera (17) gesprochen, die als Statistin bei den Dreharbeiten dabei war. Sie erzählt von Kälte und Stress, die der Einsatz als Komparsin mit sich bringen, aber auch von der unvergesslichen Erfahrung.

Bis zum fertigen Film ist es ein langer Weg - Cera durfte ihn ein Stück mitgehen.

Bis zum fertigen Film ist es ein langer Weg
– Cera durfte ihn ein Stück mitgehen.

„Obwohl ich an nur drei Tagen beim Dreh dabei sein konnte, war es spannend und interessant mitzuerleben, wie die Arbeit hinter der Kamera funktioniert und wie viel Aufwand ein Film bedeutet. Die Stimmung am Set war meist recht angespannt – nicht aufgrund der schwierigen Thematik, sondern weil die Verantwortlichen vom Film, also Crew, Regie und Aufnahmeleitung, verständlicherweise immer unter Druck standen. Trotzdem waren alle total nett zu uns und es hat viel Spaß gemacht. Statisten sind nun mal dazu da, in Szenen mit einer größeren Anzahl von Menschen im Hintergrund zu stehen. Dementsprechend wurde es nach einiger Zeit kalt und langwierig für uns. In den Drehpausen konnten wir Komparsen uns aber unterhalten und damit die Kälte ausblenden.

Zum Zeitpunkt des Drehs wusste ich noch gar nicht so richtig, worum es in dem Film geht.

Uns Komparsen wurde grob erläutert, was für uns als ‚Insassen des Heims‘ wichtig war zu wissen: dass Ruby ein Heimmädchen in den 1960er Jahren ist und in einen Jungen verliebt, der ebenfalls in ein Heim gesteckt wurde. Und dass sie unbedingt aus diesem Heim flüchten möchte. Ansonsten haben wir einfach Anweisungen bekommen, was genau wir machen und wie wir gucken sollen. Und dann ging es auch schon los.

Somit hat mich die sicher sehr düstere Stimmung des Films am Set gar nicht persönlich berührt, auch wenn man das vielleicht erwarten würde.

Natürlich scheint die Atmosphäre beim Gucken des Films angespannt und bedrückt – das ist ja das Ziel der Szene gewesen, in der ich mitgewirkt habe. Am Set selbst aber war die Atmosphäre nicht so.

Ergo war es für uns als Komparsen auch nicht schwierig, zwischen Dreh und Realität zu wechseln. Insgesamt fand ich es spannend, am Set dabei gewesen zu sein und hinter die Kulissen schauen zu dürfen. Obwohl ich nicht direkt selbst mit Kamera und Ton zu tun hatte, konnte ich von meinem Platz aus mitbekommen, wie die Crew arbeitet. Das Schauspielen hat also trotz endloser Wiederholungen der Takes sehr viel Spaß gemacht.“

 Foto: Filmfest Oldenburg


Die Screenings zu „Von jetzt an kein Zurück“

Mi., 10.9., 19 Uhr, EWE-Arena
Sa., 13.9., 14.30 Uhr, JVA

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