Von einem Schlachtfeld namens “Familie“

– Diejenigen, die wir lieben, können uns auch am tiefsten verletzen: „MAD“ –

Nach einer späten Scheidung landet Melanie mit einem Nervenzusammenbruch in der Psychiatrie. Ihre beiden grundverschiedenen Töchter sind mit der Situation überfordert, haben sie doch schon genug eigene Probleme, als dass sie sich nun auch noch um ihre verrückte Mutter kümmern könnten. Doch durch die Situation der Mutter müssen sich die drei Frauen zusammenreißen und sich immer wieder miteinander konfrontieren. Ein authentischer Film über die Nähen und Distanzen in einer Familie.

Stark: Maryann Plunkett als Mel.

Stark: Maryann Plunkett als Mel.

„Ich will mich umbringen, aber keine Sorge, ich werde es nicht tun“, schluchzt Melanie (Maryann Plunkett) in den Hörer. Kurz darauf wird sie weinend in die Psychiatrie eingeliefert. Die Diagnose: Nervenzusammenbruch, Depressionen, sowie eine schon früher festgestellte bipolare Störung. Nach einer langen Ehe muss sie sich nun daran gewöhnen, eine geschiedene Ehefrau zu sein. Ihre beiden erwachsenen Töchter sehen sich ratlos mit der neuen Situation konfrontiert, dass ihre Mutter ihre psychischen Probleme nicht mehr länger bloß mit Medikamenten betäuben kann, sondern ernsthaft Hilfe braucht.

Dabei haben die beiden ungleichen Schwestern schon genug mit sich selbst zu tun. Connie (Jennifer Lafleur), die knallharte Karrierefrau, nimmt nie ein Blatt vor den Mund und ist hierbei nicht gerade zimperlich. Nur selten zeigt sich der weiche Kern unter ihrer harten Schale. Opfer von Connies brutal ehrlichen Wortweise ist neben ihrer Mutter, ihre kleine Schwester Casey (Eilis Cahill), die um einiges sensibler ist, aber dafür ihr Leben nicht ganz so perfekt im Griff hat wie ihre große Schwester. Um über die Runden zu kommen, arbeitet sie von zuhause aus heimlich als Camgirl und probiert sich als Hobby-Schriftstellerin in einer Schreibgruppe.

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Casey (Eilis Cahill) und Connie (Jennifer Lafleur). Zwei wie Feuer und Wasser.

Die beiden Schwestern überzeugen Mel schließlich, professionelle Hilfe anzunehmen. Sie fühlt sich von ihren Kindern daher „unter den Teppich gekehrt“ und nimmt nur widerwillig an den Gruppentherapien in der Psychiatrie teil. Zwischen Bastelstunden mit Sicherheitsscheren, Gesprächen mit skurrilen Mitpatienten und Wortwitzen ihres übereifrigen Therapeuten versucht sie immer wieder ihren Exmann anzurufen, da sie ihre Scheidung noch immer nicht realisieren möchte.

Holding back the years, holding back the years,
thinking of the fear I’ve had so long …

Während Mel ihr Bestes gibt, nicht vollends verrückt zu werden, versuchen Connie und Casey ihrerseits nicht die Kontrolle über ihre Leben zu verlieren. Wenn sie nicht gerade miteinander über ihre Mutter und ihre gegensätzlichen Lebensansichten diskutieren und in schönster Geschwistermanier aneinandergeraten, hat jede nämlich mit ihrem eigenen Chaos zu tun. Einerseits liebevolle Mutter und Ehefrau, muss Connie andererseits in ihrer Firma eine Korruptionsaffäre bewältigen, bei der es bald um viel mehr geht, als nur um ihren Arbeitsplatz. Casey ihrerseits, muss sich aufgrund ihres unkonventionellen Nebenjobs von vielen Männern den Satz “Du kommst mir total bekannt vor“ anhören und versucht sich in ihrer Schreibgruppe nicht vollends zu blamieren.

Und so murkst halt jeder vor sich hin.

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Regisseur Robert Putka

Mitzuerleben, wie die Protagonistinnen zunächst völlig voneinander entfremdet aufeinanderprallen und sich durch verschiedene Stadien der Hassliebe kämpfen, ist mitunter komisch, lässt einen aber auch des Öfteren mit erschrockenem Gesicht in den Sessel zurückfallen oder die ein oder andere Träne aus dem Augenwinkel wischen.

Teile des Drehbuchs stützen sich auf die eigene komplizierte Beziehung Robert Putkas zu seiner Mutter, die im Laufe seines Lebens ebenfalls mit pyschischen Problemen zu kämpfen hatte. Dem erst 25 Jahre alten Regisseur ist mit „MAD“, seinem Spielfilmdebut, ein Film gelungen, der zwar wehtut, aber auch sehr berührt. Fun Fact: Putka und seine Mutter haben jeweils einen kleinen Cameoauftritt im Film.

Text: Liv Stephan
Fotos: Filmfest Oldenburg

Screenings von „MAD“:
Sa, 17.09., 21.30 Uhr; Cine k/Studio
So, 18.09., 14.30 Uhr; Cine k/Studio

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