„Wir unterstützen das Filmfest, weil es frech ist!“

– Peter Göttelmann, Marketingleiter beim langjährigen
Filmfestsponsor EWE, äußert sich zum Thema Kulturförderung –

2007: Peter Göttelmann (l.) im Gespräch mit Festivalchef Torsten Neumann und Gast Stacy Keach

2007: Peter Göttelmann (l.) im Gespräch mit Festivalchef Torsten Neumann und Gast Stacy Keach

EWE ist seit vielen Jahren Förderer des Internationalen Filmfestes Oldenburg. Über die Motive für das Sponsoring haben wir uns mit dem Marketingleiter des Unternehmens Peter Göttelmann unterhalten.

Frage: Herr Göttelmann, welche Philosophie steckt hinter dem Engagement von EWE im Bereich Kulturförderung?

Peter Göttelmann: Die Grundphilosophie speist sich aus unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Kultur ist ein ganz wesentlicher Faktor für unser Leben und unsere Entwicklung – genau wie Sport, Bildung oder Soziales. Kultur spielt für die Gesellschaft eine wichtige Rolle, daher fühlen wir uns als großes Unternehmen hier gefordert. Wir möchten, dass Dinge weiter Bestand haben oder sich weiterentwickeln können, die wichtig sind für die Zeit, in der wir leben und von der wir leben.

Wie trifft man da eine Auswahl? Es dürften viele Anfragen sein, die auf Ihrem Tisch landen …

Göttelmann: Es werden tatsächlich mehr und es gibt ohnehin viel mehr, als man fördern könnte. Also muss man eine Auswahl treffen. Wir beleuchten die Anfragen aus verschiedenen Perspektiven. Wie wichtig ist das Ereignis für die Gesellschaft? Ist es etwas Elitäres, nimmt es weite Teile der Gesellschaft mit? Ist es populär? Hinzu kommt die Frage: Inwieweit hängt eine Veranstaltung vom EWE-Engagement ab?

Wir wollen dazu beitragen, dass möglichst viele Dinge stattfinden, ohne dass sie zu sehr von uns abhängig sind.

Zudem ist gerade in Zeiten knapperer Kassen eine Veranstaltung, die es schon länger gibt, eher förderungswürdig als eine, die neu kommen soll. Mit der Qualität hat das nichts zu tun. Last but not least müssen die Veranstaltungen zu uns und zum Image passen, denn es geht immer auch um Marketing.

Welchen Reiz übt das Filmfest Oldenburg für EWE aus?

Göttelmann: Das Filmfest finde ich für EWE so besonders, weil es ein Exot in der Kulturlandschaft ist. Es ähnelt wenigen anderen Kulturveranstaltungen und ist darum für uns interessant. Wir sehen es als bunten Tupfer für die Gesellschaft und als Ergänzung des Kulturangebots, deshalb unterstützen wir es. Es ist anders, weil es frech ist, weil es jung ist – und es ist Independent! Das ist ein Umfeld, in dem man EWE nicht unbedingt vermutet. Es ist einfach auch für uns was Besonderes.

Ein Festival, das auf den Mainstream abzielen würde, wäre für Sie dann nicht so interessant?

2009: Peter Göttelmann mit Torsten Neumann

2009: Peter Göttelmann mit Torsten Neumann

Göttelmann: Das würden wir unter den normalen Gesichtspunkten prüfen und klären, ob es wichtig ist für die Region. Aber ganz ehrlich: Es wäre ein ganz kleines Bisschen weniger interessant. Die Würze beim Filmfest kommt eben durch seine Andersartigkeit. Und weil es polarisiert. Da ist etwas Freches und da ist etwas anders, und das gehört zur Gesellschaft. Und das macht es einen Tick spannender als andere Dinge, die an uns herangetragen werden.

Was können daraus andere Kulturveranstalter lernen, die mit Wirtschaftsvertretern über Förderung sprechen – oder sprechen wollen?

Göttelmann: Ich glaube, dass Wirtschaftsunternehmen, die in der Regel eher vorsichtig und konservativ gepolt sind, etwas mehr Mut benötigen.

Deshalb müssen Kulturtreibende gegenüber Unternehmen besser die Optionen darstellen, auch mal aus ihren alten Bahnen auszubrechen.

Das sollte man nicht zu oft tun, aber Reizpunkte können wir und andere Unternehmen setzen. Wir sind ja auch nicht der einzige Sponsor des Filmfestes, und wir sind auch nicht der einzige, der normalerweise etwas gesetzter daherkommt.

Ich muss mein Profil also nicht verbiegen oder gar versuchen, meine Veranstaltung so auf Sponsoren zurechtzuschneiden, dass diese sie gut finden? Das würden Sie eher verkehrt finden?

Göttelmann: Ja – wohl wissend, wie schwer das ist. Natürlich benötigen wir als Sponsor eine Gegenleistung, aber das darf nicht um den Preis sein, dass ein Filmfest am Ende nur die Summe aller Wünsche der Sponsoren ist. Bislang haben wir da aus meiner Sicht einen guten Weg gefunden. Man darf das Spezielle, das Besondere nicht verkaufen und sich nicht von seiner Linie lösen, auch wenn Sponsoren das wollen. Man muss als Veranstalter an das Herz appellieren.

Wie sieht es mit Ihrem persönlichen Interesse am diesjährigen Filmfest aus? Haben Sie schon einen Plan?

Göttelmann: Nur einen groben, auch wenn ich das Programm schon durchgestöbert habe. Oft ist es allerdings so, dass mein Programm durch die Pflichtveranstaltungen festgelegt wird: Wir haben beispielsweise die Eröffnung, wir haben die Veranstaltungen im EWE Forum Alte Fleiwa. Selbst die Closing Night habe ich in den letzten Jahren an meinen Kollegen und Freund Torsten Wieting abgegeben.

Herr Göttelmann, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Claus Spitzer-Ewersmann.
Fotos: Filmfest Oldenburg

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