Wofür sind Filmfestivals gut?

– OffBlogger-Umfrage 

Publikum, Filmemacher, Branche: Für wen sind Filmfestivals – gerade in der Ära des heimischen DVD-Konsums – eigentlich gut? offblogger.de hat Festivalmacher befragt.

Gabriella Bandel, künstlerische Leiterin beim Festival um den Max Ophüls Preis in Saarbrücken, sagt: „Auf Festivals sieht man Filme, die man sonst so nicht im Kino zu sehen bekommt. Diese Vielfalt , die ausverkauften Kinosäle, die anschließenden Gespräche mit den Machern sorgen für eine unvergleichbare Atmosphäre. Filmfestivals sind Besuchermagneten und zeigen, welches riesiges Interesse am Film besteht. Die Filmemacher, insbesondere junge neue Talente, können sich hautnah am Publikum messen. Dieser direkte Austausch zwischen Zuschauern und Filmemachern, aber auch zwischen Branchenvertretern untereinander, ist enorm wichtig. Networking bei Festivals spielt eine zentrale Rolle für weitere Projekte. Nicht zuletzt ebnen Wettbewerbe mit ihren Preisgeldern den Weg des Erfolgs. Alles in allem, glaube ich, sorgen Filmfestivals dafür, dass das Kino lebt!“

Christian Modersbach, Festival-Manager der Nordischen Filmtage Lübeck, meint: „Festivals sind und waren immer ein spezieller Ort. Sie stellen zunehmend ein eigenes und wichtiges Auswertungsfenster für Filme dar, neben den sonstigen Möglichkeiten im Kino oder auf DVD bzw. im TV. Festivals zeigen meistens ein nach nicht-kommerziellen Kriterien ausgewähltes Programm, was sie einzigartig macht. Somit stehen Festivals auch für Originalität neben der Schnelllebigkeit der Filmbranche und wirken der kurzen Verweildauer im Kino entgegen. Festivals bieten Filme, die man sonst nirgendwo sehen kann, nicht mal auf Video- und Downloadplattformen.“

Wieland Speck, Leiter der Sektion „Panorama“ bei der Berlinale: „Man muss bei einem Festival eine Situation schaffen, in der viele Menschen gleichzeitig sehr offen sind. Die Rezeption bei einem Festival ist eine andere. Das heißt, dass man oft Filme hat, die auf dem Festival erfolgreich sind und es doch nachher nicht in den Markt schaffen. Dennoch sind diese Filme wichtig, weil sie unter Umständen Trends setzen, stilbildend wirken, die Karriere eines Regisseurs lostreten oder Produzenten neu positionieren. Da passiert extrem viel, was das Kino für die Zukunft am Leben erhält. Und ich denke, dass ein Festival deshalb eine sehr gute Heimstatt ist, weil die Auseinandersetzung, die das Publikum an dieser Stelle sozusagen labormäßig mit Filmen haben kann, eine Auswirkung auf das hat, was die Filmkünstler nachher in ihrem Leben weiter machen.“
Auszug aus einem Interview, das Clemens von Lucius und Felix von Boehm für das österreichische Magazin Ray geführt haben.

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