Zwischen Entertainment und Ekel

– Regisseur Xander Robin gibt Einblicke in sein filmisches Schaffen

 Xander Robin hat dem Festival mit „Are We Not Cats“ einen besonders bizarren Film geliefert (eine Rezension zum Film gibt es hier). Warum er sich mit der psychischen Zwangsstörung Trichotillomanie auseinandersetzt, wie groß der Ekelfaktor am Set war und weswegen seine Filme eine bittersüße Erfahrung für den Zuschauer sind, hat er Offbloggerin Mareike Schulz erklärt. 

xander-robin

Xander Robin: „Alles was ich machen kann, ist mich voll und ganz auf das Filmemachen einzulassen.“

Frage: Warum haben Sie Trichotillomanie zum Thema des Films gemacht? War das für die Schauspieler nicht eine ekelerregende Erfahrung?

Xander Robin: Tatsächlich kenne ich diese Störung aus meinem persönlichen Umfeld, ich habe erlebt wie es ist, wenn Menschen sich Wimpern oder Kopfhaare ausreißen. Im Zuge dessen habe ich mich online stark mit der Thematik auseinandergesetzt, Bücher dazu gelesen. Die Bandbreite von einer schwachen Ausprägung der Störung bis hin zu sehr ernst zunehmenden Ausmaßen wollte ich dann unbedingt filmisch inszenieren.

Natürlich gab es Momente, in denen die Schauspieler gefragt haben: „Müssen wir das wirklich machen?“

Es macht selbstverständlich keinen Spaß, diese Szenen zu drehen, aber schließlich haben wir keinen Film über einen Genozid gedreht. Also mussten alle am Set da durch.

Warum machen Sie Filme?

Xander Robin: Ganz einfach ausgedrückt: Weil ich nichts anderes mache. Bisher hatte ich einfach noch nicht die Zeit oder Gelegenheit, mich in etwas anderem auszuprobieren. Ich habe mich einmal dazu entschieden, aber vielleicht bin ich in etwas anderem genauso gut oder habe eine große Leidenschaft für andere Sachen, ohne es zu wissen. Vielleicht ist es auch ein Ego-Ding, Filme zu drehen, um meine Gefühle auszudrücken, das wäre solch ein idealistischer Grund: Häufig gelingt mir das auch in Teilen, Gefühle darzustellen und zu verbildlichen, aber trotzdem merke ich jedes Mal, dass ich Dinge hätte anders machen können. Alles was ich machen kann, ist mich voll und ganz auf das Filmemachen einzulassen.

Welche Message sollen die Leute mitnehmen, nachdem sie „Are We Not Cats“ gesehen haben?

Xander Robin: Letztendlich soll der Film in der Erinnerung der Leute weiterleben. Ich möchte ihnen schon das Gefühl geben, gut unterhalten zu werden. Ein guter Film ist aber mehr als das; ein guter Film wird dir auf irgendeine Art und Weise helfen. „Are We Not Cats“ soll die Leute dieses befriedigende Gefühl nachempfinden lassen, wenn du ein Haar zu greifen versuchst und es endlich ausreißt und zugleich zeigen, wie es doch nicht befriedigend genug ist und man deswegen weitermacht, das nächste Haar ausreißt – und dann isst. Dieser Film ist für die meisten Zuschauer eine bittersüße Erfahrung zwischen Entertainment und Ekel.

Wie erleben Sie die Screenings Ihres Filmes?

Xander Robin: Hier in Oldenburg hatte ich gestern mein erstes Screening mit anschließendem Q&A, als einer der ersten Filmemacher des Festivals, ich musste also das Eis brechen. Wenn die erste Frage einmal gestellt ist, dann kommen tolle Unterhaltungen ins Rollen, sodass ein Q&A häufig genauso wertvoll ist wie der Film selbst. Die Interaktion mit dem Publikum ist unheimlich spannend, vor allem wenn es in den Fragen um die Grenze zwischen Unterhaltung und anwidernden Bildern geht.

Besonders spannend in Oldenburg ist die intime Atmosphäre während der Screenings.

Xander Robin: Hier sind die Kinos sehr klein, die Leute sind nicht so isoliert voneinander wie bei anderen Festivals. Genauso unterscheiden sich auch die Reaktionen auf den Film – als „Are We Not Cats“ in Venedig gezeigt wurde, hat das Publikum an ganz anderen Stellen gelacht als hier, da gibt es große kulturspezifische Unterschiede.

Was ist das Besondere am Filmfest in Oldenburg?

Man kann hier alles zu Fuß erreichen! (lacht) Ich gehe in Oldenburg wirklich gerne spazieren und lasse die Stadt einfach auf mich wirken, es ist ein schöner Ort. Es ist wirklich gut organisiert, im Gegensatz zu manch anderen Festivals. Das Angebot und Rahmenprogramm für die Filmemacher ist enorm. Trotzdem wird uns Filmemachern eine, ich nenne es mal, adäquate Aufmerksamkeit zuteil, der Star der Show bin ich sowieso nicht gerne. Ich bin stolz hier zu sein und freue mich, am Sonntag hier noch meinen Geburtstag zu feiern!

Das freut uns, Mr. Robin!

Interview: Mareike Schulz 
Foto: offblogger.de

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.